Run Across America 2002

Letztens gab es Diskussionen über eine Studie von Extrem-Ausdauersportlern. Das wiederum führte bei uns zum Schwelgen über den legendären Run Across America von Martin Wagen. Er nahm 2002 das Unvorstellbare in Angriff, rannte von Los Angeles nach New York und da als Sieger in den Central Park. Wir haben den Bericht von damals ausfindig gemacht und können ihn als weiteren Fremdbeitrag auf „Dättis Corner“ zur Verfügung stellen.

Was niemand wusste: nur Martin Wagen alleine ist es zu verdanken, dass es „Dättis Corner“ gibt. Es ging einmal um ein Elaborat vom Jungfrau-Marathon. Dätti wollte es nicht publizieren, doch Martin nötigte ihn zur Veröffentlichung: „Wenn du Dätti diesen Bericht nicht bei der LSVB-Web-Redaktion einreichst, tue ich es!“

Irgend wann gab’s eine kleine Sammlung und die Web-Verantwortlichen beglückten die Welt mit der Rubrik „Dättis Corner“.
And today, we proudly present at Dättis Corner…

Ein Bericht des epischsten aller Langstreckenläufe: The Run Across America

Es hat mal einer gesagt: „Any idiot can run a marathon; it takes a special kind of idiot to run an ultramarathon.“

Der kannte aber diese Story nicht…


Erlebt und erzählt von Martin Wagen

Als ich vor knapp 4 Jahren mit dem regelmässigen Lauftraining angefangen habe, ist mir bald mal ein Buch der Trans America 1995 in die Finger geraten. Danach liess mich der grosse Traum nie mehr los, das ganz grosse Laufabenteuer mal selbst zu versuchen. In ein paar Jahren dann mal, so die Idee… Am Swiss Alpine vor einem Jahr hat mir der sehr gut informierte Vereinskollege Michi dann aber überraschend mitgeteilt: eine neue Ausgabe der TransAm findet statt!!! Offizielle Läufe quer durch die USA gab es erst 6. Die sogenannten „Bunion Durbies“ 1928 + 1929 und dann die 4 TransAm’s von 1992 bis 1995. Danach 7 Jahre nichts mehr. Run Across America 2002 (Runxusa) wird also eine vielleicht einmalige Gelegenheit. Noch kurz durch Frankreich mit der „Transe Gaule“ und dann geht es für mich an die Vorbereitung: ein Trainingsmarathon jeweils am Samstag (Seewenrunde), Spezialtrainings u.a. mit Michi, 2 mal Trainingslager mit dem Verein, usw… Eine Crew muss noch gefunden werden. Meine Eltern sind schlussendlich tatsächlich bereit, mich während den 71 Tagen zu betreuen! Es kann also losgehen!

Am 2. Juni sind mein Schatz und ich dann endlich mit dem Flieger rüber in die Staaten. Alexandra und ich gönnen uns noch 2 Wochen Ferien vor dem Start: Nationalparks besuchen, akklimatisieren, Training und vieles mehr… Sehr schnell hat sich dann das erste mal gezeigt: Rennen in der Wüste und dies im Sommer ist kein Zuckerschlecken! Am 15. Juni geht Runxusa dann endlich los!

Die Fakten zum Lauf

  • 15. Juni 2002, Start auf dem Sandstrand von Huntington Beach (Los Angeles)
  • 24. August 2002, Ziel im Central Park von New York City
  • dazwischen die grossen Wüsten, die Rockies und unendlich langes Farmland in der Mitte und im Osten der USA
  • 5000 km in 71 Tagen, durchschnittlich also gut 70 km pro Tag
  • Etappen zwischen 45 und 90 Kilometer
  • Mindesttempo: 3.5 Meilen/h (5.5 km/h). Wer diese sogenannte „Cut-off-time“ überschreitet, fliegt aus dem Rennen, darf aber ohne Zeitmessung weiterlaufen
  • Organisiert und geleitet wird Runxusa von Alan Firth. Er hat bereits mehrere Male für die TransAm in den 90er Jahren gecrewt und ist 2000 selber durch die USA gewalkt!
  • Crew: ist ein absolutes Muss, ist selbst zu organisieren. Geschlafen wird in Motels
  • Teilnehmer: 11 Läuferinnen und Läufer: 9 Japaner davon auch 2 Damen, 1 US-Amerikaner, der Veteran Don Winkley und dann noch irgendein Schweizer…

Mein Tagebuch

1. Huntington Beach, CA – Rowland Heights, CA (29.5 mi / 47.4 km)

Am 15. Juni 2002 um 08.00 Uhr geht es endlich los, auf dem legendären Sandstrand von Huntington Beach (Los Angeles), wo auch das Nonstop-Fahrradrennen „Race Across America“ jeweils startet. Zuvor werden aber noch unzählige Fotos geschossen und natürlich die Hände bzw. Füsse im Pazifik gebadet! Laufe fast den ganzen Tag mit Don Winkley und wir diskutieren den ganzen Weg fleissig. Gemütlicher Jog, da der erste Tag nicht fürs Klassement zählt. Don kenne ich von der Transe Gaule 2001. Er ist 64 Jahre jung und hat 1995 mit der TransAm bereits schon einmal die USA durchlaufen! Ein Wiederholungstäter also! Unzählige Ampeln bedeuten für uns warten auf „grünere Zeiten“. Am Abend muss Alexandra leider nach Hause, die Arbeit ruft… No comment! Sie wird mich aber auf der letzten Etappe nach NYC führen!!!!! Meine Eltern werden mich von nun an alleine bis an den Atlantik begleiten und verpflegen müssen. Das Leben ist manchmal hart…

2. San Bernadino, CA (42.0 mi / 67.6 km)

Von heute an geht es am Morgen jeweils um 06.00 Uhr los. Laufe die erste Stunde wieder locker mit Don, danach alleine. Ein Japaner nach dem anderen überholt. Sammle zudem viele Münzen von der Strasse, meist jedoch nur Nickels… Don und ich werden uns im „Coin-Contest“ ein Duell liefern. Wer sammelt die meisten Münzen bis New York? Schlussendlich überraschend 1. im Ziel. War heute sehr heiss unterwegs. Probleme mit dem Blutdruck gegen Ende der Etappe. Kann an Ampeln kaum mehr anhalten. Vermutlich zu spät mit Essen und Cola trinken angefangen. Essen am Abend im McDonald, da keine weiteren Restaurants. Esse u.a. fast drei Super-size-Pommes.

3. Victorville, CA (34.7 mi / 55.8 km)

Waldbrände überall am Berg, wo wir über den Pass müssen. Zuerst leichter Anstieg neben der Interstate, auf der Route 66. Sehe unter anderem 3 tote Schlangen unterwegs. Überall Waldbrände und unzählige Löschflugzeuge und -fahrzeuge. Wir laufen an verbrannten Stellen vorbei. Feuerwehrleute suchen das Gelände nach möglichen, noch schwelenden Brandherden ab. Geänderte Route infolge geschlossener Strasse. Ich bin leider zu schnell, sodass Alan noch keine Zeit hatte, die Pfeile mit Mehl auf den Asphalt zu zeichnen. Verliere deshalb 15 Minuten mit umherirren. Folge danach Alan und Mary (im Geländewagen) auf einer Sandpiste über den Pass. Die Piste ist sehr steil, steinig und die Bedingungen recht schwierig. Die Crew muss die Interstate nehmen. Deshalb keine Verpflegung unterwegs. Mary hilft mir auf dem Pass mit Wasser aus. Grosser Durst! Gegen Ende der Sandpiste (Crew wieder getroffen) Probleme mit Wassertrinken. Kann kaum mehr Wasser schlucken, nur noch Iso und Cola. Ellenlange Gerade bis vor Victorville. Danach ins Motel EZ-8. Erneut 1. im Ziel. Yasuhiro Asai muss infolge Magenprobleme leider aufgeben. Er wird versuchen, in den kommenden Tagen das Rennen als Journey Runner wieder aufzunehmen. Am Abend nach dem Restaurantbesuch festgestellt, dass die I-15 nach Los Angeles schon wieder gesperrt ist. Beissender Rauch in der Luft, da Ostwind. Himmel ist verdunkelt. Wir haben grosses Glück gehabt, dass wir überhaupt nach Victorville laufen bzw. fahren konnten.

