Interview mit Ruth und Thomas Tanner

Portrait Ruth und Thomas Tanner Portrait Ruth und Thomas Tanner

Als ich bei den Tanners anfragte, ob jemand von ihnen bereit wäre, mit mir das nächste Interview zu gestalten, schlug mir Ruth gleich beide vor. Warum eigentlich nicht, dachte ich, und führte also das Interview mit Ruth und Thomas Tanner.

Colette: Wie kamst Du zum LSVB?
Thomas: Ich bin ein Gegenwartsmensch, das is t mein Problem bei dem Interview. Ein Nostalgiker bin ich nicht. Als ich jung war, fiel mir auf, dass die Leute viel von früher erzählen. Ich habe mir geschworen, falls ich einmal in die Lage komme von früher erzählen zu müssen, werde ich nicht von früher erzählen.

Colette: Da ihr beide langjährige Mitglieder des LSVB seid, ist aber auch die Vergangenheit von Interesse.
Thomas: Also gut, ich bin zum LSVB gekommen weil ich ein Laufbuch gelesen habe, welches heute noch mein Ein und Alles ist: „Marathontraining von Manfred Steffny“. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, beschloss ich, dass ich einmal einen Marathon laufen will. Darauf hin begann ich mich zu erkundigen und prompt existierte ein Basler Marathon. Im Mai 1983 erschien das Marathonprogramm, welchem ich entnehmen konnte, dass es einen Sportverein Basel gibt. Weiter fand ich im Programm, dass der Organisator des Marathons, also der Sportverein Basel, zweimal wöchentlich trainierte. Ich rief den Präsidenten (René Diserens) an, und er teilte mir mit, dass das nächste Training am Donnerstag im St. Jakob stattfinden werde. (Die Garderobe befand sich damals noch auf den heutigen Spielfeldern). So kam es, dass ich an einem Donnerstag im Mai 1983 zum ersten Mal ein Training besuchte. An dieses erste Training kann ich mich recht gut erinnern (schmunzelt) – fast wie der erste Schultag – es war ein warmer Maitag; ich lief neben Rolf Kron und wir liefen die „Fischerrunde- Strecke“. Von Rolf hatte ich das Gefühl, dass er ein offener Typ ist, der auf die Leute zugeht. Während des Laufens erzählte er von einer Brasilienreise. Der Trainer mit leichtem Bauchansatz (an seinen Namen kann ich mich nicht mehr erinnern), rannte nicht mit. Er stand bloss da, und wir drehten unsere Runden bis wir wieder zum St. Jakob zurückkehrten.
Ruth: Zum Laufsportverein kam ich aus folgendem Grund: im Jahr 2001 waren Thomas und ich 25 Jahre verheiratet. Als Jubiläum hatten wir vor, nach New York zu fliegen und am Marathon teilzunehmen. Thomas riet mir, vor New York richtig und coinstar ecertificate GHANA, Ashanti Region – Coinstar Money Transfer Locations regelmässig zu trainieren. Am besten würde ich einem Verein beitreten. Ich nahm seinen Ratschlag wahr und trat dem LSVB bei. Eigentlich wäre ich noch lieber zum TV Muttenz gegangen, weil das näher liegt. Die ältere Tochter trainiert jedoch in diesem Verein und war von meiner Idee weniger begeistert. Auch Thomas hätte das nicht grossen Spass bereitet, also habe ich mich für den LSVB entschieden. In Winterthur lief ich meinen ersten Marathon im Jahr 2000. Unsere Jubiläumsreise haben wir bis heute noch nicht verwirklicht, weil wir nach dem Attentat (11. September 2001) nicht in die traurige Stadt wollten. Aber: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Colette: Worin besteht für Dich der Reiz des Laufens?
Ruth: Es ist vor allem der gesundheitliche Aspekt. Ich möchte fit bleiben. Um mich zum Trainieren zu motivieren, muss ich ein Ziel – einen Wettkampf – vor Augen haben. Einfach so, nur aus Spass die Laufschuhe anziehen und in die Natur hinausgehen, kommt bei mir nicht sehr häufig vor. Manchmal ergreift es mich, aber eher selten. Seit ich laufe, habe ich auch in anderen Lebensbereichen mehr Ausdauer. Die Wetterunbill stört mich nicht mehr. Ich ertrage Regen, Wind und Schnee viel besser als früher. Und wenn man draussen trainiert, kann man auch die Natur geniessen.
Thomas: Das Laufen ist für mich eine Lebensphilosophie. Es ist nicht nur die Bewegung: es ist nicht nur einen Fuss vor den andern setzen und Schritt für Schritt weiterkommen, es ist das Ganze. Ich bin jemand, der täglich trainiert. Laufen ist eine Lebensschule. Das Training ist Bestandteil vom Tag, von der Woche, vom Leben, vom Sein. Laufen bestimmt mein gesamtes „Tun und Lassen“. Das ist der Unterschied zwischen Ruth und mir. Für mich ist kein Ziel wichtig. Nach all den Jahren haben sich auch gewisse Abnutzungserscheinungen bemerkbar gemacht, ich fühle mich etwas angeschlagener als früher. Aber ich kompensiere das: das Sommerhalbjahr fahre ich Velo und das Winterhalbjahr laufe ich. Velofahren finde ich auch toll, Laufen jedoch ist meine grosse Liebe. In der momentanen Lebensphase trainiere ich nicht um Leistung zu erbringen, höchstens für mich selber. Es ist ein Entspannen, eine Seelenhygiene, ein Bewusstsein, ein Einssein mit der Natur. Und es hat einen gewissen melancholischen Aspekt: gerade jetzt im November und Dezember in der Nacht zu laufen, ist etwas, das enorm belebend ist. Langstreckenlauf ist monoton; es hängt sich irgendwie eine Glocke über einem, dann ist man sich selber in der Natur, man läuft – es ist sehr eine mystische Sache. Der Ausdauersport prägte mein ganzes Leben nach 27. Das Laufen gab mir nicht nur eine physische, sondern auch eine psychische Stärke. Als Langstreckenläufer ist man den Herausforderungen und dem Druck (Umwelt, Beruf, etc.) viel besser gewachsen, als als schlaffer Raucher.
Ruth: Ja, das stimmt genau.

