Luftibushaltestelle – Von Christian Wehrli

Longjogg, but not long enough

Das Prinzip ist klar und einfach, nachdem dieses von Nicolaus August Otto erfunden worden ist. Als Viertakter braucht es vor allem eines: Taktgefühl. Und die vier Schritte, um das Gefährt vorwärts zu bugsieren:

Ansaugen von Luft und Benzin in den Vergaser, dann das Ganze literarisch verdichten bis zumgehtnichtmehr. Jetzt kommt der zündende Funke ins Spiel, der das Gemisch zum fröhlichen Explodieren bringt. Dieser Ausstoss überträgt sich auf die Kolben und ermahnt diesen, sich jetzt gefälligst zu bewegen. Und damit das ganze Gefährt.

Beim Joggen wird die Luft angesaugt und möglichst tief in die beiden geflügelten Lungenteile gepumpt. Dann wird das ganze Gemisch atemtechnisch verdichtet und dann ausgestossen und damit alle möglichen menschlichen Glieder angestossen. Der aufmerksame Leser hat bemerkt, dass beim Joggingprozess der Teil mit der Explosion fehlt. Nun, an dieser Variante wird noch gearbeitet.

Jedenfalls sind die vier Luftibusse Palmina, Mercedes, Jean und ich am Allschwilerweiher und freuen uns… OK, ist ja gut – also wir motivieren uns für den geplanten sonntäglichen Longjogg. Der Weg soll uns entlang des Vitaparcours zum Paradieshof führen und da rauf auf den Hügel, dann runter nach Neuwiller und wieder zurück zum alschwilerigen Weiher.

Schon beim Anlaufen, vor allem beim Ansaugen des köstlichen Sauerstoffs passiert nicht so viel, wie eigentlich erhofft. Irgendwo stockt mir der Atem. Also bin ich schon mal sauer. Denn der Stoff sollte eigentlich ganz runter zu den beiden Beflügelten und da gefälligst das Blut etwas anreichern. Verflixt nochmal, das klappt heute aber gar nicht.

„So kann ich einfach nicht arbeiten!!!“ Also mache ich das Naheliegendste und lege eine Haltestelle ein… das heisst, grosse Schritte und die Atemwege freimachen. Womit auch immer. Palmina meint: „Heb d’Ärm in d’Luft und schnuuf die denn au grad no yy! Und mach grossi Schritt…“ Gute Idee, einfach nicht verwechseln. Oha, das klappt beim dritten Versuch gar nicht schlecht. Die Luft getraut sich nun in etwas tiefere Gefilde und lungert da etwas rum. Bis sie wieder ausgestossen wird, die Ärmste.

Nun, fast zehn Kilometer später kommen die vier Neubadrunners geschlossen beim Weiher ein. Denn eine ungeschriebene Regel besagt, dass wir am Sonntag als Gruppe starten und auch komplett und zusammen ans Ziel kommen. Gute Leute!

Nun studiere ich nochmals die Gebrauchsanleitung für den Ottomotor. Vielleicht habe ich da was übersehen. Aber bis zum Münchenmarathon werde ich das Prinzip dann wohl verstanden und umgesetzt haben.

Longjogg, but not long enough

Longjogg, but not long enough

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