Piacenza Marathon

Die Offenbarung von Piacenza

Die Präferenz in Norditalien Marathon zu laufen wird facettenreich belohnt. Die Schinken von Parma sind legendär. Überhaupt die ganze Schweineverwertungsbranche. Gastfreundschaft. Man kann Kultur gaffen geh’n. Wir sind südlich von Piacenza, in der Gegend Colli Piacentini. Burgen, Schlösser und Kirchen ragen in die Geografie. An den Hügeln wachsen die Weine, respektive deren Rohstoff. Fasanen hocken in den Hecken – abends auf der Speisekarte. Frühstück am überhöhten Ufer der Trebbia. Sie schlängelt sich wie vor Jahrhunderten zwischen ausgedehnten Kiesbänken im naturbelassenen, breiten Flussbett dahin. Hier würde der Herrgott leben wollen.

In Piacenza kommt noch eine weitere Facette hinzu: Eine der schnellsten Marathonstrecken die ich je unter die Sohlen nahm.
Es gibt eine Startschlaufe durch die Innenstadt. Bei Kilometer 8, die einzige Steigung, eine Strassenüberführung. Hier endet auch die Urbanisation. Ab in die Po-Ebene. Besser gesagt, vom Po Richtung Valle Trebbia. Wer die endlosen, geraden Marathonstrecken liebt, der kommt hier voll auf seine Kosten. Andere auf immense Unkosten. Als Beispiel, die pfeifengerade Zielstrecke beginnt bei Kilometer 35. Es ist aber nicht der längste Abschnitt ohne Biegung, geschweige denn Richtungsänderung. Einfach geil!
Marathon und Halber teilen sich die Strecke nach dem Massenstart. Beim zehnten Kilometer trennen sich die zwei Gruppen. Nur 450 laufen die 42. Man ist oft alleine, fünfzig oder hundert Meter vom Nächsten entfernt und kann sich den schön zurechtlegen, sich annähern und ihn dann mit einer Tempoverschärfung demütigend überholen. Oder – wie oft erlebt – so überholt zu werden. Allerdings habe ich mir für heute Ersteres vorgenommen. Wie immer – eigentlich.

Vor dem Läufer zieht sich die Fahrbahn nie enden wollend dahin, verschwindet in der Ferne in Dunst und Nebel. Man kann so richtig in sich hinein gehen. Und, wie gesagt, seinen Vordermann anpeilen. Dabei stört ein Römer, läuft neben mich und fragt, ob ich Italienisch spreche. Die Legitimation dazu erhielt er vom Punkt-CH auf meinem Trikot. Also, ich kann ihm ein wenig antworten und erfahre, dass er in der Schule Deutsch lernt. Wir üben ein wenig gemeinsam. Ich auf Italienisch; er antwortet Deutsch. Beim Verpflegungsposten verlieren wir uns. Ich verpflege nicht. Keinen Bissen, keinen Schluck. Das geht nämlich durchaus, wenn wie heute die Temperaturen moderat sind. Es hat noch einen weiteren Vorteil, was allerdings noch fieser ist, als seine Gegner mit Tempoverschärfung demütigend zu überholen. Wenn man so am Laufen ist, realisiert man ab und zu, wie sich einer von hinten heran kämpft. Ein, zwei Kilometer dauert das. Der ist froh die Lücke endlich zu gelaufen zu haben. Hängt sich ins Schlepptau. Dann kommt eine Verpflegungsstelle. Viele verlieren da Zeit, oder halten sogar an. Und wenn sie wieder im Rhythmus auf der Strecke zurück sind, da laufe ich mühelos, da vorne, mit zwanzig, dreissig Metern Vorsprung. Ganz hartnäckige laufen das Loch ein zweites Mal zu. Bald, beim Verpflegungsposten, wieder dasselbe Spiel.

Zugegebenermassen hat’s lange gedauert, einzusehen, dass ich durchaus ohne Zwischenmahlzeit Marathon laufen kann. Und zugegebenermassen kann nicht jeder Körper ohne Zwischenverpflegung auf die Dauer funktionieren. Aber einige können das sehr wohl. Nur steht das nie in den bescheuerten Läufermagazinen. Gemäss den bescheuerten Läufermagazinen muss jeder ständig isotonisches Elektrolytgesöff saufen. Dazu an synthetischen, im Farbton Hundekacke gehaltenen Power-Riegel nagen. Jahrelang glaubte ich, trotz Dünnpfiff und Magenkrämpfe, diesen Unsinn.