4. Barstow, CA (40.2 mi / 64.7 km)

Von Victorville aus geht es sage und schreibe während 37 Meilen (60 Km) geradeaus auf der gleichen Strasse bis nach Barstow. Route 66, was sonst? Die Route 66 verfolgt mich irgendwie… Sehr warmer Tag, vor allem ab 10.00 Uhr. Gut getrunken und gegessen (erstmals auch Bananen) und somit auch keine Probleme mit dem Blutdruck. Eine tote (oder lebendige?) Schlange mitten auf der Strasse gesehen. 2 Japaner spurten wie immer gleich nach dem Start weg. Hole diese dann aber bis zur Streckenhälfte wieder ein, bzw. sie werden langsamer oder sind zur Rast länger angehalten. „Kleiner“ Irrtum meinerseits beim Schild „Citylimit Barstow“. Es gibt zwei davon (jeweils korrekt auf dem Turnsheet = Streckenbeschreibung vermerkt), merke dies aber zu spät und sehe mich schon 1.9 Meilen weiter. Nicht sehr witzig! Aufgrund der Hitze Probleme mit wunden Zehen und etwas Sonnenbrand am Nacken, Beinen und Armen. Nichts schlimmes.

kurz nach dem Start in der Mojavewüste, nahe dem Kelso-Depot

5. Route 66, CA (37.5 mi / 60.3 km)

Heute geht es wieder fast den ganzen Tag auf der Route 66 Richtung Osten. Nach Barstow müssen wir eine Militär-Basis durchlaufen. Nach rund 5 Meilen biegen wir dann erneut auf die legendäre Strasse ein. Get your kicks on Route 66!!! And no more turns today… Bei Meile 22 laufen wir am Bagdad Café vorbei. Bekannt aus dem gleichnamigen Film. Sammle wieder fleissig Münzen vom Boden auf. Amerika ist ein reiches Land, hier liegt das Geld auf der Strasse! Sogar eine 1-Cent-Münze aus dem Jahr 1953 mit speziellem Aussehen! Sehr heisser Tag. Bereits am Morgen. Gegen Ende geht es noch durch einen erloschenen Vulkan. Überall Vulkan-Steine. Nach den obligaten nicht enden wollenden Hügeln laufen wir dann irgendwo auf der Route 66 über die mit Mehl auf den Asphalt gezeichnete Ziellinie. Mitten im Niemandsland, kein Haus, nichts, nur die Interstate nebenan und eben die Route 66. Keine Probleme mit rennen. Hitze ist gegen Ende sehr unangenehm. Jedoch bereits um 12.10 Uhr im Ziel. 2 Japaner sind wieder vorausgeeilt. Bin dem Führenden bis 10 Uhr gefolgt und habe ihn dann überholt. Blase am linken kleinen Zeh, jedoch nichts schlimmes. Tapes haben also sehr geholfen. Nach der Etappe geht es per Auto auf der Interstate zurück ins Motel 6 nach Barstow.

6. Amboy, CA (41.1 mi / 66.1 km)

Extrem heisser Tag. Temperaturen bis über 44 °C. Schon drückend heiss um 7.30 Uhr!!! Am Morgen fahren wir per Auto zur Ziellinie von gestern, danach wieder die ganze Strecke auf der Route 66. Wir sehen viele Züge, die sich mühsam den Berg hochwinden. Santa Fee Railroad. Gegen Mittag wird es dann immer heisser, mit zum Teil starkem Gegenwind. Fühlte sich an wie ein Haartrockner! Viel schlimmer kann es nicht mehr werden! Ziel in Amboy vor einem kleinen Cafe mit Tankstelle. Amboy besteht daneben noch aus einer Schule und einem Postoffice, that’s it! Lange Fahrt (50 Meilen, eine Stunde) nach 29 Palmes ins Motel 6. Blase am linken kleinen Zehen schmerzt sehr und sieht relativ unschön aus… Keine Probleme mit den anderen Zehen (getaped). Kleinere Blase, ohne Schmerzen, am linken Fussballen. Sonst sehr müde am Ziel infolge der grossen Hitze. Schuhe um die Zehen der alten Asics 2060 ausgeschnitten. Werden wir morgen testen….

7. Kelso, CA (39.2 mi / 63.1 km)

Am Morgen geht es von 29 Palmes per Auto wieder nach Amboy zurück, das bedeutet Aufstehen um 04.00 Uhr. Nach einem kurzen geraden Stück führt die Strasse 25 Meilen aufwärts zum Granite Pass. Nach dem anstrengenden Teil geht es danach 15 Meilen mehr oder weniger runter zum ehemaligen Bahndepot von Kelso, unserem heutigen Etappenziel. Heute hat sich sonderbarerweise am Morgen früh der Himmel mit Wolken überzogen. Bis am Mittag ist der Himmel somit meist bedeckt und die Temperaturen recht angenehm?! Sobald jedoch die Sonne kurz rauskommt, wird es wieder sehr heiss. Die Etappe ist ansonsten viel einfacher als die gestrige. Natürlich vor allem wegen der fehlenden Sonne… Blase am linken kleinen Zeh tut „nur“ während der ersten Stunde weh. Sie hat sich aber optisch nicht verbessert. Die ausgeschnittenen Schuhe bewähren sich aber gut. Unterwegs bleibt ein Fahrzeug im Sand stecken. Unsere Crew hat ensprechend gut aufgepasst. Am Abend dann Fahrt nach Primm ins Whiskey Pete und Essen am Buffet, all you can eat!

8. Nipton Road, CA (36.7 mi / 59.0 km)

Am Morgen fahren wir zurück bis zum Bahndepot von Kelso. Heute scheint wieder die Sonne in vollen Zügen! Blasen schmerzen die erste halbe Stunde stark, danach wird es besser. Die ausgeschnittenen Schuhe bewähren sich. Laufe bis fast auf den Pass (ca. bei Meile 19) mit 4 Japanern. Sie bringen mir etwas Japanisch bei und ich ihnen Schweizerdeutsch! Von ihrem „Reiskuchen“ probiert (schmeckt wie Sushi). Ausgezeichnet! Sehr interessante und schöne Strecke entlang der Bahnlinie. Unzählige Joshua-Bäume und Kakteen. Nach dem Pass Shoji abgehängt und runter ins Tal gespurtet. Bin etwas zu schnell unterwegs. Im Tal wurde es dann wieder sehr sehr heiss. Unendlich langer Abstieg und nicht mehr endend wollende Gerade bis zum Ziel, auch wenn es rechnerisch nur 3 Meilen sind. Ziel unmittelbar vor der staubigen Strasse, die auf den Salzsee führt. 6 Minuten Vorsprung auf Shoji. Danach Fahrt zurück nach Primm.

Etappe nach Las Vegas

9. Las Vegas, NV (46.4 mi / 74.6 km)

Heute morgen geht es gleich zu Anfang für 10 Meilen über den ausgetrockneten Salzsee kurz vor Primm. Macht sehr viel Spass, mal was anderes. Als Ziel avisieren wir die Casinos von Primm. Nach dem Salzsee geht es parallel zu Interstate über eine Sandpiste, die sich später zur Strasse und kurz vor Etappenende schlussendlich zum „Strip“ von Las Vegas entwickelt. Wir lassen Californien hinter uns! Jetzt heisst unser Staat Nevada!!! Cooles Gefühl! Unterwegs wird es einem japanischen Crewmitglied offenbar schwarz vor den Augen. Hat kaum getrunken, wollte nicht pinkeln gehen müssen?! Nach der Verarztung durch den Rennleiter ging es dann für alle weiter in Richtung Las Vegas. Plötzlich kann man die Stadt sehen, es geht dann aber noch während gut 2 Stunden die Strasse runter und es müssen noch unendlich viele Strassen überquert werden. Die Bedingungen sind superheiss. Heisser als in der Mojave-Wüste Tage zuvor. Vielleicht liegt es auch am staubtrockenen Wind? Zeitweise muss ich anhalten und einfach nur trinken. Verpflegung von 3 Meilen (normal) auf zeitweise 1 ½ Meilen verdoppelt. An diesem Tag trinke ich gut 3 Gallonen (gut 11 Liter) Gatorade, ein isotonisches Getränk aus den USA, und noch viel Wasser + Cola! Erstmals trage ich die übergrossen Schuhe, Schuhnummer 46.5 statt 45. Sehr gutes Gefühl, da mehr Platz für die Zehen! Etappenende dann vor dem Klondike Hotel bzw. Casino, am südlichen Beginn des „Strips“.

