Langlauftage PontreSkina

Hier geht’s zu den Bildern vom Trainingslager.

Mae noson y gaeaf yn rhewi ac yn oer. Buom yn byw trwy daith y flwyddyn gyntaf honno. A thrwy’r gaeaf arall mewn cynhesrwydd.

„flwyddyn“ und „cynhesrwydd“ ?

Halb so schlimm, wir können helfen: dd steht für th, f ist v (ff wäre f), wy heisst oy und c ist k. Na, geht doch. Was einem spanisch vor kommt, ist gälisch. Zugegeben, dagegen ist – optisch wie phonetisch – spanisch ziemlich unspektakulär. Inhaltlich passt es aber zum Thema. Es ist Winter. Wir beim Skilanglaufen in Pontresina.

Der Langlaufsportverein Basel (kurz LLSVB) teilt sich in vier Klassen auf. Zwei Gruppen üben mit Skating-Brettern, zwei weitere sind klassisch unterwegs. Skating ist, wenn man wenig Zeit zum Trainieren hat, ein Geknortze. Klassisch dagegen ist nicht ganz so schnell, sieht aber erhaben, edel und sexy aus. Es hat ganz einfach Stil. Aufs Aussehen bedacht ist gleich mal klar, wo ich mitlief.

Fünf Minuten Unterricht, schon bestätigt Maren, klassisch langgelaufen ist einfach nur geil. Es kommt selten bis nie vor, dass irgend jemand irgend etwas in Zusammenhang mit mir irgend wie geil und sexy findet. So auch hier und heute nicht, was ich hier auf den dünnen Latten vorführe – sexy geht irgend wie anders. Maren ist unsere Instruktorin und mit geil meinte sie, wenn Loipensport so daher kommt, wie bei ihr. Allerdings fährt nur sie einen Ski mit Fell, nicht mit Schuppen. Ob das den Unterschied macht?

Nach einer Weile stellt sich die Erkenntnis ein, dass auch klassisch ein Geknortze ist. Drückst du zu wenig ab, kommst nicht vorwärts. Drückst zuviel ab, kommst auch nicht vorwärts, denn dein Bein katapultiert sich nach hinten weg und der Ski logischerweise gleich mit dabei. Vortrieb geht anders. Drückst du gezielt und mit Kraft ab, dann geht das perfekt, aber das klappt nur bei Maren.

Am Ende des ersten Tages haben auch wir anderen den Trick langsam beisammen. Trotzdem sind alle froh mit dem Unterricht fertig zu sein, weil nicht nur die Stunde, auch wir sind fertig – fix und fertig.

Morgenstund‘ hat Gold im Mund, aber nicht wenn man abends mit Sandro und Sladjan bis Mitternacht die Barmaid beschäftigte. Rührei und Speck bringen uns wieder ins Lot und schon steht Maren im Hoteleingang parat. Dank der gestrigen Technikgrundlagen ist der Verlauf der heutigen Übungseinheit schon ein wesentlich ansehnlicheres Manöver.

Feste abdrücken, wie wenn man mit dem Schuh eine Zitrone auspressen würde, erklärt die Lehrerin. Das geht soso lala. Jetzt geht Maren ins Detail: „Denkt dabei an einen Blödmann, dem ihr der Zitrone statt, die Fresse mit dem Skibelag bearbeitet!“, und sofort kann ich es viel besser. Voller Druck auf die Fresse, nach unten. Abdrücken. Keine Energie nach hinten verpuffen lassen. Die Hüfte dreht nach vorn und folgt ein wenig dem Bein zentral über den Schuh, welcher nach vorne gleitet. Dabei denke, die Skispitze schiebe einen Tennisball vor sich in der Spur her. Anders Bein, Fresse treten – abdrücken. Fresse treten – abdrücken… Diese Sportart gefällt mir immer besser. Fresse treten – abdrücken. Ich kenne so viele Idioten, ich müsste bis Mitternacht weiter machen mit Fresse treten. Dann wären aber Sandro und Sladjan beleidigt, weil allein an der Bar, also lasse ich es mal für heute gut sein. Marens bildliche Erklärungen und psychologischen Tricks, wiesen sie als routinierte Trainerin aus.

Die Instruktorin war zufrieden, Prädikate wie „nicht schlecht“, „gut“, „schön“ oder „Wildsau“ bestätigten unsere Fortschritte. Wir hatten viel Spass. Insbesondere Wildsau, denn immer wenn ein Schussfahrt bevor stand, musste Wildsau zuerst los. Darauf bildete sich Wildsau etwas ein. Doch das war nur eine Vorsichtsmassnahme der Übungsleitung. Schliesslich waren nur die Leute auf der Loipe an Leib und Leben nicht gefährdet, die sich hinter Wildsau am Berg befanden.

