Wenn der Laufschuh nervt

Die Schuh-Armada bei mir zuhause. 2011, damals war es noch einigermassen übersichtlich.

Welches ist der beste Laufschuh? Diese Frage bekommt man immer wieder gestellt, wenn Laufanfänger einen Laufschuh kaufen möchten und um Rat fragen. Einfache Frage – schwere Antwort! Denn jeder Mensch ist anders und somit kann einer Person ein Schuh perfekt passen mit dem der nächste Läufer grosse Mühe hätte. Zu eng, zu schmal, zu hoher Rist – die Liste ist lang an Möglichkeiten warum der Schuh nicht passen kann.

VieleLaufschuheUm so mehr freut man sich, wenn man endlich einen guten Schuh gefunden hat. Manchmal hält die Freude am vermeintlichen „Hammerschuh“ der einen auf Wolken rennen lässt nicht sehr lange an. Dann nämlich wenn der Schuh welcher im Laden noch so toll gepasst hat, mit ersten Zicken auf sich aufmerksam macht und die Wolke Sieben sich als Gewitterwolke herausstellt. Das ist der Zeitpunkt wo der Laufschuh zu nerven beginnt.

Im Laufe der Jahre bin ich mit vielen verschiedenen Schuhen gelaufen und dabei war ich nie treu – zumindest nicht einer Schuhmarke. Treue lohnt sich wenn es zu Laufschuhen kommt auch nicht, denn spätestens nach 2000 Kilometern muss der Laufpartner durch ein jüngeres Modell ersetzt werden. Und obwohl ich Lügen würde, wenn ich sagen würde die Optik wäre mir egal, lag der Hauptfokus immer auf einer guten Passform und nicht der Farbe.

Manchmal hat man das Glück einen passenden Schuh aus einer Schuhserie zu finden, welche die Hersteller über viele Jahre produzieren. Beispielsweise hat Asics schon seit Jahren den DS Trainer im Programm. Die Nummer wird einfach in jedem Modelljahr hochgezählt. Das war so ein Schuh der mir immer super gepasst hatte. Ideal also für eine Dauerbeziehung, bei der jedes Jahr die Nummer um eins hochgesetzt wurde. Betonung auf war…

Irgendwann beschloss Asics das bewährte Grundkonzept dieses Schuhs zu wechseln ohne die Kunden darüber zu informieren. Ich glaube es war beim Wechsel von Nummer 14 auf 15 – plötzlich hatte der Schuh sich deutlich geändert und passte mir einfach nicht mehr. Also quasi die Blondine durch eine Brünette ersezt oder umgekehrt. Einfach so, nur weil jemand im Konzern einen Hirnfurz hatte und dachte das wäre in Ordnung so. Früher konnte ich jede Saison das neue Modell kaufen und alles war klar. Und nun das – was denken sich die Hersteller bei solch einer Aktion? Solche Beispiele gibt es auch von anderen Herstellern.

Das nächste Beispiel kommt von Nike, einer Firma die immer ein Vorreiter beim Design waren. Nike hat zusammen mit Puma den wohl grössten Anteil daran dass Laufschuhe nun auch als Modeartikel gelten. Vermutlich haben in dieser Umstellungsphase irgendwann die Designer überhand über die Techniker gewonnen im Nike-Konzern.

Ich kaufte einen Laufschuh, der mit einer verstärkten Fersenkappe ausgestattet war (Modellname weiss ich nicht mehr, deshalb auch kein Bild). Diese war mit sichtbaren Kevlarfäden durchzogen und sah zwar sehr cool aus, war aber auch äusserst steif. Das Resultat war bei Läufen über 10 Kilometer eine blutige Achillessehne. Zuerst dachte ich mir, das läuft sich ein. Aber eher hätte sich meine Achillessehne in Kevlar verwandelt, als dass sich diese Fersenkappe in etwas brauchbares verwandelt hätte. Das war der einzige Laufschuh, den ich mit weniger als 500 Kilometer entsorgte.

Dann kommen wir nochmal zu Nike, wieder so ein Glanzlicht des Laufschuhbaus…Die Sohle war seitlich mit vier dreidimensionalen Streifen ausgestattet. Oder sollte ich es eher Klingen nennen? Das sah aggressiv aus und das war es auch – vor allem für die Waden.
Nike Lunar Racer

Auch dieses Konzept entfaltete seine Wirkung erst bei Läufen über 10 Kilometer so richtig. Bei langen Läufen schleift man immer mal wieder leicht mit dem Schuh an der Wade entlang. Bei einem normalen Schuh merkt man davon aber nur wenig. Beim Nike Lunarglide allerdings war das ganz anders. Die seitlichen Klingen zeigten ihre Wirkung mit steigender Laufdauer und das Ergebnis waren schön blutende Waden. Ich war versucht einen Nikedesigner zu entführen und diesen zu zwingen auf einem Laufband fünf Stunden lang seine eigenen Schuhe zu benutzen.

PumaSchnürung Der neueste Streich kommt von meinem Puma Faas. Ein wirklich toller Schuh, bis auf eine kleine (aber nervige) Ausnahme.
Da wollte der Designer das Logo auf der Zunge wohl partout nicht verkleinern, weshalb die Lasche durch die die Bändel gefädelt werden tiefer rutschen musste. Das hat zur Folge dass nach ein paar Kilometern die Zunge zur Seite wegrutscht und man irgendwann anhalten muss um diese wieder hochzuziehen. Denn die Lasche sitzt einfach zu tief.

Wie man so was perfekt lösen kann zeigt Pearl Izumi, mit dem besten Zungensystem, dass ich je an einem Laufschuh gesehen habe. Das sitzt bombenfest und ist zusammen mit den Schuhbändeln eine wirklich geniale Konstruktion.PearlIzumiSchnürungUnd es hatte auch auf dieser Zunge noch Platz für ein Logo und zwei zusätzliche Laschen. Deshalb meine Bitte an die Hersteller- kopiert doch mal die Sachen die gut funktionieren von den anderen Herstellern. Sonst wird ja auch abgekupfert was das Zeug hält.

Mittlerweile gibt es Laufschuhe seit rund 40 Jahren und ich bin immer wieder erstaunt, welche Anfängerfehler bei manchen Schuhmodellen gemacht werden und das auch von den rennomierten Firmen.

Früher hiess es mal „Form follows function“, das hat heute sicherlich ausgedient. Auch Laufschuhe sind Modeartikel und die Funktion kommt eben nicht immer an erster Stelle.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Dann lasst es mich wissen.

2 Comments

  1. Laufanalyse? hab ich auch schon gemacht. Aber hier geht’s um Fehler die den Schuhherstellern immer wieder unterlaufen. Das hat mit einem Fuss wenig zu tun. Ich hatte auch schon Schuhe die quasi eine „blaue-Zehen-Garantie“ hatten, weil jemand voll eine Naht über den Zehen platziert hatte.

    Aber wie sagt Wolle? Der perfekte Laufschuh ist gelb!

  2. Hallo Jan wie wars mit ein Lauf Analyse bei Ortho Team?
    Grüsse Fabienne

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