10. Moapa, NV (43.5 mi / 70.0 km)

Staubtrockene Bedingungen weiterhin und zudem wieder eine lange Etappe. Es ist schon eine halbe Stunde nach Start sehr durstiges Wetter! Übergrosse Schuhe bewähren sich weiter! Wir laufen mehr oder weniger gemeinsam Richtung Norden an all den Casinos vorbei. Wir haben von Alan die offizielle Erlaubnis, für die Strassenüberführungen die Rolltreppen benutzen zu dürfen! Ist mal was anderes! Es macht sehr viel Spass, all die Casinos in Ruhe bestaunen zu können. Viel los ist auf dem Strip noch nicht. Später wird aus dem Strip das Las Vegas Blvd, es geht aus der Stadt raus. Wieder sehr sehr durstiges Wetter. Mache relativ viele Gehpausen zwischendurch. Die letzten 16 Meilen geht es erstmals auf die Interstate, da es keine andere Alternative gibt. Der morgige Tag wird ebenfalls mehrheitlich über die Interstate führen, danach haben wir Ruhe bis Denver. Zwischen den Ausfahrten zuerst 11, dann 5 Meilen Autobahn. Werde während den 11 Meilen zwei mal verpflegt, ich bin nach ein paar Meilen jeweils fast am verdursten. Trotz der zwei grossen Bidons (je 8 dl)… An der Interstate-Ausfahrt erneut Verpflegung, danach geht es auf die 5 restlichen Meilen. Wiederum Zwischenverpflegung nach rund 2 ½ Meilen. Ich glaube wiederum zu verdursten! Schütte rein, was geht, vor allem Gatorade. Nochmals 2 ½ Meilen und die Ausfahrt Nr. 80 ist erreicht, unser heutiges Etappenziel. Mitten in der Pampa. Danach fahrt nach Mesquite ins Oasis Casino. Der Wetterbericht am Abend erzählt von dem, was wir schon längst wissen: es ist abnormal heiss und bleibt es auch! Bis 108 °f, d.h. über 40 °C. Das Problem bei dem ganzen ist weniger die Hitze (da sehr trocken), sondern der extreme Durst.

11. Mesquite, NV (43.8 mi / 70.5 km)

Wir starten bei Exit 80 und laufen während insgesamt 32 Meilen auf der Interstate, bis Exit 112. Am Morgen geht dies bei den verhältnismässig kühlen Temperaturen recht gut. Der Verkehr ist aber nach wie vor sehr lästig, vor allem die Trucks. Oft wird man durch den Luftzug fast umgeworfen. Nach den 32 Meilen haben wir es vorläufig geschafft. Auf dem Turnsheet heisst es „no more Interstate until Denver!!!“. Nun geht es aber noch für rund 12.5 Meilen auf einer kleinen Strasse dem Virgin River nach Richtung Mesquite. Es ist gleich wieder brütend heiss und der obligate Megadurst meldet sich zurück. Las Vegas grüsst nochmals… Ich laufe ziemlich am Anschlag und mache immer wieder Gehpausen. Die Verpflegungsstopps verkürzen sich von ursprünglich 3 auf 1.5 Meilen, so sehr Durst habe ich. Kaltes Eiswasser über den Kopf geleert hilft. Ich bin hundemüde und laufe wirklich am Anschlag! Wenn nicht bald das sch… Casino kommt, drehe ich durch! Auf der Strasse geht es natürlich rauf und runter und wir laufen scheinbar an Mesquite vorbei. Endlich eine Linkskurve und geht endlich auf unser Casino zu. Nach 7 h 44′ ist es dann geschafft. Was für eine Etappe! Morgen soll es aber interessanter werden, jedoch auch länger. Meine Crew hat übrigens heute total 369 Kilometer im Auto zurückgelegt. Verpflegen, zur nächsten Ausfahrt fahren, zurückfahren bis zur letzten Ausfahrt, wieder vorfahren, verpflegen… Essen beim Chinesen! Etappe vergessen und gute Nacht!!!

Start zur Etappe 11 (ein Japaner hält jeweils ein Papier mit der Etappennummer)

12. St. George, UT (49.7 mi / 79.9 km)

Unsere bisher längste Etappe! Aber sie wird im Gegensatz zu gestern eine landschaftlich wunderschöne Etappe. Was für ein Kontrast! Nach drei Meilen, gleich beim Ausgang von Mesquite, steht die Tafel „Arizona“, Staat #3. Irgendwann später passieren wir dann unbemerkt die Grenze zu Utah, Staat #4! Von Mesquite aus geht es rauf und runter durchs Hinterland. Überall blutrote Felsen, wunderschön! Dann der Schock: statt wie die Interstate durch ein sehr enges Tal, geht es für uns über den Pass! Wir sehen die Passstrasse schon von weitem her. Es geht steil bergauf. Ich muss Yuji ziehen lassen, schneller kann und will ich nicht rennen, nicht bei einem so langen Lauf. Zudem ist ja schon die Tagesetappe mit 80 Kilometer nicht kurz. Neben der Steigung geht es wieder durch eine Wüste, Woodbury Desert. Na ja, eine mehr… Nach 29 Meilen ist der Pass endlich erreicht. Immer wieder wunderschöne Ausblicke ins Tal. Danach eine ebenso faszinierende Landschaft auf der anderen Seite. Und vor allem, es geht bergab! Nach einer halben Stunde ist Yuji wieder eingeholt. I’m sorry… Es geht bis St. George fast immer bergab! Zwischendurch aber immer wieder nette Steigungen. Die Temperatur ist wieder wärmer, aber es geht. Endlich ist St. Georg erreicht, die Ziellinie ist vor dem Motel 6. Habe für die Etappe 9 ¼ Stunden gebraucht. Wir stellen noch unsere Uhren eine Stunde vor (neu Mountain Time) und beeilen uns mit kochen: Steak, Spaghetti und Salat!

13. Hildale, UT (28.9 mi / 46.5 km)

Heute ist eine sehr kurze aber schwierige Etappe angesagt. Bald nach dem Start in St. George geht es dann auch schon hoch. Danach sind immer wieder terrassenförmige Plateaus zu bewältigen. Die Temperaturen sind aber heute sehr angenehm. Wir sind durch die Zeitumstellung eine Stunde früher unterwegs und die meisten Läufer durch die kurze Etappe schon vor der grossen Mittagshitze wieder daheim. Unterwegs immer wieder traumhafte Felsformationen. Blutrote Felsen überall und am Horizont sieht man die berühmten Berge des Zion National Parks. Es wird geknipst, wo es geht. Motive gibt es genug.

14. Pipe Spring, AZ (29.3 mi / 47.0 km)

Sehr kurze und einfache Etappe heute. Mehrheitlich geradeaus auf einer perfekten Strasse, d.h. mit genügend grossem Seitenstreifen. Das Turnsheet verzeichnet nicht allzu viele Kurven und Abzweigungen: Einmal aus der einen Tankstelle (Start) raus und nach 47 Kilometer wieder nach links in die nächste Tankstelle rein! Am Start ist es heute kühl!!!

am Etappenziel: salzige Angelegenheit

Wir frieren! Diese Temperaturen sind wir uns halt einfach nicht mehr gewohnt! Die Höhe macht’s aus: 1500 Meter über Meer. Unterwegs sind die Temperaturen sehr angenehm!!! Das Ziel ist im Pipe Spring National Monument, einem wunderschönen Indianergebiet. Den ganzen Tag überall rot gemusterte Felsformationen und auf der anderen Seite traumhafte Ausblicke in die Ferne! Es fehlen nur noch ein paar Indianer… Yuji ist am Morgen wieder mal vorausgesprintet. Ich halte meine Pace und hole ihn erst so ca. 2 Stunden vor Zielschluss wieder ein. Bleibe dann aber bei ihm und wir beenden die Etappe gemeinsam. Wir sind mit 10 km/h schon genügend schnell unterwegs… Ist für uns beide ein wunderschönes Erlebnis! Schön ist auch, dass wir bereits um 10.40 Uhr ins Ziel kommen! Danach Fahrt nach Kanab ins Motel „Treasure Trail“, noch den ganzen Nachmittag vor uns. Viel schlafen!