Colette: Wie sieht Deine Trainingsgestaltung aus?
Ruth (lacht)
Thomas: Chaos! (grinst)
Ruth: In Thomas‘ Augen ist meine Trainingsgestaltung furchtbar chaotisch. Was das anbelangt bin ich der intuitivere Mensch. Ich bin nicht so diszipliniert wie Thomas. Bei mir hat trainieren nicht erste Priorität, sondern zuerst erledige ich alles andere. Trotzdem achte ich darauf, dass das Training Platz hat, vor allem wenn ich mich auf einen Frühlingsmarathon vorbereite. Aber ich kann gut auch ein Training ausfallen lassen, wenn ich mich schlecht fühle. Weil ich weiss, dass es ist für mich besser ist, wenn ich am nächsten oder übernächsten Tag trainiere. Am Donnerstag gehe ich ins Vereinstraining und wenn möglich am Sonntag auf den Long-Jogg. Zudem trainiere ich regelmässig montags und mittwochs. Wenn ich laufe, trage ich nie eine Uhr, weiss ich nie wie lange ich unterwegs bin und wie viele Kilometer ich bewältige. Beim Laufen denke über alles Mögliche nach. Neuerdings habe ich auch Kopfhörer. Mit Musik laufen beschwingt mich.

Colette: Sportliche Höhepunkte?
Thomas: Mein allergrösster Moment in meinem Leben (er dauerte zwar nur eine Zehntelssekunde), war nicht die Geburt der Kinder, oder als ich Ruth kennen lernte, sondern jener Moment, als ich in Biel in der Silbergasse beim Marathon-Zieleinlauf auf die Uhr schaute, und die Zahl 29 sah! Nur diese Zehntelssekunde war der grösste Moment in meinem Leben. Mein Herz gehört dem Marathon. An meinem Marathongeburtstag, d.h. als ich exakt das Alter der Marathonstrecke erreicht hatte, nämlich 42 Jahre und 195 Tage, fand zufälligerweise in Norddeutschland, in der Nähe von Hannover ein Marathon statt. Die 600 km reiste ich an, und gewann den Marathon. Es war der erste Marathon, den ich je gewonnen habe, es hatte auch nur wenig Teilnehmer (schmunzelt). Nicht mit 2.43 oder 2.42 sondern „nur“ mit 2.48 kam ich ins Ziel, da ich auf den letzten 10 km keinen Gegner mehr hatte. Das war auch ein tolles Erlebnis, denn Marathongeburtstag hat man nur ein einziges Mal im Leben.
Ruth: Höhepunkt war mein letzter Marathon in Zürich mit neuer PB (3:39:00)