Die bescheuerten Läufermagazine stecken unter einer Decke mit der bescheuerten Running-Zubehörsindustrie. Letztere belegen ihre Existenzberechtigung mit vielen Studien, Forschungs- und Testergebnissen und die Ersteren drucken den ganzen Mist ab. Zum Beispiel vom bescheuerten Lauf-Computer ist in jeder zweiten Ausgabe ein Test unter Extrembedingungen dokumentiert.

Die Marketingstrategen haben es soweit gebracht, dass jeder Hobbyläufer meint, nur noch mit Sensoren auf dem Körper verteilt, Langstrecke laufen zu können. Je teurer das Teil, je besser. Je langsamer der Läufer, je teurer das Teil – noch besserer. Dabei unterstützt natürlich eine auffällige Farbgebung.

Sogar Walker gehen heutzutage mit GPS-Empfänger in den Wald. Um per Infrarot-Übertragung die nichtvorhandene Trainingsleistung später am PC graphisch zu verewigen, oder wie? Nein! Im Gegensatz zum gemeinen Langstreckenläufer macht beim Walker ein GPS-Gerät durchaus Sinn. Nur so kann er wieder aus dem Wald heraus finden, ein Walking-Anfänger notabene! Denn der fortgeschrittene Walker bleibt ratlos im Gehölz verschollen, kann jetzt aber durch GPS von den Suchtrupps via Satellit gepeilt werden.

Als unser Trainingsgelände noch eine Elektronik-frei Zone war, war nach der Trainingseinheit Schluss. Man konnte direkt zum wohlverdienten Bier gehen. Heute? Heute wird zuerst ‚mal diskutiert, wie weit man gelaufen ist. Obwohl jeder seinen dämlichen Distanzmesser besitzt, weiss nachher keiner wie weit es war.
Hier meine Beobachtung: Wenn ich mit acht Sensorträgern laufen gehe, haben wir im Nachhinein folgende Situation. Dem Einen seinem Teil ist die Batterie ausgestiegen (kann passieren). Der Zweite hat ein defektes Display (tatsächlich so erlebt!!!). Das hat er zwar schon zu Hause bemerkt, aber das Ding trotzdem mitgenommen. A) Möchte er vielleicht ganz sicher sein, dass es kaputt ist, und B) fällt es ja von weitem niemandem auf, dass es nicht funktioniert. Das ist die Hauptsache: Es bemerkt gar keiner, sieht aber immer noch cool aus! Der Dritte vergass „Start“ zu drücken (kann passieren). Der Vierte hat sein Teil neu; weiss noch gar nicht wie’s funktioniert. Er kann’s noch gar nicht bedienen (kennen wir alle), aber dem sein Drecksapparat piepst alle zehn Sekunden, weil irgend ein Schwellwert ständig über- oder unterschritten wird. Der Fünfte ist weitsichtig und kann seine Anzeige (ohne Witz: Habe ich tatsächlich so erlebt!!!) gar nicht entziffern. Bleiben drei die eine Messung vorweisen können. Allerdings völlig unterschiedliche. Die Schwierigkeit dabei ist, dass jeder darauf pocht, dass seine, die korrekte Messung sei. Das wird nun erfolg- und ergebnislos ausdiskutiert.

In der Laufszene wird vermarktet und promotet was das Zeug hält. Millionenumsätze erzielt. Laufen ist längst zum Multimillionengeschäft verkommen. Jeder meint das neuste Teil am Handgelenk, Fuss oder Arsch haben zu müssen. – Da nehm‘ ich mich nicht aus, lest weiter! – Und seit Joschka Fischer einmal Marathon ausprobiert hat, entwickelte sich unser heilige, dieser legendäre Sport, die Königsdisziplin des Hochleistungswettkampfes, zur Profilierungs-Plattform von inkompetenten Managern der unteren Inkompetenzstufen. Was bestens zusammen passt. Die können so, weil sie vom Laufen keine Ahnung haben, auf technische Themen ausweichen und sich beim Kollegen mit dem neusten, teuersten, mit noch mehr unnötigen Funktionen bestückten High-Teck-Mode-Handgelenk-Accessoire, inklusive Datentransfer-Möglichkeit aufs Smart-Phone, etablieren.

Also! Wenn man jetzt beim Marathon einen trifft, der sich nicht verpflegt, heisst das nicht unbedingt, dass der die einschlägige Literatur zum Thema nicht kennt. Er könnte sie sehr wohl kennen, aber anstatt die Inhalte der Hochglanzseiten um jeden Preis umsetzen zu wollen, setzt er nur das um, was ihm sein Körper sagt. Er weiss wie er den Körper zum taktischen Vorteil einsetzen kann. Jedenfalls konnte ich das in Piacenza einige Male zelebrieren, wie sich die Konkurrenz beim Verpflegungsposten abhängen liess.