15. Mt Carmel Jcn., UT (37.4 mi / 60.2 km)

Heute ist es schon wieder sehr kühl am Start. Renne die erste Stunde sogar mit Jacke. Danach perfekte Temperatur. Bin allerdings auch nur bis Mittag unterwegs. Yuji spurtet gleich am Morgen in einem Affenzahn davon. Folge ihm vorsichtig, immer mehr oder weniger in Sichtweite. In Kanab wird er allerdings einiges langsamer und ich kann ihn überholen. Utah grüsst kurz vor Kanab wieder! Wunderschöne Etappe, besonders zwischen Kanab und Mt Carmel Jcn. Überall Felsen wie im Zion NP! Etappenende gleich vis-à-vis vom Motel. Etwas Schmerzen im rechten Oberschenkel den ganzen Tag hindurch. Gut massiert und eingecremt (bereits unterwegs).

16. Panguitch, UT (50.0 mi / 80.4 km)

Mit 50 Meilen die bisher längste Etappe. Es geht am Anfang rauf und runter. Wiederum sehr schöne Gegend, diesmal aber mehr Felsen wie im Bryce Canyon NP. Wir sind ja jetzt gerade zwischen Bryce NP und Zion NP. Irgendwann unterwegs hat Alan eine Linie auf die Strasse gemalt: 1000 Kilometer! It’s photo time!

17. Marysvale, UT (47.0 mi / 75.6 km)

Von Panguitch aus geht es durch ein wunderschönes Tal Richtung Norden. Sehr schöne Felsen rechts und links, in der Mitte ein kleiner Bach mit viel Grün rundum. Ich sehe unterwegs u.a. wieder 3 tote Schlangen. Alan sichtet einen (lebendigen) „Golden Eagle“! Nach den Ausgang aus dem Tal wird es wieder mal heiss. Es geht über viele Hügel, bis wir endlich Marysvale erreichen, eine sehr kleine Ortschaft mit nur ein paar Läden bzw. Restaurants. Fahrt weiter nach Richfield ins Motel „Nights Inn“. Habe heute ein wenig Probleme mit einer Sehne und etwas Schmerzen im rechten Knie. Allerdings nichts gravierendes.

18. Salina, UT (46.7 mi / 75.1 km)

Sehr flache aber erneut lange Etappe. Schalte einen halben Gang zurück und mache Gehpausen zwischendurch. Keine Probleme mehr mit den Beinen und Knien! Am Morgen führt der Kurs wiederum durch ein superschönes Tal mit schönen Felsformationen. Zwei mal Wild gesehen und die obligaten toten Schlangen. Haben riesige Ohren (das Wild…)! Wieder sehr heiss, über 40 °C am Nachmittag. Am Morgen ist es dafür nicht mehr so kalt! Im Ziel, vor dem Wasatch Café, fängt es an stark zu stürmen und der Himmel überzieht sich mit Wolken. Gewitter um uns herum, wir werden allerdings vom Regen verschont. Am Radio wird unser Lauf heute offensichtlich mehrmals erwähnt. Das Interesse am Lauf hält sich bei der einheimischen Bevölkerung allerdings weiterhin in Grenzen…

19. Meadow Gulch, UT (33.2 mi / 53.4 km)

Heute geht es den ganzen Tag auf einer sandigen Strasse neben der Interstate 70 auf den Pass nach Meadow Gulch hoch. Kurze Etappe dafür rund 800 Meter Steigung. Natürlich kein Problem für einen Schweizer! Die Strasse windet sich immer wieder unter der Interstate durch. Mehrere Male geht es durch Tunnels durch den Berg und dann wieder rauf und runter. Macht wirklich Spass und ist mal was anderes. Unterwegs begegnen wir Kühen, Wild und leider auch unzähligen Mücken. Es ist den ganzen Vormittag über bedeckt und die Temperaturen angenehm. Der Zielstrich befindet sich auf irgendeinem Rastplatz neben der Interstate. Danach geht es zurück ins Motel 8 nach Salina. Ich habe heute leider Probleme mit der linken Waden, der Muskel schmerzt mitunter sehr. Ich dehne unterwegs und nehme es wiederum etwas gemütlicher. Die Massage am Abend hilft sehr. Ich bin wieder fit für morgen!

20. Castle Dale, UT (41.9 mi / 67.4 km)

Die TransAm in den 90er Jahren hat hier auf dem Rastplatz campiert und ist auf der I-70 in mehreren Tagen direkt nach Denver gelaufen. Wir machen einen einwöchigen Umweg Richtung Norden und vermeiden so das Laufen auf der Autobahn. Es geht über schnurgerade Strassen meistens flach nach Castle Dale. Makoto wird erstmals zweiter! Ihm läuft es heute klasse. Die Temperaturen sind sehr angenehm, mir läuft es heute auch sehr gut! Vom 4th of July bekommen wir hier auf dem Land nicht viel mit…

21. Helper, UT (40.6 mi / 65.4 km)

Nichts besonderes heute. Helper ist ein kleiner „Eisenbahnort“ kurz vor einen Gebirge. Morgen geht es also gleich als erstes mal rauf… Am Abend haben uns unsere japanischen Freunde auf einen platten Reifen an unserem Auto aufmerksam gemacht. Wir haben Glück: Der Automechaniker vis-à-vis vom Motel repariert ihn in 20 Minuten für nur 10 Dollar?!

22. Duchesne, UT (43.1 mi / 69.3 km)

Zuerst geht es heute mal während den ersten 15 Meilen den Berg rauf. Zuerst sehr sanft, dann steiler. Marschiere die letzten Meilen vor dem Pass, um danach noch genügend Kraft für die restlichen 28 Meilen zu haben. War eine gute Entscheidung! Der Abstieg ist sehr lange und haut kräftig in die Knochen. Sonst keine Probleme, jedoch wieder ordentlich müde am Ziel! Duchesne ist ein kleines Nest mit wenigen aber traditionellen Restaurants.

23. Roosevelt, UT (27.7 mi / 44.6 km)

Erholung ist heute das grosse Stichwort. Aber zuerst ist mal ein Sprint angesagt, schliesslich handelt es sich um die kürzerste Etappe von ganz Runxusa. Bin schon um 10.06 Uhr im Ziel und erhole mich danach ausgiebig. Roosevelt ist ein interessantes aber kleines Nest mit viel Charme.

24. Vernal, UT (30.8 mi / 49.5 km)

Die Etappe nach Vernal gleicht deren von gestern. Nur viel hügliger. Wir besuchen am Nachmittag das Dinosaur NM. Unzählige Dinosaurierknochen sind in einer Felswand zu Hälfte freigelegt und können bestaunt werden. Daneben viele andere Exponate und Informationen. Sehr interessant!

25. Dinosaur, CO (33.9 mi / 54.5 km)

Welcome to Colorado! Wir verlassen endlich Utah und treten in Staat #5 ein, allerdings erst nach 29 Meilen. Zuerst geht es fast den ganzen Tag leicht aber stetig bergauf. Es ist wieder ordentlich heiss und die Beine werden schwerer und schwerer. Nach der mühsamen Arbeit dann endlich das Ziel auf dem schattigen (!!!) Parkplatz des Dinosaur NM Visitor Centers. Danach Fahrt zurück ins Motel nach Vernal.

26. Elk Springs, CO (45.1 mi / 72.6 km)

Die Rocky Mountains lassen schon mal ein wenig grüssen: Es geht heute den ganzen Tag rauf und runter. Nach dem einen Berg kommt der nächste… Obwohl wir uns bereits auf rund 1900 Meter bewegen ist es wieder ordentlich warm. Kurz vor 9 Uhr dann der grosse Moment: 1000 Meilen sind geschafft! Ein klasse Gefühl! Bei mir sind es die ersten 1000 Meilen in einem Ultralauf. Bei vielen anderen Läufern offensichtlich auch. Es wird kurz fotografiert, dann geht es weiter… Nach 72 Kilometern dann endlich im Ziel. Es reicht für heute!!! Koji hat massive Probleme mit seinem Knie. Er kann nur noch humpeln. Für ihn wird diese Etappe zur Qual…

27. Craig, CO (37.7 mi / 60.7 km)

Vor dem Start versuchen wir per Gedanken Kraft für Kojis Knie zu übertragen. Hoffentlich hilft es; er kann es gut brauchen. Neu schmerzt auch noch sein Knöchel… Für die meisten anderen ist heute eher ein lockerer Tag. Es sind 8 Meilen weniger als gestern und das Terrain ist zwar hügelig, aber lange nicht so anstrengend wie die Etappe zuvor. Mein linkes Bein war heute ziemlich lahm, leichte Schmerzen bzw. Krämpfe… Heute Abend erhalte ich per Post die bestellten Asics 2070, wieder Grösse 46.5! Testen wir morgen.