Colette: Was ist für Dich das Besondere an einem Wettkampf?
Ruth: Meine Zielsetzungen zu erreichen, d.h. den Marathon so laufen zu können, wie ich mir das vorgestellt habe. Würde ich es mit einem Bild vergleichen, so beginne ich irgendwo unten in einer Ecke und wenn das Bild vollendet ist, sind die Trainingsvorbereitung und der Marathon bewältigt.
Thomas: Marathon soll der Höhepunkt eines Trainingszyklus sein. Der perfekte Marathon ist der, wo der erste und der letzte Kilometer gleich schnell gelaufen werden können. Wenn die Splits, sprich die erste Hälfte praktisch gleich schnell wie die zweite Hälfte gelaufen werden kann – oder sogar ein negativer Split, also wenn die zweite Hälfte schneller ist, als die erste Hälfte, und das bei 85-95% der anaeroben Schwelle, dann ist das perfekt. Diese Kunst, genau an dieser Kante zu laufen beherrschen nur wenige. In den letzten zehn Jahren brachte der Verein nur einen einzigen Marathonläufer hervor, der genau in diesem Bereich „auf Messers Schneide“ laufen kann. Das ist Johannes Bischoff. Wenn man es schafft diese Distanz so zu laufen, dann ist das ist das Grösste.

Colette: Welches sind bis heute die speziellen Ereignisse im Verein?
Thomas: Ein Erlebnis war die Strecke Basel – Lugano in sechs Etappen im 1988. Sehr eindrücklich war es am 26. Dezember 1999. Eine Gruppe von sechs LSVBlern war im Wald des Horngebietes unterwegs, als der Sturm Lothar sich bemerkbar machte. Wir erlebten die Naturgewalten hautnah. Knapp vor den ersten krachenden Bäumen konnten wir den Wald heil verlassen. Es gäbe noch viele Erlebnisse, aber das wäre alles sehr nostalgisch.

Colette: Wie ist es bei Dir? Ich denke im Speziellen an die Organisation des Birslauf.
Ruth: Die Birslauforganisation ist eher verbunden mit Pflichtgefühlen. Es wurde bisher jeweils zu einem positiven Erlebnis wenn der Birslauf stattgefunden – und alles geklappt hat. Für mich sind die Sommerlauftage lässig. Im Allgemeinen finde ich die Kameradschaft des Donnerstagabendtrainings anregend.

Colette: Wie sieht es mit Zielen für die Zukunft aus?
Ruth: Mein Ziel ist der Marathon im Frühling in Paris. Falls sich das nicht verwirklichen lassen sollte, kämen als Alternativen auch im Herbst München oder Berlin in Frage. Aber ich kenne mich zu gut, ich weiss, dass ich in der Sommerzeit eher ein wenig faul bin und nicht konsequent trainiere.
Thomas: Ich werde Ruth begleiten.

Colette: Und sonst?
Thomas: Heute laufe ich an sich keine Wettkämpfe mehr. Böse Zungen behaupten, weil ich langsamer wäre als früher. Viel lieber mache ich ein Traininig, als einen Wettkampf.
Ruth: Das ist der Unterschied zu mir. Ich brauche Wettkämpfe. Ich kann mich nur motivieren mit einem Ereignis, das mich beflügelt Und das ist jeweils auch während den Trainings präsent.

Colette: Du organisierst zwischen Weihnachten und Neujahr das „Stosstraining“. Kannst Du mir das etwas ausführlicher erklären?
Thomas: Die Idee des „Stosstrainings“ ist der Marathon als Frühlingshöhepunkt. Im Frühling werden Bestzeiten gelaufen. Die Vorbereitung im Herbst/Winter ist ideal.
Ruth: Im Sommer hat man auch noch andere Aktivitäten, zudem sind die Temperaturen höher, man ist in den Ferien etc.
Thomas: Das Stosstraining ist Bestandteil der klassischen Trainingslehre mit Schwerpunkt Frühlingsmarathon. Die Zeit im November wird zum Ausruhen und Erholen genutzt. Ab Dezember beginnt der Aufbau mit langsamen Dauerläufen, welche 85% eines Marathontrainings betragen. Die Läufe sind intensiv in ihrer Langsamkeit. Der Trainingsaufbau verläuft linear, wie eine schiefe Ebene Zwischen Weihnachten und Neujahr ist die ideale Zeit: man hat mehr freie Zeit und kann die erhöhte Kalorienaufnahme ausgleichen.