Gerade bei Rennhälfte, ist eine der raren Richtungsänderung, auch eine der seltenen Attraktionen der Strecke. Meist läuft man an Äckern vorbei, ab und zu durch ein Dorf. In Grazzano Visconti läuft man durch den Parco del Castello und am Schloss vorbei. Drum herum allerlei Pavillons, Gehöft und Unterkünfte.

Bis zum Halbmarathon in tatkräftiger Frische unterwegs, darf trotzdem dem Hochmut niemals Platz gelassen werden. Es gilt die Regel Nummer Eins: Wenn du dich beim Marathon gut fühlst, brauchst du dich nicht zu wundern, das wird sich noch ändern!
Regel Zwo: Wenn’s dir beim Marathon lausig geht, so lausig, du denkst, lausiger geht’s nimmer… Wart’s ab: Es wird noch viel verreckter!

Die Temperatur ist perfekt. Beim Kilometer 25 ist die letzte grosse Richtungsänderung. Zurück nach Piacenza. Nach Hause. Und bei mir läuft’s prächtig. Die Devise: Einer nach dem anderen überholen.
Verpflegungsposten um Verpflegungsposten ignorierend, dem Dunststreifen am Horizont entgegen. Leichter Regen setzt ein. Man wird nicht nass; es kühlt angenehm.
Ein Rentner hält uns seinen Ghetto-Blaster entgegen. Bruce Springsteen krächzt: „These are better days baby. Yeah there’s better days shining through!“
Das Motto passt. Better days – für mich. Denn jetzt ist fertig mit lustig.
Better days shining through, aber nicht für die wo vor mir laufen. Tempoverschärfung. Endbeschleunigung heisst das im Training. Das klappt schon ‚mal beim Marathon. Aber eher selten. Diese Fähigkeit zum Angriff bei Kilometer 38, wenn’s ganz gut läuft sogar schon bei 35. Aber meist geht dieser Übereifer in die Hose. Man bricht später jämmerlich ein. Und heute? Ich bin noch nicht ‚mal auf dem letzten Streckenviertel. Scheissegal.
„Better days with a girl like you!“ Was heisst hier Girl? Ich habe meine Turbo-Finken mit.
Ich zweifle. Noch 11 Kilometer. Wenn ich den Hammermann treffe? Oder des Mannes Hammer trifft mich?
„These are better days it’s true… These are better days!“ Jetzt nervt’s langsam. Ich hab verstanden.

Locker laufen ist nicht mehr. Kämpfen ist angesagt. Das fällt relativ einfach, wenn man im besseren Zustand ist, als die vorne dran. Wie’s denen hinten geht, weiss ich nicht. Keiner kann dran bleiben.
Noch sechs Kilometer. Ich denke: „Ökonomisch laufen. Saubere Haltung und saubere Armarbeit. Denkt an die Armarbeit, das spart Kraft. Das macht euch schneller!“ Parallelität und Läuferdreieck, das sind seine Schlagwörter. Ich hab‘ aufgepasst, im Training.

Konzentration! Korrekte Ausführung! Parallelität und Läuferdreieck! Ich achte darauf.

„Che belle scarpe!“, werde ich aus meiner Konzentration geholt. Meine neuen Rennschuhe sind gemeint. Um noch etwas zum Thema der bescheuerten Laufsportausrüster- und Vermarktungsindustrie los zu werden, respektive wie bescheuert bescheuert beim bescheuerten Läufer werden kann! Hier der Beitrag über meine bescheuerten orangen Finken.

Ich hab vom ultimativen Race-Shoe gelesen. Im Magazin für bescheuerte Läufer – notabene. Der Nike Mayfly. Orange weil – wie gesagt – grelle Farbgebung gleich auffallen. Jetzt kommt’s: Wiegt 135 Gramm! Selbstverständlich habe ich das nicht geglaubt und nachgewogen: Es stimmt. Das sind 100 Gramm weniger, als der leichteste der herkömmlichen Wettkampfschuhe. Dämpfung so gut wie, und Stützfunktion überhaupt keine. Das Obermaterial besteht aus einer hauchdünnen, zerreisfesten Folie deren Daseinsberechtigung einzig und alleine ist, als Alibi zu dienen, damit man einen Schuhbändel einfädeln kann.
Um ohne Lauf-Computer trotzdem über die bescheuerte Laufsportvermarktungsindustrie mitreden zu können, wich ich ins Schuhdepartement aus. Weil, es gehört zur seriösen Berichterstattung, sie auf eine seriöse Recherche aufzubauen. Gestehe, ich begab mich also als Leser der Läuferzeitschrift auf tiefstes Niveau. Obwohl! Gewisse Leute behaupten, da kann ich gar nicht hin, weil ich schon immer da war.

