Ruppi Lange

Dr. med. Rupprecht M. Lange – ein Interviewbericht

Interview verfasst von Andi Tschannen

Dätti in seiner Funktion als Kommunikationschef des LSVB hat vor einiger Zeit gefragt, ob ich nicht auch ein bisschen mitkommunizieren könne. Zu deutsch; es soll jemand die frühere Tradition der Interviews mit Vereinsmitgliedern in etwas anderer Form wieder aufleben lassen. Man hat ja sonst nichts zu tun, also habe ich mich zu einem Versuch bereit erklärt.

Mit Ruppi (vollständiger Name siehe Titel) geht’s los. Der erste Interview-Versuch mit ihm begann eines Abends in Münchweiher im Wintertrainingslager. Es blieb zunächst beim Versuch, weil erst ein Apéro dazwischen kam, dann das Abendessen und dann mehrere Partien Hornochsen – ein Kartenspiel, dessen Regeln bis heute nicht alle Mitspielenden begriffen haben. Plötzlich war Sonntag und wir fuhren unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Zudem war ein gewöhnliches Interview mit schriftlich vorbereiteten Fragen, geführt im Sitzen mit Protokollführung in unserem Fall nicht wirklich artgerecht. Ruppi ist gerne in Bewegung, immer unter Strom. Man musste umdenken. Passender war dann aber ein Gespräch während des Donnerstagstrainings: Die Zeit- und Pacevorgabe des Gruppenleiters war 80 Minuten laufen so im 4’40’’er-Schnitt und liess bei mir erst gar keine unangebrachten Fragen über allzu Privates aufkommen.

Interessierte an solchen Themen müssten diesbezüglich selber nachfragen. Der Vorteil an der geführten Interviewform ist die definierte Zeitvorgabe, der Nachteil waren die körperlichen und geistigen Ressourcen des Interviewers. Es kann im Folgenden daher vorkommen, dass die eine oder andere Erzählung nicht bis ins Memory gelangt oder dort nicht hängen geblieben ist. Ruppi könnte diesen Effekt sicherlich medizinisch erklären, aber gerade das hab ich dann vergessen zu fragen. Also, Ruppi ist Arzt und seit es diese Funktion im LSVB gibt, auch einer unserer Vereinsärzte. Hier noch die wichtigsten technischen Daten: Geboren 1982 in München, aufgewachsen in Ulm, wohnhaft in Basel, Facharzttitel Innere Medizin in der Tasche, Kardiologie und Sportarztdiplom in der Pipeline.

Zum LSVB ist er im Laufe des Sommers 2016 gestossen. Ruppi arbeitete damals als Assistenzarzt bei Stefan Osswald im Unispital. Stefan, der Chef, scheint in den Pausen gerne übers Biken und Laufen zu diskutieren. Das hat Ruppi animiert, mal beim LSVB rein zu schauen und geblieben ist er. Begeistert von den vielen Aktivitäten, die der LSVB anbietet. Auch werde man nicht – wie in anderen Sportvereinen oftmals üblich – penetrant und dauernd auf nicht besuchte Trainings aufmerksam gemacht. Man kommt, wenn man kommt. Zudem lernt man im LSVB viele tolle Kolleginnen und Kollegen kennen. Die Stimmung sei so gut, wie anderswo selten. Nicht dass Ruppi seine ersten Gehversuche auf der Laufstrecke bei uns gemacht hätte; weit gefehlt! Der konnte vorher schon was und wie. Eigentlich kommt ja er aus einer eher musischen, künstlerischen Familie. Dennoch waren sie zu Hause aber auch noch sportlich unterwegs; einfach nicht so erfolgreich wie im Künstlerischen. Bescheidenheit ist eine Tugend. Man muss sich ja dann mal entscheiden. Gut auch Ruppi versuchte sich während längerer Zeit auf mehreren Musikinstrumenten, wurde letztlich irgendwie nicht warm damit. Diese Geschichten konnte ich mir leider auch nicht merken. Aber ist das nicht ein Steilpass, Ruppi mal selbst danach zu fragen? Ihr müsst euch dann läuferisch schon etwas ranhalten oder ihn in ein Spiel verwickeln; das funktioniert auch (z.B. mit Hornochsen, siehe oben – Ruppi gehört allerdings zu denjenigen, die das Spiel verstanden haben).

