Wetterbericht Frauenfeld

Beginne mal mit der letztjährigen Kernaussage: Wie geil ist das den?

Zirka 6 Grad mörderische Hitze und fast ständig Nieselregen. Die Strecke wie üblich fordernd (520 Höhenmeter). Aber diese Höhenmeter sind eher fies topographiert. Zudem, es war stellenweise matschig. Der widerlichste aller meiner Frauenfelder.

Merke nachfolgend steht:

  • Frauenfelder für Waffenlauf 42 Kilometer mit Rucksack
  • Marathon für 42 Kilometer easy peasy – nicht wirklich!

Aber es war einfach und insgesamt nur geil!

Geil dabei war unter anderem, wie viele Leute du bei 6 Grad Temperaturmessung und Nieseldauerregennieseln, am Ende des Herbstes am Wegrand stehen hast. Das war bei perfekten Bedingungen beim Bruggelauf oder den Marathons in Basel lächerlich dagegen, peinlich eigentlich für eine Stadt.

In den Ortschaften zwischen Frauenfeld und Wil: Festbetrieb – klar, aber oft auch ausserorts. Irgendwo stellt einer seinen Imbisswagen oder ein provisorisches Festzeltlein in die Geographie und „Freude herrscht!“

Bei Kilometer 29 beim Marathon hatte noch nie einer viel zu lachen. Weil bei K29 geht der Arsch langsam in Richtung auf Grundeis. Mit 6 Kilo Waffenlaufpackung zusätzlich mit dabei erst recht. Ausser beim Frauenfelder, du kommst aus dem Wald, über ein Kuppe gelaufen, keine Ortschaft, aber da stehen sie, die Einheimischen, 50, 60 Leute. Ein Mega-Spalier. Die drehen durch. Die spinnen. Hey – ich weiss nicht, ob du das weisst – aber ich kenn‘ mich jetzt wirklich ein wenig aus. Und beim Frauenfelder war ich schon einige Male. Aber sowas war noch nie da. Die Zuschauer flippen aus. Ich konnte nur noch raus lachen. Geili Sieche, die Ostschweizer.

Bei Kilometer 35 scheuern die nassen Unterhosen langsam die Eier wund. Ich versuche mich so fortzubewegen, dass mir es niemand ansieht. Was mich wundert ist, es macht so weh, dabei sind sie gar nicht so gross.

Cyril Haldemann lief seinen allerersten Marathon. 3 Stunden 36! Auch ein geiler Siech, kann keiner meckern. Grosser Chapeau! Was mich bei dem ärgert ist, das sieht bei ihm immer so leicht aus. Als er mich überholte, bleibt mir nur blöd hinterher zu gucken. Der läuft nicht, der tänzelt, 42 Kilometer lang. Immer schön Vorfuss, kaum Bodenberührung. Fairerweise könnte er doch wenigstens so tun, als ob es anstrengend wäre, oder nicht?

Toni lief seinen ersten „Flach“-Marathon, skeptisch und naserümpfend. Alles unter 1000 Metern Höhendifferenz nennt er verächtlich: flach. Kindergeburtstag, für Leute wie mich. Er wurde zweiter in der Kategorie, achter insgesamt mit 3 Stunden 00 im Ziel gestoppt. Bei seinem ersten „Flachmarathon“. Aber (siehe Titelbild) der gibt sich wenigstens Mühe angestrengt daher zu kommen und drein zu schauen. Ich kenne Pittbuls, die sehen zahmer aus. Ich sage dir: Ich durfte mit Toni in freier Wildbahn durch die Schweiz laufen und die Pittbuls die uns begegneten, zogen den Schwanz wegen Toni nur nicht ein weil sie keinen hatten; sie waren koupiert.

Die restlichen Drei liefen den Waffenlauf, die kennst vom letztjährigen Bericht. Auch geili Sieche. Simon (im Bild unten rechts) räumte mit seinem Gewehrlauf fast die Leuchte in der Bäckerei von der Decke. Lut (links) spinnt eh, letzte Wochen den Marathons der Marathons von Marathon nach Athen gelaufen. Heute Auslaufen in Frauenfeld. Und dann der Mann der niemals lächelt, drum nicht im Bild.

Während dem Lauf war Urs Schüpbach an der Strecke, hinterher in der Militärkantine beim Bier. War LSVB-Mitlglied. Cyril kannte ihn nicht. Urs sagt, dass er Raucher war. Cyril, nicht gerade beeindruckt. Ich sage, Urs‘ Marathonbestzeit sei 2h23 – schnellste Marathonzeit im LSVB. Da guckte Cyril aber viel blöder als ich, als er mich überholte.

Simon war im letzten Jahr der Erste, der sagte: „So geil! Das wiederholen wir im 2019.“ Dieses Wochenende ging’s ihm nicht so gut. Und er hatte seine Bedenken für ein weiters Mal. Ich versuchte so positiv zu grinsen, wie das eigentlich nur ein Simon kann. Wir gaben uns die Hand, blickten uns in die Augen, ich sagte: „Geile Siech – bis nächstes Jahr!“

Es ist somit besiegelt, nach dem Motto:

There are three kinds of people in the world: Those people that make things happen, those people that watch things happen and those people that don’t know what’s happening! (John Madden)

Zur ersten Sorte darf mich Simon dazu zählen, ich tu’s nämlich auch umgekehrt. Auf deutsch: Nicht schwatzen – machen.

Geile Siech! So wie Lut, Toni und Cyril!

2 Comments

  1. Sehr toller Bericht und danke für die tollen Worte. Gut hast du dich beim untersten Bild weggeschnitten, du warst nämlich am „lächeln“.

  2. Ein schöner Bericht! Mich wunderte es auch, dass die Ostschweizer so einem Sauwetter trotzen um uns anzufeuern. Es hätte mich schon noch interessiert wie du auf dem Gruppenfoto ausgesehen hast 😀

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