Münchweier 2018: so war’s!

Beim Beladen des Autos fast das Kreuz gebrochen, weil ich hievte Ruppis Tasche auf die Rückbank. Spinnt der, wir fahren ins Hotel und er nimmt seinen ganzen Hausrat mit? Nein nur mehrere Sportschuhe eingepackt, will er mir weiss machen. Grübel, grübel und studier‘: Der will mit Skistiefeln laufen, sag‘ ich mir.

Ich Langstecke laufen dividiert durch, Klammer auf (Ruppi multipliziert mit Skistiefel) Klammer zu. Eine entspannte Übung wird das zwar immer noch nicht, aber immerhin kann ich mich mal auf Augenhöhe mit ihm bewegen.

Die erste Trainingseinheit am Donnerstagmorgen wohlweisslich ausgelassen, der Plan ist nachmittags anzugreifen, wenn die anderen zur zweiten Trainingsrunde mit müden Beinen antreten müssen. In Ruppis Fall versagt diese Tatsache an der Tatsache, dass der tatsächlich bei mir mitfährt und insofern auch frisch auf die Strecke gehen wird. Aber a) der läuft mit Skischuh’n und b) dachte ich eher die Abgottspöninnen in Grund und Boden zu laufen. Wenn ich das heute nicht schaffe, wann dann?

Es war ein guter Plan. Es klappte. Von vorne das Feld kontrollieren. Sie kamen näher. Kontern, eine Schippe drauf legen und schon war der komfortable Abstand zu den zwei mich verfolgenden Drillinge wieder hergestellt. Nach zwei Kilometern der erste Berg, sie kamen wieder näher, rechneten aber nicht mit meiner Gegenwehr. Nur noch von hinten gesehen und weg. Sie waren die, die weg waren, Ruppi inklusive.

Freitag. Neuer Tag, neues Glück, die Sulzer-Runde. Es regnet leicht. Mal jemanden überholt, mal von jemandem überholt worden, ansonsten alleine unterwegs. Durch das stetige Regengetröpfe rauschte es in den Wipfeln des Gebäums im Wald. Gerade die richtige Stimmung für eine Reflektion der Gespräche vom letzten Abend.

Ruppis Grossvater war bei der Kavallerie. Er lehrte dem Enkel, um sich bei der tagelangen Reiterei das Hinterteil nicht wund zu scheuern, klemmte man ein Fünfmarkstück zwischen die Glutealmuskulatur und presste so, dass es die Prägung verlor. Ich hätte zwar zwischen die Arschbacken gesagt, aber Ruppi ist Mediziner, der hat studiert und weiss es besser. (Glutealregion bei Wikipedia, ist ein nur bei Menschen und ansatzweise bei Primaten ausgeprägter Körperteil am unteren Rumpfende.)

Durchs Festklemmen der Reichsmark, spannt sich der beim einten mehr, beim anderen weniger ausgeprägte Körperteil so, dass man sich also keinen Wolf einreitet. Was mich betrifft, ein Pferd schlägt hinten aus, vorne beisst es und wenn du drauf sitzt, dann stinkt es. Insofern für mich kein Thema. Doch plötzlich wurde mir bewusst, wieso mich Mutter als Bub immer anflehte, wenn man Geld in den Händen hatte, solle man danach die Hände waschen. (Meine Mutter war übrigens nicht bei der Kavallerie.) Und wieso es im Volksmund heisst, dass Geld stinkt, wissen wir nun auch.

Zum Glück gibt es ja die Kreditkarte. Aber ich schlussfolgere umgehend, damit funktioniert der Trick mit dem ausgeprägten Glutealteil genauso. Wenn man sich beim Reiten, Fahrradfahren, Motorradfahren oder Sesselkleben den Hintern nicht wund sitzen will und keine Münze mit hat, klemmt man einfach eine Kreditkarte ein. Die hervorgerufene Muskelspannung ist besorgt, dass du gesund bleibst.

Irgendwann steht Toni da. Er ist mit Tee und Riegel für Beknackte parat, die sich Überlegungen zur Hygiene beim Zahlungsverkehr machen. Leute wie Toni sind die wahren Helden, nicht diejenigen die mit Skistiefel durch den Schwarzwald joggen oder Elaborate über Glutealien und der nicht glutenfrei Kavallerie verfassen – so sieht’s aus.

Aber die Kreditkarte hat einen immensen Vorteil. Man hat sozusagen nie eine fremde Karte in den Fingern. Man klaubt sie aus der Glutealmuskulatur, zahlt und steckt sie wieder zurück.

Man kann auf E-Banking ausweichen. Aber auch da kam schon Virenbefall vor. Und zahl‘ mal Bier per E-Banking. Geht nicht. Geht gar nicht, gerade der Barzahlungsvorgang im Wirtshaus ist überlebensnotwendig für die Gaststätten. Nur darum – nicht des Bieres wegen – gehen wir Männer da hin. Liebe Leserinnen, wenn’s ums Zahlen geht, legen eure Männer das Geld auf den Tisch, aber so, dass sich das vollbusige Servicepersonal weit und tief über den Tisch nach der Kohle bücken muss. Mit oder ohne Dekolleté, eure Männer sehen jetzt so viel die wollen. Tiefe Einblicke, ihr versteht. Im Ernst, ich berichte nur vom Hörensagen – aus zweiter Hand, aber so ist es.

Endlich kann ich mich von diesen Überlegungen ablenken. V2 (Verpflegungsposten 2), Toni kommt wieder in Sicht. Meistens laufe ich ohne Verpflegung, aber weil er sich extra für uns stundenlang in die Botanik stellt, trinke ich aus Respekt gegenüber Toni Tonis Tee. Danach geht’s den Berg hoch. Waldarbeiter arbeiten im Wald, weil sie Waldarbeiter sind. Motorsägen motorsägen, weil sie Motorsägen sind. Ein Baumstamm haut’s zu Boden. Der Baum bleibt tod liegen und die Erde bebt – aber wie!