So das war jetzt etwas abschweifend, nun weiter mit der sportlichen Geschichte: Schwimmen war zunächst angesagt. Es kamen Klettern, Bergsteigen, Skifahren, Skitouren, Inlineskaten, Segeln, Biken, Höhen-/Rettungs-/Expeditionsmedizin dazu – beindruckende Aufzählung, nicht wahr? Ein Kollege animierte den jungen Ruppi irgendwann auch mal, bei einem 10KM-Lauf mitzumachen. Läuferisch untrainiert, wie er meinte, brauchte er bis ins Ziel dennoch nur 40 Minuten. Danach gabs für ihn kein Halten mehr. Fortan war Laufen angesagt. Hier ein paar Müsterchen seiner Erfolge im Sport:

  • Leistungsläufer SSV Ulm und TSG Ehingen
  • mehrfacher Sieger verschiedener Lauf- und Triathlonwettkämpfe
  • schwäbischer Meister über 10000m und Halbmarathon
  • 4. bei der Deutschen Triathlonmeisterschaft (AK)
  • 2005 Deutschermeister
  • 2006 Vizemeister der europäischen Ärzte und Apotheker
  • 2009 schnellster deutscher Amateur beim Ironman France (Nizza)

Das genügt, sonst bekomme ich beim Schreiben einen Minderwertigkeitskomplex.

Eigentlich wollte Ruppi dann Sport studieren. Zufälligerweise hat er auch einen Studienplatz in Medizin bekommen. Weil ein Sportstudium weniger breite Berufsmöglichkeiten bietet, musste es dann ein Medizinstudium in Ulm sein. Ein Entscheid, den man sicher nachvollziehen kann. Warum eigentlich ist er jetzt in der Schweiz gelandet? Ein Gastsemester im letzten Studienjahr führte ihn nach Basel. Das hat so gefallen, dass er seine Ausbildung hier fortgesetzt hat. Und hier gefällt es ihm immer noch so gut, dass er die Schweiz nicht mehr missen möchte. Aber das Medizinstudium war für Ruppi nicht anstrengend genug. Während seiner Ausbildung gründete er ein eigenes Unternehmen im Bereich leistungsdiagnostische Untersuchungen (www.langeleistung.de), das er aus Zeitgründen nun an einen Kollegen weitergegeben hat. Bis heute aber floriert das Unternehmen. Als Schuhverkäufer war er auch tätig und kann euch sicher über optimale Lauftreter beraten.