Übrigens ist es so, dass man den Schuh bei uns im Fachhandel gar nicht kriegt. Nirgends in der Schweiz kann man den kaufen. Wieso, grüble ich? Das Teil kostet nur 30 oder 40 Dollar, weil da ist halt nicht viel dran.
Der Fachhandel und dessen Zwischenhändler können bei so einem Preis gar keine nennenswerte Marge reinpacken, mutmasse ich. Darum verleidet es denen doch so etwas von schnell, diesen Schuh an zahlungswillige Läufer abzugeben.
Der zahlungswillige Läufer trägt doch ein 700 Franken teures Teil am Handgelenk, um zu messen, aber danach nicht sicher zu sein, wie weit er eigentlich gelaufen ist. Dem zahlungswilligen Läufer muss man einen High-Tech-Stiefel für 300 Franken verkaufen. Da liegt eine Verkaufsmarge drin, die dem kompletten Kaufpreis von mehreren Nike Mayfly entspricht. Der zahlungswillige Läufer zahlt das. Kompetenzlos managende Bonus-Empfänger eh.

Noch was, sagen wir beim Marathon, bei 40’000 Schritten jedes Mal 100 Gramm weniger hochgehoben, ergibt die beträchtliche kumulierte Summe von 4 beträchtlichen Tonnen.
Eindrücklicher Fakt und trotzdem bescheuert. Wieso soll ich eigentlich 100 Gramm pro Schritt einsparen? Wenn ich doch locker 80 kumulierte Tonnen (2000 Gramm pro Schritt) an Fettreserven bestehend aus ehemaligen Salami, Pizza, Anti- und überhaupt Pasta als Körperfett befördere.

Nichtsdestotrotz, bei mir schien sich der Einsatz dieser Renn-Sohle finanziell und wettkampfmässig zu rechnen. Bis jetzt wenigstens. Noch vier Kilometer, doch ich bin langsam fertig.
Am Stadtrand von Piacenza ist der Regen noch nicht wirklich stark, aber stark genug um die Zuschauer vom Streckenrand fern zu halten. Verständlicherweise, aber Schade.
Ein überholter Läufer kommentiert: „Bravo!“ Das freut. Ich denke, ich könnte das auch tun und die Mitstreiter motivieren. Der Nächste mochte nicht mehr so richtig und ich kommandiere beim Überholen: „Dai! Dai!“
Prompt kriegte ich seine Quittung, deren Zusammenhänge ich nicht versteh‘. Allerdings machte der geseufzte Satzfetzen „… cazzo!“ nachdenklich (cazzo: italienisch, derber Vulgärausdruck, sinn- und sachverwandt mit einem Protagonisten der Urologie). Ob der jetzt mich meinte, oder seine beschissene Situation bleibt unklar, überzeugt mich aber nachhaltig, doch besser wieder die Fresse zu halten.

Naja, und meine Konzentration hatte auch langsam Mühe mit sich selber, dem Konzentrieren. Sie hatte einfach keine Lust mehr dazu! Die letzten zwei Kilometer: Mitten ins Herzen der Stadt, zum Ziel auf der Piazza Cavalli. Da angekommen bestätigt sich das gute Gefühl beim Laufen. Hab‘ die zweite Rennhälfte ein wenig schneller durchhechtet als die Erste. Nicht schlecht, nur – ich war noch nicht fertig. Ich lief zurück, Graziella entgegen. Mit ihr wollte ich nochmals den letzten Kilometer zum Ziel absprinten, um ein gemeinsames Finisher-Foto zu kriegen.

Wie nett und romantisch findet das die gerührte Leserin: „Der läuft den letzten Kilometer dreimal nur wegen einem gemeinsamen Bild mit der Verlobten fürs Familienalbum. Sowas täte Meiner meinetwegen niemals!“
Stimmt! Die sehr verehrten Damen haben wieder völlig Recht – sowas täte Eurer nicht!
Völlig klar, hat auch Graziella gedacht, wie nett von mir und Eurer täte das nie!
Aber wenn sie morgen diese Schrift liest, wird ihre Meinung über mich wieder eine ganz andere sein, wenn auch die Richtige. Denn…! Meine Aktion hatte nichts mit Romantik zu tun. Weil Graziella und ich, wir liefen mit der gleichen Startnummer. Diesen Zufall wollte ich auf Film festgehalten haben – ganz einfach.

