Niesenlauf 2011

Stairway to Heaven

von Bruno Thoma / Juni 2011

Wer das Berner Oberland etwas kennt erinnert sich sicher an diese eindrückliche Pyramide welche am Thunersee in den Himmel ragt. Für jeden offensichtlich muss die Aussicht von dort oben super sein. Ein Restaurant stand schon seit 1856 auf dem Gipfel, nur mit den Besuchern haperte es etwas.

Deshalb wurde schlussendlich 1910 eine Bahn auf den Berg hinauf gebaut, auf das in Zukunft niemand mehr rauflatschen müsse. Falls bei der Bahn einmal etwas klemmt gibt es neben dem Geleis eine Treppe, schmal, sausteil ( bis 68% ) und mit 11674 Stufen anscheinend die längste Treppe der Welt. Diese Treppe ist für das Publikum gesperrt, ausser 2,5h im Jahr, beim Niesenlauf.

Dieses Jahr habe ich mir einen der 222 Startplätze für diesen Kultlauf gesichert. Leider findet der Start um 07:30 statt, und wenn man oben nicht erfrieren will muss man bis 06:40 seine Kleider für’s Ziel abgeben. Dies bedingt ein sehr frühes aufstehen, der Thunersee liegt nun ja auch nicht gerade vor der Haustüre. Gestartet wird in Dreiergruppen alle 30s, die schnellsten zuerst, denn überholen ist nicht einfach.

Mal abgesehen davon dass 1669 Höhenmeter recht viel sind bedeutet dies auch dass es oben locker 10°C kälter sein kann. Wenn es also unten am Start schön kühl ist kann man oben schon fast mit den Fingern am Geländer kleben bleiben. In früheren Jahren solle es unterwegs auch schon geschneit haben. Deshalb sollte man beim Lauf 3 Dinge dabeihaben: Handschuhe, eine Windjacke und keine Höhenangst. Die Treppe ist schmal und teilweise schön luftig, und ein umkippen rückwärts bei einem missglückten Überholmanöver wird mit 2000 Purzelbäumen bestraft.

Lauf

Eine Überschlagsrechnung ergab dass die Sieger in den letzten Jahren jeweils etwa 3 Stufen pro Sekunde geschafft haben. Dies gibt einen guten Anhaltspunkt dafür wann man zu schnell unterwegs ist. So bin ich kurz nach 8 gestartet und habe versucht die Sache ruhig anzugehen. Zurückhaltung war allerdings nur in den ersten Minuten angezeigt, nachher stellt man das Tempo einfach so ein dass die Zunge nur gerade so weit runterhängt dass man sich nicht selbst draufsteht.

Schon bald waren die ersten Überholmanöver angesagt, da das mit den schnellsten zuerst leider nur Theorie war. Abgesehen davon dass zuerst alle Frauen starten durften waren auch sonst Leute vor mir die eine Halbmarathonzeit von etwa 3h haben dürften. Mit der Zeit hatte ich die Technik immerhin so raus dass ich neben der Treppe überholen konnte, man muss sich dazu einfach mit einer Hand am Geleise festhalten.

Nach einem recht flachen Start wurde es sehr bald steil und blieb so für etwa 1000 Höhenmeter bis nach der Mittelstation. Es gab eine offizielle Verpflegung in der Mittelstation sowie unterwegs noch an 2 Orten etwas Wasser. Heiss war es eigentlich nicht, aber die Sonne brannte in den Hang und ich war froh über die Tunnels. Nach 48min hatte ich meine ersten 1000 Höhenmeter beisammen, und nach einem kurzen flacheren Stück ging es in das letzte Steilstück. Nach einem weiteren Tunnel sah man dann endlich den ersehnten Gipfel. Zuvor musste aber noch ein Steilstück mit etwas gar klein geratenen Stufen und der Tunnel der Bergstation passiert werden. Von dort lief man auf dem Wanderweg via einige Spitzkehren zum Ziel auf dem Gipfel des Niesen 2362müM. Nach einem kurzen Verschnaufen habe ich dort noch mit Mathias ( auch vom LSVB ) etwas die Aussicht genossen. Ich bin mit meinen 1h21 sehr zufrieden und frage mich wie das der Sieger in 55 Minuten geschafft hat. Dies fragen sich aber vermutlich noch andere, die bisherige Rekordzeit war 1h02, der Sieger ist allerdings ein ehemaliger Nationalmannschafts-Skialpinist und auch als „Gazelle Valaisanne“ bekannt. Runter zum Ziel ging‘s übrigens mit der Bahn, und hier hatte man dann Zeit die Aussicht zu geniessen. Im Aufstieg sieht man ausser Stufen, Schuhen und Hinterteilen ( starten deshalb die Frauen zuerst? ) nämlich nicht viel.

Fazit

Der Lauf ist ein grossartiges Erlebnis, denn wer kann sich schon vorher vorstellen 11674 Treppenstufen am Stück raufzusteigen. Zudem ist das Ziel nicht irgendein Platz in einer verkehrsgeplagten Stadt sondern ein Berggipfel. Die Aussicht von da oben und die anschliessende Abfahrt mit der Bahn belohnen für den Krampf im Aufstieg.

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