Die Frage nach seinen persönlichen Helden oder Vorbildern blieb eher kryptisch beantwortet, indem er keine konkreten Namen nennen wollte. Er bewundert aber Menschen, die für ihre Sache brennen, wie z.B. Ueli Steck einer war – und ähnliche Kaliber. Genau das trifft ja eigentlich auch auf Ruppi zu. Seine Berufung sieht er im Spannungsfeld Sport, Leistung und Kardiologie. Dafür brennt er. Seine künftige berufliche Tätigkeit sieht er auf eine noch nicht genau definierte Weise in diesem Feld. Dafür opfert er auch einen grossen Teil seiner Freizeit. Brot erwerben tut er im Unispital im Bereich der kardiovaskulären Prävention. Das allein bedingt schon Arbeitszeiten zwischen 50-80 Stunden pro Woche. Zurzeit kann er daher kein zielgerichtetes Training absolvieren. Er läuft dann halt nach getaner Arbeit spätabends noch, einfach um seine Form etwas zu halten. Das bedeutet leider kaum mehr als 30 Wochenkilometer. Diese werden aber dann schnell gelaufen. Eine solche Laufpause hat seinerzeit Dätti als Pacemaker-Schutzherr des IWB Basel Marathon zunichte gemacht. Dätti brauchte 2016 dringend noch einen Pacemaker mit Zielzeit 1h 30 Min. für den Halbmarathon. So hatte er einst gehört, dass Ruppi nicht der langsamste sei und brachte sein Anliegen zu Gehör. Ruppi meinte, er sei zwar seit Jahren nicht mehr eine so lange Distanz gelaufen, aber er könne es ja mal versuchen. Die Zusage machte Dätti glücklich. Kurz darauf war Dätti bereits wieder unglücklich. Nun war nämlich auch der 3h-Pacemaker der Marathonstrecke ausgefallen. Da sich Dätti bekanntlich für nichts zu schade ist, fragte er wiederum Ruppi, ob dieser nicht statt 1h30 HM-Pacemaker nun vielleicht nicht den 3h-Marathonpacemaker machen könne. Falls er dann nach 30 KM nicht mehr fit genug sein sollte, wäre das gar nicht so schlimm. Ruppi schluckte zwar leer, machte aber gute Miene zu Dättis Spiel. Und strafte dann am Lauf alle Skeptiker lügen. Mit 2 h 58 Min. ist er ins Ziel gelaufen, war dann aber nach eigener Aussage doch «etwas kaputt».

Die Frage nach seinem verrücktesten sportlichen Event, beantwortete Ruppi aber nicht mit dieser Episode. Sondern Folgendes: Und das tönt jetzt gar nicht verrückt, war aber ein äusserst aufwendiger Sponsorenevent mit einem Kollegen, bei dem die beiden für die Friedensdorforganisation rund 50’000 Franken zu Gunsten von Kindern aus Kriegsgebieten gesammelt hatten. Ein grosses Engagement belohnt mit einem riesigen Erfolg.

Gut, mehr konnte ich mir während der 80 minutigen Erzählung nicht merken. Trotzdem denke ich, es sollte genügen, um mit Ruppi ins Gespräch zu kommen. Für meinen Interviewpartner selbst war das 80-Minutentraining ein Aufbautraining, absolvierte er doch zwei Tage später den kupierten 15KM-Leimentalerlauf auf Gesamtrang 5. Er wurde Zweiter in seiner Altersklasse in einer nicht üblen Zeit von 51 Min. 29 sek. Zur Siegerehrung war er schon wieder weg – bereits auf dem Weg zu einer seiner anderen Missionen.

Interview: AndiT

3 Comments

  1. 50-80 Stundenwoche,und dann noch so laufen!! 50 Stunden schaffe ich oft auch, aber läuferisch bin ich ohne Frage, und ohne Training mit dem LSVB, weil eben immer noch am Arbeiten, weit davon entfernt, auf eine Siegerehrung verzichten zu können. (wenn ich denn jemals aufs Treppchen käme.. ). Aber auf jeden Fall ein interessanter Artikel über einen interessanten Dr. Ruppi!

  2. Lieber Andi (T.), da hast du ein Ausnahmetalent in einer packenden Story brilliant beschrieben. Want more – von söttigen Geschichten 🙂

  3. Lieber Andi. Von wegen einem Versuch (wie von dir im ersten Absatz festgehalten) war in keinster Weise und niemals die Rede. So blöd bin nämlich auch ich nicht, würde ich nicht, angesichts der Frische und Qualität dieses Berichtes, Kraft meines Amtes und im Dienste für die Vereinsmitglieder auf Fortführung deiner Beiträge bestehen. Wie gesagt: exzellent! Höchsterfreut – für den Vorstand: Andy (der andere Andy, der Hornochse der die Regeln vom Hornochsen nicht begriff, aber am Gewinnen war.)

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