Pontresian drei

Sommertrainingslager Engadin

Freitag 10. August 2018

Von Maloja nach Pontrsina. 22 Kilometer. 6 Seen. Das kann nur gut werden und so wurde es. Wie üblich Besammlung vor dem Hotel.

Hier geht’s zur Foto-Galerie vom Trainingslager.

„Piero, wo ist deine Sonnenbrille?“

Grammatikalisch eine Frage, rhetorisch ein Befehl. An meine Militärzeit erinnert, wollte ich mich instinktiv wegducken, obwohl: ich heisse weder Piero, noch bin ich ohne Sonnenbrille da.

„Nein.“

Das heisst, er sprach zwar nein, es kam sanft, etwa so an: „Meine allerliebste Sandrine, ich bin ein grosser Bub und meine Mutter hat mich in deiner Hände Obhut gegeben. So wie du dich um mich kümmerst, werde ich dir für immer dankbar sein, würde heute aber gerne ohne Sonnenbrille laufen.“ Dabei schaute er so, als ob er ihr mit seinem Blick einen Kuss senden könne. Die Wirkung folgte auf der Stelle, ihre sachlich strenge, zu Eis erstarrte Mine schmolz dahin, noch schneller als der Pers-Gletscher am Piz Palü und wich ihrer gewohnt charmanten, lieblichen Ausstrahlung.

Aha, so macht man das – ich war beeindruckt. Das probiere ich dann gleich mal zuhause aus. Wenn Formel 1 läuft, was sie jedes mal daran erinnert, dass sie noch staubsaugen muss. Beim nächsten Rennen sage ich dann auch: „Nein.“, und schau blöd hinterher – bin gespannt ob’s auch so wirkt.

Die Busfahrt nach Maloja dauerte eine Dreiviertelstunde, was knapp reichte, um mir in Gedanken meine obige Einstiegs-Pointe zurecht zu biegen, damit ich es psychologische weniger Versierten  auch verständlich wiedergeben kann.

Aus dem Postauto raus, bin ich gleich losgerannt. Gemäss Vereinbarung mit Sandrine, würde ich mich auf dem Wanderweg am See aufstellen und Bilder machen. Damit ich auch mal die ganz schnellen fotogarfieren kann. Guter Plan. Weit hinten sehe ich die ersten durchs Tannengeäst, die müssten nach zwei, drei Minuten vor mir ums Eck gerannt kommen. Durch die Tanne ist schon die zweite Gruppe auszumachen. Alleine – bei mir kommt keiner vorbei.

Dann sehe ich die, nicht am See, noch auf dem Wanderweg, aber über mir auf einem Waldsträsschen. Meine anfänglichen Zweifel, ob ich obiges so frech schreiben darf, waren auf der Stelle verflogen. Jetzt erst recht, nicht mit mir Freundinnen. Den Ufertrail entlang wetzte, hechte und hoble ich. Wo gehobelt wird, fallen Späne – heute Abgottspäne. Bei Zusammenschluss der beiden Wege komme ich bei Gruppe 5 raus. Die Leistungsgruppe ist einen halben Kilometer weiter vorn noch zu sehen.

Was dann passierte weiss ich nicht, weil erinnern kann ich mich nicht. Jenseits der anaeroben Schwelle von der anaeroben Schwelle unterwegs (anaerob hoch 2) blieb kein Sauerstoff-Elementlein über, um noch eine einzige Hirnzelle zu versorgen. Dabei ist doch meine Hirnzelle noch so eine kleine. Es gelang aber Fotos von den vordersten Läufern zu knipsen.

Was danach passierte weiss ich wieder. Ich hätte kotzen wollen, mir war übel, die Beine schmerzen. War selten so platt. Zum Glück lebt im Stazer Wald ein Medizinmann, der gab mir Medizin. Das half sofort, ich ward normal. Und realisiere, der ist gar nicht Medizinmann. Der ist Wirt; der gab mir Bier.

Der sportliche Leser weiss längst, wir sind auf der Strecke vom Engadiner Sommerlauf unterwegs. Der hat ein paar liederliche Steigungen. Dann wurden die Steigungen noch liederlicher. Das ist nicht mehr der Sommerlauf, jetzt heisst die Route Engadiner Skimarathon. Gestern liefen wir zum Stazer See und ich fragte dauernd, wo jetzt dieser Skimarathon lang geht. Meine Fresse, jetzt weiss ich das aber – und wie. Beim nächsten mal gehe ich auch zum Biken.

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