28. Steamboat Springs, CO (45.7 mi / 73.5 km)

Kraft für Kojis Knie, danach Start um 6.00 Uhr wie immer. Die neuen Schuhe bewähren sich sehr, ich laufe sehr gut darin! Es geht immer leicht bergauf bis Steamboat Springs, einem Wintersportort am Fusse der Rockies. Netter Ort mit vielen Shops. Trotz der Höhe (2050 m) ist es heute wieder recht warm auf dem Asphalt. Rechts und links sehen wir seit langem wieder mal Wald (mit richtigen Bäumen)! Nach 7 ½ Stunden „Jogging“ wären dann diese neuen Schuhe auch eingelaufen…

29. Kremmling, CO (48.8 mi / 78.5 km)

Sehr harter Tag heute! Es geht zuerst einmal während rund 19 Meilen mitunter sehr steil rauf auf den Rabbit Ears Pass (2873 m). Die Hasenohren kann man auf der linken Seite bewundern (Felsformation auf einem Berg). Es sind wohl nur rund 800 Höhenmeter zu bewältigen, aber die Luft hier oben ist reichlich dünn und das Laufen wird somit sehr mühsam! Oben auf dem Pass ist dann erst einmal wieder ein Fototermin angesagt: wir passieren die Continental Divide (kontinentale Wasserscheide). Dann steht auf dem Turnsheet „enjoy the downhill“. Bis Kremmling sind es aber noch rund 30 Meilen (48 km) und das Gelände ist natürlich wieder einmal alles andere als eben. Nach knapp 8 ½ Stunden sehe ich Alan mit der Stoppuhr in der Hand im Ziel stehen! Geschafft!!!
Um 20.00 Uhr steht fest: Für Koji war diese Etappe zu hart. Mit all seinen Problemen hat er leider die heutige Cut-off-time nicht geschafft. Sehr traurig, aber wir können es alle leider nicht ändern…

30. Winter Park, CO (44.5 mi / 71.6 km)

Hügelige Etappe, aber keine nennenswerten Steigungen. Wir folgen dem Colorado River und überqueren ihn insgesamt drei Mal. Foto! Er entspringt hier in den Rocky Mountains, wird dann später zu einen gewaltigen Fluss und gibt u.a. dem Grand Canyon sein berühmtes Aussehen. Sein Ziel, den Golf von Mexiko, erreicht er aber schon lange nicht mehr. Er versandet irgendwann kläglich. Zu sehr wird er immer wieder durch unzählige Stauwehre ausgebeutet. Las Vegas und Co. brauchen (Trink-) Wasser für ihre Golfplätze, Casinos und immergrünen Rasenflächen. Dies ist offensichtlich wichtiger als die Natur… Winter Park (2775 m) ist wieder ein sehr netter Skiort mit vielen Shops und Restaurants.

31. Idaho Springs, CO (36.7 mi / 59.0 km)

Der Berthoud Pass (3446 m) ist unser grosses Ziel heute. Nach 13 Meilen ist der höchste Punkt von Runxusa erreicht. Erneut Continental Divide. Das Atmen fällt heute besonders schwer. Die Steigung wäre kein Problem, nur eben die Höhe!

Zwei Japaner rennen wiederum „kamikazemässig“ den Berg hoch?! Danach sind sie müde. Ich nehme es sehr gemütlich, mache immer wieder Gehpausen und bin mit dieser Methode trotzdem schneller als meine Kollegen. In Japan scheint vieles eine Frage der Ehre zu sein. Man rennt!!! Ich sehe das anders: bei mir steht die Gesundheit im Vordergrund und das Ankommen in NY. Und wenn sich das ganze noch mit Geschwindigkeit kombinieren lässt… Nach dem Pass geht es insgesamt gut 1100 Höhenmeter runter nach Idaho Springs (2293 m). Unser einwöchiger Umweg, quer nach Norden durch Utah und dann wieder nach Süden Richtung Denver, ist nun beendet. Das heisst wir folgen nun wieder der Route der TransAm aus den 90er Jahren. Wir haben einige Interstate-Meilen umgangen und wunderschöne Landschaften gesehen!

32. Denver, CO (31.9 mi / 51.3 km)

Wir verlassen die Rocky Mountains definitiv und rennen auf einer kurvenreichen Nebenstrasse mit traumhafter Sicht runter nach Denver. Die Ausblicke auf die Stadt sind wirklich atemberaubend und wunderschön. Wir sind mit 1600 Meter auch endlich wieder auf einer vernünftigen Höhe. Aber es wird auch in Denver gegen Mittag wieder reichlich heiss in der Sonne. Der Wetterbericht sagt seit 4 Wochen immer das gleiche: aussergewöhnliche Hitze für den mittleren Westen… Ausgezeichnetes Essen beim Chinesen: Lemon Chicken.

33. Byers, CO (46.8 mi / 75.3 km)

Am Morgen geht es zuerst einmal durch den Stadtkern von Denver, vorbei am Capitol, an der Mint (Münzprägeanstalt der USA) und an einigen Hochhäusern. Wir passieren ungefähr 100 Ampeln, d.h. warten auf grün, Trottoir runter, schnell rüber, Trottoir hoch und weiter. Und das drei Stunden lang… Dann liegt die Stadt endlich hinter uns und es geht durch Farmland. Noch kurz ein Blick zurück auf die Stadt mit den Rocky Mountains im Hintergrund und wir wechseln von der Route 40 auf die 36. Die 40 war während 10 Etappen, seit Duchesne UT, unser treuer „Begleiter“. Die 36 ist es für die nächsten 1000 Meilen! Bereits gegen 9.00 Uhr wird es wieder warm, kurz vor 14.00 Uhr ist es schon wieder 38 °C. Byers ist ein kleines Nest irgendwo im Osten von Colorado. Viel interessantes gibt es hier nicht…

34. Lindon, CO (44.0 mi / 70.8 km)

Wieder ein sehr heisser Tag heute. Und auch der teilweise starke Gegenwind kurz vor Mittag fehlt nicht. Die Bedingungen sind hart und es ist sehr anstrengend, die unzähligen Hügel bis zum Ziel zu bezwingen. Wir werden auf dieser schnurgeraden aber eben nicht flachen Strasse noch Hunderte von Hügel geniessen dürfen, dessen sind wir uns bewusst. Die Zivilisation haben wir längst hinter uns gelassen. Hier gibt es ausser viel Farmland nichts, ausser ab und zu mal eine Kneipe und ein paar Häuser. Unser Motel erreichen wir nach 46 Meilen Fahrt…

35. Kirk, CO (45.4 mi / 73.0 km)

Die Hälfte des Tages haben wir wieder zum Teil starken Gegenwind. Heiss ist es trotzdem, im Ziel um 14.00 Uhr wieder 41 °C. Es ist ein harter Brocken heute…

36. St. Francis, KS (46.4 mi / 74.6 km)

Staat #6 wartet auf uns: Wir passieren die Stateline zu Kansas und stellen unsere Uhren wiederum eine Stunde vor. Central Time Zone klingt nicht schlecht! Heute kommt der Wind z.T. auch mal von hinten oder bleibt für kurze Zeit ganz aus. Sofort ist es brühend heiss auf dem Asphalt und man bekommt Augenblicklich einen noch grösseren Durst. Was ist wohl besser: Gegenwind oder Hitze? Um 08.45 Uhr ist es bereits 86 °f (30 °C) im Schatten und am Mittag noch ein bissele wärmer… In St. Francis hat es gemäss Sheriff seit rund 3 Monaten nicht mehr geregnet und die Hitze ist abnormal hoch. Wissen wir schon… Shoji und Nobu wollen mich heute testen. Sie schlagen gleich am Morgen ein sehr hohes Tempo an. Ich folge ihnen vorsichtig immer in Sichtweite. Nach rund 3 Stunden ist bei ihnen „der Ofen aus“…?! Ich setze nach wie vor auf ein anderes Pferd: Konstanz beim Tempo, keine Experimente und vor allem keine Spurts. Heute haben wir definitiv die Hälfte der Etappen geschafft (36 von 71), übermorgen dann auch die Hälfte der Meilen!

