Marathonreise Lissabon

Der kurz und bündige Reisebericht beginnt beim Zimmerbezug. Romina hat gleich mal eine Kammer abgewandt von irgend welchen Baustellen gefordert. Der Rezeptionist erklärte ihr höfflich, vis-à-vis, schräg gegenüber und nebendran sei je mindesten eine Baustelle, insofern ihr Anliegen chancenlos. Im Ernst, das war so, aber die begannen morgens um 8 relativ sanft mit baggern, drum war das wirklich nicht ein Drama. Gut sonntags arbeitete keiner, aber da mussten wir eh um 6 hoch und der arbeitsfreie Tag brachte uns nichts. Trotzdem, das Hotel Portuense liegt zentral, ruhig und im Preisleistungsverhältnis unerreicht, Mitten in der Fussgängerzone. Ich würde da sofort wieder hin.

Wegen des Marathons würde ich da nicht unbedingt nochmal hin wollen. Der Lauf an sich war toll, das Streckenprofil auf Papier sah übler aus, als es in echt war. Nur eine wirklich steile Steilheit zirka 300 Meter lang, ansonsten problemlos. Das Wetter lieferte die 30 Grad wie vorausgesagt ab. Wir wussten das und waren dementsprechend darauf eingestellt. Zudem hatten man bis weit über die Hälfte des Laufs einen leichten Wind. Es war wirklich aushaltbar, nur die letzte halbe Stunde schenkte uns etwas negativ mit Sonne ein. Entlang der Küste, an Forts vorbei und durch kleine Städtchen immer mit Blick aufs Meer und die Surfer. Sehenswert und abwechslungsreich.

Das Manko vom Event lag beim Organisator. Freitag um 10 öffnete die Marathonmesse und wir waren pünktlich da. Wenig Leute, doch obwohl fast alleine haste da schon 10 Minuten warten müssen, wenn nur einer oder zwei vor dir waren. Vorausgesetzt deine Anmeldung hat es irgend wie auf die Startliste geschafft, sonst musstest du zum Helpdesk und da war die Schlange bereits beträchtlich. Christoph ging Samstagnachmittag seine Startberechtigung abholen, der stand dann da gut eine Stunde an… bis er es zum Eingang der Halle schaffte. Und wie’s drinnen war wollten wir erst gar nicht wissen.

Die Halbmarathonstartenden wurden zwei Stunden vor Beginn mit Bussen auf die Brücke bei der Startlinie abgeliefert. Da war das Warten schon etwas mühsamer, eh schon verdammt früh dran und dann keine Bar oder Restaurants, wo du rein kannst und gemütlich noch ein Getränk konsumieren. Zum Schluss: Die Rangliste gemäss Bruttozeit sortiert, anstatt und obwohl vorhanden gemäss der Nettozeit – das begriff auch keiner.

Episches hat sich am Freitag zugetragen. Vormittags ab in die Stadt gleich mal zum Apéro, zum zweiten und zum dritten. Dazwischen die regulären Malzeiten mit Weinen (nicht Tränen vergiessen). Digestive nicht zu knapp. Es folgten Tests heimischer Biere. Auf einmal Mal waren zwei Begleiterinnen von ihren zu begleitenden not amused. Sie sprachen gelb-rote Karten aus und stellten sie vom Platz. Will heissen: Der Befehl – notabene vor allen Gästen des Wirtshauses – an die beiden Männer lautete: „Sofort raus!“ Mit stickter Weisung das Hotelzimmer aufzusuchen. Die beiden Namensvetter gingen gehorchsam, nichts ahnend der vier kontrollierend hinter ihnen her lugenden Augen, brav und so gerade wie möglich zum Hotel. Jetzt begaben sich die Angetrauten zufrieden und beruhigt zurück ins Lokal.

Unterdessen: Die beiden Marathonläufer verfehlten ihr Ziel nur knapp. Gingen nicht ganz uneigennützig am Hoteleingang vorbei, die erst links rein und gleich in die nächste Kneipe. Nach einer Weile sind zufälligerweise weitere unserer Reisegruppe an besagter Kneipe angelangt, aufs Wiedersehen mussten man anstossen. Später kamen weitere LSVBler, auch das wurde gefeiert. Schliesslich waren alle zusammen, bis auf die zwei Damen, welche sich in ihren unvermutet leeren Hotelzimmern wieder fanden. Wenn auch mit der Einsicht, dass das Joch der Emanzipation am Nacken ihrer beiden Recken erbärmlich zerborsten war. Der Mythos, dass Frauen zuhause die Hosen an haben war – einmal mehr – entmystifiziert.

Beim Frühstück wurde alles nochmals chronologisch reflektiert, aufgearbeitet und von den beiden Damen nicht wirklich wohlwollend bewertet. Was die Namensvetter sehr beeindruckte. Denn erst jetzt konnten sie nämlich zurecht stolz auf sich und ihre Leistung sein, weil ihnen zuvor jede Erinnerung an die Ereignisse des Abends zuvor fehlte. Und sie lachten Tränen über jede weitere Episoden die frau ihnen vorhielt, ganz nach dem Motto: Wenn du dich an ein Fest erinnern kannst, dann hast du es nicht erlebt!

To be continued… Demnächst in diesem Theater… Am 6. Mai 2018 geht der LSVB wieder auf Marathonreise.

Hier geht’s zum Fotoalbum.

3 Comments

  1. Das ist die ideale Marathonvorbereitung am Tag vorher. Stundenlanges Beine in den Bauch stehen….

    • Das mit Rangierung gemäss Brutto Zeiten habe ich auch in Frankreich erlebt vor kurzem bei einem Wettkamp mit 8’000 Läuferinnen am Start (les Mulhousiennes). Die Fédération Francaise d’athlétisme hat mir geschrieben, dass sei einfach so (ich hab mich mit denen gestritten weil ich sagte, am Marathon de Paris sei das auch nicht einfach so). Ich wurde 15. statt 13. weil sie nach Brutto Zeit klassiert haben. Ich begreife das auch nicht !

  2. Startnummerausgabe: Christoph kann’s beweisen.

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