Colette: Was stellt ihr mit Eurer freien Zeit an?
Thomas: Mein Hobby ist Fussball. Passiv (lacht), live und im Fernsehen. Zudem arbeite ich gerne am Computer und liebe Heavy Metal Musik. Velofahren gehört sicherlich zu meinem Training. Ein Teil meiner Freizeit verbringe ich mit der Familie.
Ruth: Ich liebe Gartenarbeit. Bevorzugt pflanze ich Blumen an: meine Lieblingsblumen sind Rosen. Sehr gerne lese ich- keine bestimmte Richtung, sondern „querbeet“. Mein bevorzugter Musikstil liegt im Klassischen und dem Chanson.

Colette: Darf ich nach der Meinung zum Internet und zum Vereinsheft fragen?
Thomas: Das Vereinsheft ist für mich Nostalgie. Persönlich finde ich es Geldverschwendung; es ist aufwändig, und es kostet einiges, damit es sechs Mal pro Jahr erscheint. Ich würde nur noch aufs Internet setzten, und zwar sollte man das Internet ausbauen, und so zu mehr Transparenz beitragen. Ein geschützter Bereich, welche nur für Vereinsmitglieder zugänglich ist, eine Art Member Login, wäre sehr wünschenswert. Man könnte z.B. die Protokolle der Vorstandssitzung einsehen. Eine weitere Idee wäre ein virtuelles Anschlagbrett, welches z.B. zum Abmachen vor einem Wettkampf genutzt werden könnte. Auch eine Datenbank der Vereinsmitglieder würde ich sehr begrüssen. (Falls in diesen Bereich meine Mithilfe erwünscht wird, werde ich meinen Teil dazu beitragen)
Ruth: Mehrheitlich benütze ich das Internet, aber das Heft kommt mir immer dann zugute, wenn ich schnell (bevor ich am Donnerstagabend starte) das Trainingsprogramm nachschauen will. An dieser Stelle möchte ich Hanspeter ein Kränzli winden für seine Arbeit.

Colette: Was möchtet ihr zum Thema Vorstand sagen?
Thomas: Mein Zukunftswunsch an den Vorstand ist, dass er es ermöglicht, anständige Trainingsrahmenbedingungen für ein zielgerichtetes Langstreckentraining zu schaffen. Meiner Meinung nach ging es diesbezüglich bei unserem Verein in den letzten 10-15 Jahren nicht in diese gewünschte Richtung. Ein weiterer Wunsch betrifft das Finanzielle. Gäbe man einerseits das Geld aus für ein Trainingslager, fänden das die Breitensportler ungerecht. Andererseits könnte man beispielsweise einen Klausbummel nach Paris unternehmen, was hingegen den Eliteläufern widerstünde. Deshalb sollte das Geld nicht gehortet, sondern zielgerichtet ausgegeben werden. Mein Vorschlag: 1 Paar gratis Laufschuhe für alle! Denn der Verein soll den Laufsport fördern.
Ruth: Der Laufschuh verbindet alle Vereinsmitglieder, er ist sozusagen der grösste gemeinsame Nenner!

Colette: Was ist Deine Meinung zum Vorstand?
Thomas: Der Vorstand besteht aus Leuten, die ihre freie Zeit zur Verfügung stellen. Das ist nicht selbstverständlich. Doch die Arbeit des Vorstands wird nicht genügend geschätzt, weil sie nicht transparent ist. Oft weiss man zu wenig Bescheid über die Arbeit des Vorstands.
Ruth: Die Arbeit des Vorstands anerkenne ich hoch. Aufgrund meiner Befangenheit möchte ich zum Thema Vorstand nichts weiteres sagen.

Colette: Ruth und Thomas, ich danke Euch für das ausführliche Interview.

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