37. Atwood, KS (48.8 mi / 78.5 km)

Endlich mal Rückenwind heute! Die Temperaturen sind solange der Wind weht erträglich, zwischendurch bei Windstille jedoch wiederum brühend heiss. Es läuft mir heute entsprechend sehr gut! Shoji und Nobu sind nach eigener Aussage immer noch müde… Um 15.00 Uhr ziehen langsam Gewitterwolken auf und es regnet tatsächlich mal! Gegen Abend dann immer stärkere Gewitter. Die Feuerwehr rückt mit einem Pumpwagen aus…

38. Norton, KS (53.1 mi / 85.4 km)

Sonne, Sonne, NNW-Wind und am Nachmittag wieder stärkerer Gegenwind. Aber die Temperaturen sind dadurch für einmal sehr angenehm! Was für ein Segen! Ich fühle mich während den knapp 9 Stunden sehr gut in Form und erhole mich von den Strapazen der vergangenen Tagen. Und dies auf der bisher längsten Etappe… Nach 43 Meilen haben wir ungefähr die Hälfte der Distanz von Runxusa geschafft, 1540 Meilen oder 2480 Kilometer!!! Es geht nun definitiv in Richtung New York!!!

 

39. Kensington, KS (47.1 mi / 75.8 km)

Der Racedirector Alan hat mir im Ziel eine traurige Nachricht: Don Winkley musste heute Morgen leider das Rennen aufgeben. Es geht einfach nicht mehr, die Strapazen sind zu hoch, die Erholungszeit für ihn viel zu kurz. Gestern ist er z.B. erst um 21.00 Uhr ins Ziel gekommen, d.h. er war 15 Stunden unterwegs! Sehr schade, er wird uns fehlen!!! Jetzt sind wir nur noch 8 Läuferinnen und Läufer und zwei Journey Runners. Don reist zurück nach Texas. Er hat den Kontinent bereits 1995 mit der TransAm durchquert und auch sonst schon so vieles erreicht! Er startet Anfangs September erneut bei der Transe Gaule quer durch Frankreich und wird das Ziel, Narbonne Plage, mit Sicherheit wiederum erreichen.

40. Mankato, KS (43.0 mi / 69.2 km)

Beim Start fehlt heute natürlich Don. Wir sind die ersten paar Meter immer ganz cool angegangen und haben gequasselt, bevor dann jeder seinen Weg ging. Schade!!! Bei Meile 25 passieren wir das ganz in der Nähe des Hwy36 gelegene „Geographic Center of the USA“. Die USA würden hier aus Karton ausgeschnitten auf einem spitzen Gegenstand balancieren. Leider haben die Geografen bei ihren Berechnungen Alaska und Hawaii vergessen?! Nach Etappenende besuchen wir die kleine Kapelle und die Informationstafel. Sehr interessant und ein weiteres Zeichen für unser momentan rasches Vorwärtskommen! Am Abend darf/muss ich für die Lokalzeitung ein kurzes Interview geben. Die Reporterin ist sehr erstaunt, dass mir dieser Lauf trotz allen Strapazen immer noch sehr viel Spass macht. Ich bin es ehrlich gesagt auch…

41. Belleville, KS (31.6 mi / 50.8 km)

Die Bäume kommen langsam wieder zurück. Schon seit zwei Tagen wird es immer grüner und wir laufen zum Teil sogar durch kleine Wälder. Kehrseite der Medaille: die ehemals trockene Hitze wird jetzt zur feuchten Hitze. Man schwitzt viel stärker…
Mary, Race Managerin und Frau des Organisators, hat für uns Läufer eine Waage gekauft: Habe auf den 2700 Kilometern nur ca. 1 bis 2 Kilos abgenommen, also alles vollkommen normal!

42. Marysville, KS (53.4 mi / 85.9 km)

Sehr lange Etappe, aber der Himmel ist erstmals etwa die Hälfte des Tages mit Wolken bedeckt! Es ist feucht aber recht angenehm zum rennen. Gewitter am Abend.

43. Sabetha, KS (44.5 mi / 71.6 km)

Grausame, nimmer endende, feucht-heisse Etappe! Der Wind ist schwach und bleibt mehrmals ganz aus. Dann wird es fast unerträglich heiss und das ganze wird zur Durchhalte-Übung. Die Kleider sind durch und durch nassgeschwitzt. Die Temperatur liegt gemäss Wetterbericht bei ca. 38 °C, die durch die Feuchte gefühlte Temperatur bei gut 42 °C (im Schatten). No comment… Hauptproblem bei solcher Nässe: Hautschürfungen. Die Haut ist gereizt und wund. Vorbeugen kann man, hilft aber auch nur bedingt.. Am Abend geben Shoji und ich ein gemeinsames Interview für die Lokalpresse. Eine Frage habe ich befürchtet: Wieso das ganze? Schwer zu erklären: es macht halt trotz allem immer noch Spass!

44. Elwood, KS (50.8 mi / 81.7 km)

Es kann immer noch schlimmer kommen! Kein Wind mehr die letzten Stunden… Ich kann meine normale Geschwindigkeit von rund 6 Meilen/Stunde fast halten, bin aber im Ziel hundemüde und ziemlich K.O. Das Telefon im Motel mit meinem Schatz in der Schweiz bringt mir dann aber wieder neue Energie!

45. Hamilton, MO (47.5 mi / 76.4 km)

Staat #7! Wir überqueren gleich am Morgen den Fluss Missouri und verlassen somit endlich Kansas. Die ersten 1.7 Meilen über den Fluss marschieren wir alle gemeinsam in der Gruppe, da es über recht gefährliche Viadukte geht. Ich werde vom Organisator, Alan Firth, als Frontläufer auserkoren und erhalte eine Leuchtweste (wie ein Bauarbeiter). Wir geniessen das gemütliche marschieren und diskutieren fleissig. Danach geht es auf die Piste. Es ist immer noch drückend-heiss, aber lange nicht mehr so extrem wie die letzten Tage.

46. Brookfield, MO (50.4 mi / 81.1 km)

Sehr lange und sehr heisse Etappe heute. Es ist fast den ganzen Tag kein Wind spürbar. Bereits kurz nach dem Start sind meine Kleider wieder triefend nass und das Laufen wird leider zur Qual…

47. Clarence, MO (43.4 mi / 69.8 km)

siehe gestern…

48. Hannibal, MO (49.3 mi / 79.3 km)

Zu den sonst schon schwierigen Bedingungen kommt noch ein Problem mehr hinzu: Der Seitenstreifen am Rand der Strasse fehlt fast den ganzen Tag ganz. Wir müssen im Kies laufen. Der herrscht zudem sehr starker Verkehr, vor allem Trucks… Ich habe heute keine Lust, irgendetwas über das Wetter zu schreiben…

49. Pittsfield, IL (35.0 mi / 56.3 km)

Wir überqueren gleich nach dem Start den „Old man river“, den Mississippi, und treten in Staat #8 ein: Illinois. Klasse Gefühl, der Fluss ist für mich eine sehr wichtige Barriere Richtung Osten und zudem ein super Erlebnis! Danach geht es endlich auf eine ruhige Nebenstrasse der Route 36. Das Klima ändert natürlich mit der Staatsgrenze nicht, aber es ist eine Sprintetappe und damit heute nicht so wichtig. Bereits um 11.35 ist für mich Schluss. Makoto wird heute 2., nachdem er gestern noch letzter war. Er ist heute sehr gefährlich schnell unterwegs, hoffentlich nicht zu schnell…

50. New Berlin, IL (53.7 mi / 86.4 km)

Wir überqueren am Morgen bald mal den Illinois River. Es ist eine alte Zugbrücke und das laufen über die Brücke macht ordentlich Spass. Danach wird es wieder ein klein wenig wärmer und ich geniesse die 9 ½ Stunden auf dem Asphalt wieder einmal ausgiebig…….. Ich weiss: andere sind viel länger unterwegs, aber dies hilft mir leider wenig. Mein Rücken und andere Körperpassagen sind durch die ständige Nässe und Reibung dementsprechend wund. Da hilft auch keine Creme mehr, es Schmerz überall. Die Dusche danach ist heute leider kein Genuss…

51. Decatur, IL (52.7 mi / 84.8 km)

Rekordhitze und -feuchte bei totaler Windstille während 84.8 Kilometer. Ich bin wund, wo es nur geht und laufe bzw. marschiere vor allem gegen Ende wirklich am Anschlag. Bisher schlimmste Etappe überhaupt… 10 h 10′ für rund 85 Kilometer?! Moralisch bin ich an einem Tiefpunkt. Geht das hier mit dieser Feuchtigkeit so weiter bis nach New York? Es macht im Moment wirklich keinen Spass mehr! Den ganzen Tag ist man patschnass und das Atmen fällt einem auch schwer……. Wenigstens meine Eltern machen heute noch eine witzige Erfahrung. Am Sonntag sind im Staat Illinois im Supermarkt die umfangreichen Alkoholregale mit einem Schloss verriegelt. Meine Eltern nehmen nichtsahnend dennoch irgendwie einen Karton Bier an die Kasse. Die Verkäuferin ist verärgert: Heute ist doch Sonntag, da darf man keinen Alkohol kaufen! Trinken???