Samstag ist traditionell Marathontag. Nach Rust und dann ab um den Auwald. Mein Plan wie immer durch den Auwald, kürzer aber schöner. Wegen des Hochwassers im, am und um den Rhein sind die Auen überflutet. Man kann da nicht durch und nicht drum herum, also gab es schlussendlich nur 34 Kilometer.

Abends im Gasthaus Sonne in Münchweier, die Bedienung stellt die Voraussetzung für tiefe Einblicke durch den Barzahlungsvorgang so her, indem sie fortlaufend deine Zeche auf deinem Bierdeckel notiert. Das ist eine lobenswerte Vorgehensweise, denn wie soll ich nach dem 13 Pils wissen, waren es 12 oder 15 oder eins von den beiden dazwischen. Die sich vorzüglich um uns kümmernde Frau forderte Pia auf, ihr den Deckel zwecks Buchhaltung zu reichen, worauf Pia mit der Aussicht auf tiefen Einblick aufs Dekolleté (sie kennt den Trick anscheinend von Beat) sichtlich konsterniert reagierte und hastig begann, den Drehverschluss ihrer Wasserflasche aufzuschrauben, um der Aufforderung Genüge zu tun. Den Bierdeckel reichen, wiederholte die Dame sichtlich genervt.

Ins Wintertrainingslager kommst du wegen der Geselligkeit. Laufen ist das Alibi. Drum gibt es hier auch mehr über Dinge nebst dem Laufen zu berichten. Essen, gute Hausmannskopf, das hilft dir auf der Wildsaurunde. Samstagabend gibt es traditionell Wurstsalat mit rohen Zwiebeln. Dabei ist gut furzen und schmecken tut’s auch. Aber letztes Jahr überlegten sich gewisse Damen eine Sakrileg: den Wurstsalat abschaffen. Sie hatten Angst, sie würden dick dabei. Erst am Nachmittag im Café Dees eine Schneise der Verwüstung quer durchs Tortenbuffet fressen – und abends ist der Wurstsalat schuld? Nicht mit mir.

Irgend wann gab Pia eine Joga-Stunde im Gemeindesaal. Die habe ich leider verpasst. Ich wollte da unbedingt hin. Die Übungen interessieren mich zwar in keinster Weise, hätte aber gerne meine Analyse davon gelesen. Joga ohne Bierdeckel aber mit Pia. Pia-Beat-1 war im Trainingslager, er wäre vielleicht auch ins Joga. Pia-Beat-2 nicht, er war nicht da.

Praktisch von Pia, sie nummeriert die Männer durch. Da meint die eine (Name der Redaktion bekannt), sie hätte zwar auch schon bei Männern das halbe Alphabet durch, aber durchzunummerieren brauchte sie bis dato noch nie. Das halbe Alphabet nahmen wir anerkennend zur Kenntnis. Respekt! Ob sie bei Parship so erfolgreich wäre, wollte Lut wissen. Sie erwiderte, nein, das tauge nix. Das Parship nix taugt, hätte ich Lut aus eigenen Erfahrungen auch mitteilen können. Graziella bot mich auch schon bei Parship feil, ist mich aber bis heute nicht los geworden. Aber hallo! An mir wird’s wohl kaum liegen. Wenn einer wie ich im Angebot ist und doch nicht über den Ladentisch geht, dann kann nur das Verkaufsportal unbrauchbar sein.

So war das. Je später der Abend, desto gehobener die Stimmung, aber das Niveau am Sinken. Diverse Verkupplungsversuche scheiterten. Darin waren wir früher beim LSVB besser. Liegt’s an den Ansprüchen der zeitgemässen Frau, oder dass ich als im Verein Zuständiger für die Mitgliederverwaltung, dieselbige zu wenig innovativ bewirtschaftete? Ich weiss es nicht.

Beim Heimfahren testete ich den Beifahrer. Eindeutig bestanden. Er grinste von einem Ohr zum anderen Läppchen und kriegte sich fast nicht mehr ein. Mal abgesehen vom Abschnitt mit 120er-Beschränkung von Freiburg bis Bad Bellingen, da verging ihm das Lachen. Mein Namensvetter, ein Anwalt und Ex-LSVB-Präsident testete seine Beifahrerin auch. Sie stammt aus Belgien und ist womöglich in der hiesigen Geographie nicht so sattelfest, drum entschied er sich für einen ganz simplen Test. Lut bestand mit Bravour, als sie die Unvollständigkeit der Beschilderung auf der Autobahn wie folgt kommentierte: „Da steht Karlsruhe, Frankfurt, Köln. Nur Basel ist nicht dabei!“

Verbleibe in der Hoffnung auf ein erfolgreicheres Trainingslager 2019, im Sinne von:

  1. Liebe kann nicht Sünde sein… (Wär‘ ja gelacht, sie (Name der Redaktion bekannt) kriegt die zweite Hälfte des Alphabetes mit Männernamen nicht doch zusammen.)
  2. Basel stand schon angeschrieben… (Man hätt’s eigentlich im linken Rückspiegel auf den Tafeln der Gegenfahrbahn sehen müssen.)

Bis bald – euer LSVB-Vorstand, Abteilung Partnervermittlung und Orientierungshilfe

3 Comments

  1. Heisst das eigentlich, je grösser der Gluteal-Dingsbums desto mehr Geld steckt drin?

  2. Echt lustig dieser Bericht, das hätte ich dem Detty gar nicht zugetraut…

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