Im Gepäck sind Schneeschuhe, sie dienen dem Sportler als Alibi nachmittags nicht nochmals auf die Skier zu müssen. Denn die Beine leer, die Arme schwer, der Skilanglaufskischulschüler hat das Näschen voll. Einige gingen trotzdem nochmal langläuflen, einige alpin Skifahren, einige ins Wellness, zur Pferdeschlittenfahrt oder direkt zum Tortenbäcker. Und drei mit Schneeschuhen, zogen eine Spur durchs tief verschneite Arvengehölz.

Sportliche Anstrengung, die dünne Alpenluft machen sich beim Zahlungsversuch am späteren Abend bemerkbar. Einer lässt ständig aufs Zimmer schreiben und nennt dabei statt seiner Zimmer- immer seine Parkplatznummer 15 in der hoteleigenen Einstellhalle. Es war nicht gerade ein anerkennendes Gejohle der Tischnachbarn, als der Irrtum erkannt wurde und die Zeche neu sortiert werden musste.

Einer Verwechslung mit der Zimmernummer 15 wäre durchaus etwas abzugewinnen gewesen. Weil die da wohnende ist sehr attraktiv und charmant. Einwandfrei. Der Haken: ihr Begleiter ist Kampfsportler – Karate. Beim Frühstück waren alle Teilnehmenden vollzähligen. Alle ihre Zähne waren genau so vollzählig. Das heisst, es gab keine weiteren Verwechslungen. Entweder der Kollege schlief auf seinem Zimmer oder im Auto auf Parkplatz 15.

Christoph vermeldet, er kriege den Puls beim Skilanglauf gar nie richtig hoch. Bei mir, hoher Puls = Dauerzustand. Maren glaubt es auch nicht, schaut skeptisch, kann aber Abhilfe schaffen. Sie hat ja eine Wildsau mit dabei. Wildsau soll am Berg vorlegen, Christoph soll hinter her. Wie weit, will Wildsau wissen? Bis die Zunge raus hängt. Das war eigentlich schon bald. Aber die wilde Sau lief einfach weiter. Lief und lief. Was Maren nicht wusste, Wildsau wechselte heute auch von Schuppen- auf Fellski. So verlor Christoph die Wildsau. Die Wildsau verlor die Gruppe. Da war keiner mehr. Das kam Wildsau auch spanisch vor.

„Mae noson y gaeaf yn rhewi ac yn oer. Buom yn byw trwy daith y flwyddyn gyntaf honno. A thrwy’r gaeaf arall mewn cynhesrwydd.“

Wie gesagt gälisch, präziser walisisch gälisch. Beim Lesen wird deutlich, dass walisisch gälisch wie walliser Deutsch tönt. Darum zählt man beides zur gleichen Sprachfamilie: dem Kauderwelsch.

Obiges heisst so viel wie:

„Tha an oidhche gheamhraidh reoite is fuar. Chuir sinn seachad cuairt am bliadhn‘. Is gach uile gheamhraidh anns a bhlas.“

Auch Kauderwelsch, aber schottisch gälisch. Immerhin, du ersparst dir dabei die Übung mit „flwyddyn“ und „cynhesrwydd“.

Es heisst in etwa – falls ich’s richtig zusammen kriege:

„Die Winternacht ist gefroren und kalt. Wir überstanden die Reise/den Weg durch dieses erste Jahr. Und durch jeden anderen Winter der kommt – in Wärme.“

Und genau so war dieses erste Langlauf-Weekend. Die Winternacht war gefroren und kalt. Wir überstanden das Langlauf-Weekend dieses erste Jahr bestens. Und jedes andere Langlauf-Weekend das noch kommen wird – in Wärme.

Denn die Teilnehmenden bildeten eine ausgesprochen geselligen, lustige Gruppe, waren attraktiv und charmant, sogar sexy – falls klassisch unterwegs. Die nicht von der Hand zu weisenden sportlichen Fortschritte sprechen für sich. Auf eine Wiederholung dieses Anlasses zu verzichten, käme einer Straftat gleich.

In diesem Sinne entziehen wir uns der Strafverfolgung mit dem Slogan:

LSVB Ski-, Aprés-Ski- und PontreSkinaheil 2020!

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Einen habe ich noch: Ganz zum Schluss traf Wildsau Christoph wieder und beide trafen auf eine unserer Skating-Gruppen. Deren Instruktor Felix ward übermütig; er kommandierte siegessicher seinen Schülern die beiden Klassiker auf dem verbleibenden Kilometer nach Pontresina zu überholen.

Jetzt rate mal?

Schnell und sexy!

Wie sollte auch Felix erahnen, dass Christoph und Wildsau von Maren ausgebildet wurden?

1 Comments

  1. Sehr schöne Fotos. Die sprechen für sich und sind vor allem besser zu verstehen als das Kauderwelsch.
    Grüessli und allne e schöni Fasnacht Rosemarie

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