52. Tuscola, IL (41.3 mi / 66.4 km)

Nichts neues an der Wetterfront. Die Leute hier in Tuscola sagen, dass es noch selten so lange so feucht und heiss war… Mit dem Wundsein ist es heute besser. Trage andere Kleider… Beende heute die Etappe zusammen mit Shoji, der sich auch riesig über den gemeinsamen 1. Platz freut.

53. Rockville, IN (57.2 mi / 92.0 km)

Ein Wunder ist geschehen! Offensichtlich wurden unsere Gebete (bzw. Fluchworte) erhört. Es ist heute angenehm kühl mit einer perfekten, frischen Brise Wind!!! Ich glaube, ich spinne! Die längste Etappe von ganz RUNXUSA wird zu einem wunderbaren Spaziergang. Vielleicht übertreibe ich jetzt ein wenig… Aber es macht wieder Spass und die Probleme mit den Schürfungen entschärfen sich auch massiv! Nach 39 Meilen wechseln wir mal wieder den Staat: good bye Illinois, Indiana ahoi! Staat #9. Unterwegs sehe ich noch eine Amish-Familie in ihrer Pferdekutsche. Sie tragen traditionelle Kleidung und winken mir sehr freundlich zu.

54. Indianapolis, IN (50.6 mi / 81.4 km)

Weiterhin perfekte Bedingungen: kühler Wind und trockene Luft!!!!! Es geht nach Indianapolis rein. Furchtbar laute Stadt mit furchtbar viel Verkehr. Amerikaner legen jeden Meter im Auto zurück. Niemand geht hier nur einen Schritt zu Fuss oder benutzt ein Fahrrad. Darum sind auch die meisten Amis so gertenschlank… Es gibt kaum Gehsteige und wenn, dann in einem meist erbärmlichen Zustand. So kämpfen wir uns durch den donnernden Strassenverkehr. Mit einem Fuss auf der Strasse, mit dem anderen im Strassengraben…

55. Dunreith, IN (44.1 mi / 70.9 km)

Nach dem Zentrum geht es langsam aber sicher aus der Stadt raus. Wir verlassen nach über 1000 Meilen den Highway 36 und wechseln auf die 40. Die Route 36 war seit Denver unser treuer Begleiter! Das Laufen auf den Gehsteigen wird wieder zur Turnübung bzw. zum Hürdenlauf. Riesen Sprung rauf und nach ein paar Meter wieder riesen Sprung runter vom Trottoir (und beten, dass nichts passiert…). Meine Beine lieben dies. Shoji eilt mal wieder voraus. Ich habe heute trotz der weiterhin trockenen Luft irgendwie keine Lust aufs Laufen und trödle an 2. Stelle rum. Um 10.30 Uhr entschliesse ich mich dann aber vorwärts zu machen und hole Shoji ein. Wir plaudern ordentlich unterwegs und beenden erneut eine Etappe zusammen.

persönlich Verpflegung unterwegs: hier mein Vater

56. Lewisburg, OH (47.5 mi / 76.4 km)

Recht warmer Tag heute, aber weiterhin trockene Luft! Gott sei dank!!! Man kann es nicht oft genug sagen! Ein weiteres Paar Schuhe (erneut 1 ½ Nummern grösser) sind gestern per Post gekommen. Ein klasse Gefühl in neuen Schuhen, es geht richtig die Post ab! Meinen Blasen geht es mittlerweile auch endlich besser. Sie haben bis gestern noch sehr geschmerzt… Ich habe sie vor ein paar Tagen in der Tropenhitze eingefangen. Vermutlich durch Schweiss, der in die Schuhe lief und natürlich durch die ständige Reibung.

57. South Vienna, OH (53.0 mi / 85.3 km)

Sehr schöne Etappe heute. Es geht immer wieder durch Wälder und durch nette kleine Ortschaften. Ich werde unterwegs von einem Autofahrer angesprochen und erzähle von RUNXUSA. Dan ist ebenfalls Marathonläufer und entschliesst sich spontan, mich während ein paar Meilen zu begleiten. Er geht kurz nach Hause sich umzuziehen und rennt dann während rund 45 Minuten mit mir. Er kann es kaum glauben, dass wir täglich so lange unterwegs sind. Ich eigentlich auch nicht… Wir stellen heute Abend unsere Uhren auf „Eastern Time“ um, die gleiche Zeitzone wie New York!

58. Wagram, OH (47.5 mi / 76.4 km)

Wunderschöner Sonnenaufgang und kühler Morgen. Wir sind ja infolge der Zeitumstellung eine Stunde früher unterwegs. Danach laufen wir durch Columbus, die Hauptstadt von Ohio. Mal eine wirklich schöne Stadt! Sehr gepflegt und modern. Alles glänzt und ist sauber! Wunderschöne Baumalleen mit Traumhäusern etwas ausserhalb vom Zentrum. Leider wird es gegen Mittag wieder schwül-warm. Lange nicht so extrem wie auch schon, aber es reicht für heute…

59. New Concord, OH (53.2 mi / 85.6 km)

Sehr feucht-heisser Tag und zudem ein langer. Die Hügel der Appalachen beginnen: es geht rauf und runter. Am Nachmittag ziehen Gewitterwolken auf und während den letzten 15 Minuten werde ich noch sehr intensiv geduscht. Andere Läufer sind noch länger da draussen… Überall Blitze um uns herum, es ist unheimlich. Die Fahrt auf der Interstate von der Ziellinie ins Motel wird zum Abenteuer.

60. St. Clairsville, OH (54.8 mi / 88.1 km)

Feucht, heiss, lang, supermegahügelig. Es geht heute ausschliesslich rauf und runter. Nicht die langgezogenen Hügel, nein kurze, steile Passagen. Dazu noch ein paar Stunden auf einem nichtasphaltierten „Steinpfad“. Die Steine sind nicht gerade Balsam für meine Füsse. Zu lange sind wir schon unterwegs. Für ein paar Meilen geht es noch durch St. Clairsville, unserem heutigen Ziel. Sogar hier geht es weiter rauf und runter. Schlimmer geht’s nimmer. Die einzige flache Passage heute ist die auf dem Boden im Motelzimmer, zwischen Türe und Dusche! Nicht sehr witzig! Knapp 10 Stunden für 88 Kilometer ist lange…

61. Washington, PA (37.7 mi / 60.6 km)

Wir laufen am Morgen den Berg runter über den Ohio River, sind für etwa eine Stunde in West Virginia (Staat #11) und für den Rest des Tages in Pennsylvania (Staat #12). Ansonsten alles wie gestern. Hügel, Hitze, Hügel, … Dafür eine sehr kurze Etappe heute.

62. Uniontown, PA (50.9 mi / 81.9 km)

Am Anfang geht es rauf und runter durch wunderschöne Wälder auf kaum befahrenen Nebenstrassen. Zurück auf der US40 folgt eine eher langweilige Passage mit ohrenbetäubendem Strassenverkehr. Die Temperaturen sind mit 32 °C durchaus erträglich.

63. Frostburg/Clarysville, MD (53.8 mi / 86.5 km)

Wir haben Glück auf dieser langen und sehr hügelig/bergigen Etappe: Der Himmel ist bedeckt und die Temperatur wohl so bei 20 °C?! Es kommt mir richtig kalt vor. Es regnet zwischendurch mal und die Luftfeuchtigkeit ist logischerweise nahe dem Maximum. Aber mit diesen herrlichen Temperaturen und einem endlich mal wieder breiten Strassenrand (!!!) lässt es sich rennen! Die Hügel sind aber oft zu steil zum komplett raufrennen und das Gefälle auf der anderen Seite schlägt in die Knie. Aber Maryland gefällt mir sonst ganz gut, Staat #13. Eine flache Passage haben wir heute tatsächlich, eine Brücke zwischendurch ist topfeben! Leider nicht für lange…

64. Hancock, MD (46.5 mi / 74.8 km)

Kurzer aber wieder drückend-heisser Tag. Der Himmel ist zwar mehrheitlich bedeckt, aber eben… Wir haben heute wieder mehrheitlich einen traumhaft breiten Seitenstreifen zum rennen und fast kein Verkehr! Hügel? Ja!!!