21 plus 21 = 42.

21 plus 21 = 42.

42 – diese mystische und heiligste Zahl unserer Religion.

Und unser Heiland ist Haile Gebrselassie. – Der hailige Haile!
Inhaber der 3 schnellsten je gelaufenen Marathonzeiten.

Und das sind seine Jünger:
Der Erste, Hailes Petrus heisst Paulus – Paul Tergat, der ewige Rivale von Haile.
Es folgt Abebe Bikila, unsterblich weil er 1960 sein erstes Olympia-Gold in Weltrekordzeit (2h 15′ 16“)und barfuss gewann. Der Begründer des Barfüsser-Ordens!
Emil Zápotek, genannt die tschechische Lokomotive. Seinen Übernamen verdankte er seinem himmeltraurigen Laufstil. Es sah aus, wie wenn er sein eigenes Kreuz tragen würde.
Noch nie gab’s einen schnelleren deutschsprachigen Missionar auf der ganzen Welt als St. Viktor von Röthlin.
Jonathan Wyatt aus Neuseeland. Unser Würdenträger zuständig für Bergwunder. Im Ziel gibt’s die Bergpredigt gratis. Der beste Mann der jemals im Gebirge lief.
Don Camillos Brüder: Don Gelindo Bordin und Don Stefano Baldini, die italienischen Langstrecken-Kardinäle.
Wer den London Marathon gewinnen will, braucht mehr Gottvertrauen als der heilige Martin Lel. Das kam die letzten 4 Jahre nur einmal vor (Lel Sieger 2005, 2007 und 2008).
Alberto Salazar, der erste Marathon-Superstar. Keiner ging so an seine Grenzen. Nach einem Hitzerennen brach er einmal zusammen und kriegte die Sterbesakramente. Jahre später gewann er in Boston. Das nennt man Auferstehung. Seine amerikanischen Landsleute Frank Shorter (Olympia-Gold und Silber) und Bill Rodgers (vierfacher NYCM-Seriensieger), beherrschen die 1970er auf sakramentale Weise. Alle drei zusammen sind unsere Drei Heiligen Könige. Auch sie trugen Gold, aber anstatt Myrrhe und Weihrauch, gab’s Massageöl und Finisher-Bier am Ziel ihrer Reise. Und sie folgten auch keinem Stern, sondern eine Polizei-Eskorte war’s, die wies ihnen den Weg.

Fehlt noch Maria Magdalene. Keine Frage: Paula Radcliffe natürlich!

Und der Judas? Der, der von allem weiss. Vor allem alles immer besser weiss. Und den ganzen Mist auch noch aufschreibt. Alles verrät. – Ich also.
Somit zurück zur Heiligen Schrift des Langstrecklers. Zum Evangelium nach Apostel Dätti. Der Judas-Brief.
Wir lesen im Kapitel „Die Offenbarung vom Piacenza-Marathon“.

Und so sprach er denn…

Mit oder ohne Romantik-Foto, mit oder ohne Lauf-Computer, mit oder ohne Turbo-Sandalen, der Piacenza Marathon ist nicht sehr attraktiv. Aber auch nicht unattraktiv. Die Strecke gehört zu den schnellsten der Zunft. Sperrung von zwei Zufahrtsstrassen von Piacenza für gut 400 Läufer versteht sich von selbst. Wir sind in Italien, der grossen Marathon-Nation. Und die Italiener sind so oder so ein ganz angenehmes Läufervolk. So gesehen ist dieser Anlass empfehlenswert und wenn man ihn mit Agriturismo und der einten oder anderen Besichtigung im Rahmenprogramm ergänzt, sogar unvergesslich, weil…

… better days shining through – in den Colli Piacentini und dem Valle Trebbia – in Ewigkeit und Amen!

Valle Trebbia

Nachwort: Dass der Besitz und Einsatz von Lauf-Computern durchaus spannende Aspekte zu Tage fördern kann, musste ich nach dem Lesen eines Protokolls eines Laufkollegen ehrfürchtig zur Kenntnis nehmen; es neidlos zugestehen. Darum habe ich um die Bewilligung gebeten, seinen Beitrag meinem anhängen zu dürfen.

Im Anhang also diese verdankenswerten Beobachtungen, die auf akribischen GPS-Messungen basierenden und analytisch bewerteten Aufzeichnungen des mörderischen Basler Dreitagesdauerlaufes … powered by Rolf Mägli (Laufsportverein Basel – und andere Cliquen)

Zum Bericht von Rolf Mägli

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