65. Waynesboro, MD (39.2 mi / 63.1 km)

Am Morgen rennen wir für rund eine Stunde auf einem Radweg und geniessen die ungewöhnliche Stille. Würden wir hier weiterrennen, kämen wir nach nur wenigen Tagen in der Hauptstadt Washington DC an. Es wäre ein superruhiger Bikepfad und ein lockeres Finish, aber eben: wir wollen ja nach New York. Später geht es durch die wunderschöne Ortschaft Clear Spring. Viele ältere Häuser und überall Blumen auf den Fenstersimsen, sogar echte! Das ist höchst ungewöhnlich für Amerika, wo fast alles aus Plastik ist. Musik klingt aus der Kirche und viele Leute sitzen vor ihren Häusern. Auch sehr ungewöhnlich… Sehr friedlicher Sonntag also. Die Appalachen sind zwar noch nicht ganz vorbei, aber viel weniger steil als noch gestern. Zudem ist die Etappe mit 63 Km angenehm kurz. Was will man mehr?

66. New Oxford, PA (36.2 mi / 58.2 km)

Nach knapp einer Stunde laufen kreuze ich den Appalachian Trail. Er ist ein steinig-bergiger Wanderweg und führt von Maine nach Georgia, also von Norden nach Süden durchs ganze Land. David Horton ist ihn ja bekanntlich in Rekordzeit gelaufen. Den ganzen wohlverstanden! Später lief er auch die TransAm und hat seine Erlebnisse sehr spannend in einem Buch niedergeschrieben. Absolut lesenswert! Die meisten Leute sind aber Wanderer und nehmen es gemütlicher. Ich nehme lieber die Strasse und laufe weiter durch Gettysburg. Eisenhower war offensichtlich ein paar Mal hier…

67. Lancaster, PA (38.0 mi / 61.1 km)

Furchtbar lauter Verkehr am Morgen. Gut ist es wieder eine kurze Etappe! Nach der Stadt York wird es aber besser, dank der parallel verlaufenden Interstate. Das Wetter ist recht angenehm, es bläst zudem ein stetiger Wind. Die Hügel sind fast ganz verschwunden. Es lässt sich alles problemlos rennen…

68. Kutztown, PA (49.3 mi / 79.3 km)

Der Strassenverkehr ist wieder sehr schlimm und das Laufen mitunter sehr gefährlich. Vor allem in den Baustellen ist es haarsträubend eng! Für die Autos und vor allem die Trucks hat es sehr wenig Platz, für uns gar keinen… Die Temperaturen sind aber sehr angenehm und es bläst sogar ein frischer Wind. In Reading wartet das Schweizer Fernsehen (10 vor 10) auf mich und filmt mich den ganzen Tag hindurch. Mariko wird heute leider von einem abbiegenden Auto angefahren und verletzt sich leicht am linken Bein. Sie hat grosses Glück gehabt! Es hätte auch anders ausgehen können! Autos, die nach rechts in eine Strasse einbiegen, schauen hier ausschliesslich nach links auf den Strassenverkehr. Niemand, wirklich niemand geht hier zu Fuss. Wieso dann also nach beiden Seiten schauen? Wir Läufer wissen dies nach 3000 Meilen mittlerweile und sollten uns dementsprechend verhalten…

69. Washington, NJ (50.0 mi / 80.4 km)

Alan hat heute alle Hände voll zu tun. Unzählige Abzweigungen (Turns) sind mit Mehlpfeilen zu markieren. Eine gesperrte Strasse macht ihm dann einen Strich durch die Rechnung. Wir Läufer können ungehindert passieren, die Autos bleiben zurück… Endlich wieder mal ein neuer Staat: New Jersey, Staat #15. Und gegen Ende der Etappe überqueren wir die 3000-Meilen-Marke! Es ist also definitiv nicht mehr weit bis nach New York! Am Abend ist es endlich soweit: das grosse Wiedersehen mit meinem Schatz Alexa! Sie begleitet mich auf den letzten Meilen bis nach New York und gibt mir Kraft für den Schlussspurt!

70. West Orange, NJ (47.9 mi / 77.0 km)

Die letzte Rennetappe! Ich gebe heute nochmals ordentlich Gas und freue mich auf den morgigen Tag!

71. New York City, NY (33.3 mi / 53.6 km)

Der wirklich letzte Tag! Seltsames Gefühl aber dennoch wunderschön. Ich habe nach 71 Tagen wirklich genug vom Laufen und freue mich auf alles andere. Hauptsache endlich am Ziel! Wir laufen alle gemeinsam bis an den Anfang von Manhatten. Mariko gibt das Tempo vor und wir folgen ihr auf Schritt und Tritt. Es regnet leider zwischendurch immer mal wieder und es ist eher kühl heute. Dann endlich die George Washington Bridge über den Hudson River! Wir verlassen New Jersey und sind nun wirklich in New York!!! Nach der spektakulären Brücke (Fotos, Fotos, Fotos…) geht es auf einem ruhigen Bikepfad dem Hudson River nach. Nun laufen alle in der Reihenfolge, wie sie im Endklassement stehen. Ich eile also los, Shoji ist mir wie immer dicht auf den Fersen, darf heute aber ausnahmsweise mal nicht überholen. In der 72. Strasse drehen wir nach links Richtung Central Park ab. Noch 10 Minuten ist der Eingang „Central Park West“ erreicht und ich sehe die Ziellinie. Die letzte Ziellinie!!! Ich werde von 2 Zuschauern, diversen Crewmitgliedern und natürlich von meiner Familie und meinem Schatz freudig erwartet. Die 2 Zuschauer sind Pia und ihr Mann, die mich mit einem Willkommensplakat herzlich begrüssen! Sie haben zufälligerweise vom Event gehört und wollten uns unbedingt sehen! Viel mehr ist aber im Ziel nicht los. Um 14.30 ist es nun also definitiv geschafft! Weiter geht es hier nicht mehr, der Atlantik ist erreicht. Aus, vorbei! Und es reicht auch. Mir zumindest! Kurz nach mir trifft auch schon Shoji und danach Yuji und die anderen Läuferinnen und Läufer ein. Wir schiessen unzählige Fotos und gratulieren uns gegenseitig zu der vollbrachten Leistung. Danach eine heisse Dusche im Hotel gleich vis-à-vis vom Central Park. Am Abend gibt es ein kleines Fest mit Apéro und anschliessender Rangverkündung. Für alle Läufer gibt es eine sehr schöne „Finisher-Gedenktafel“ und für die ersten Ränge einen wirklich schönen Glaspokal. Nach ein paar Stunden ist es dann aber definitiv vorbei. Bei Mary, der Frau des Organisators, fliessen wieder mal reichlich die Tränen. Meine Augen bleiben trocken. Es ist sicher traurig, dass nun alles vorbei ist. Aber die Freude über die grossartige Leistung aller Teilnehmer und die Vorfreude auf die Tage ohne Start um 6.00 Uhr überwiegt bei mir! Ich habe mir meinen grossen Traum erfüllt: die Durchquerung von Amerika per pedes!

72. The day after…

Meine Eltern, Alexa und ich schlafen zuerst mal ordentlich aus. Irgendwann einmal raffen Alexa und ich uns zu einem kurzen Jog im Central Park auf. Es ist am Sonntag ordentlich was los hier: Überall Läufer, Inline-Skater und Biker. Ich geniesse den kurzen Lauf mit meinem Schatz und vor allem die Tatsache, dass ich nun laufen darf und nicht muss. Egal wie viele Meilen, egal wie schnell! Einfach nur geniessen!

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die zum Gelingen dieses Laufes beigetragen oder mich aus der Ferne unterstützt haben! Natürlich auch den Organisatoren, Mary Stewart und Alan Firth, meinen Eltern, die mich während 71 Tagen (!!!) treu begleitet haben! Und vielen Dank meiner kleinen Alexa für ihre Organisation während und nach dem Lauf und für die Kraft und Motivation, die sie mir immer wieder gegeben hat!

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