Interview mit Yigal Dominitz

Portrait Yigal Dominitz Portrait Yigal Dominitz

Seit wann läufst Du und wie bist du zu dieser Sportart gekommen?
Yigal: Seit meinem vierzehnten Lebensjahr laufe ich, dazugekommen bin ich eher per Zufall. Ich war Mitglied in einer Schwimmmannschaft. An einem Samstag hatten wir einen Wettkampf. Neben den Schwimmbecken, befand sich ein Leichtathletikstadion. Nach meinem Wettkampf im Schwimmen, verliess ich das Schwimmbecken. Kurz darauf schnappte mich ein Trainer, der sagte: „Du gehörst zu unserem Verein. Ich brauche dringend jemanden, der 600m läuft.“ Im ersten Moment dachte ich: „Ich bin Schwimmer, ich kann nicht laufen.“ Aber der Trainer hat mich weiter bearbeitet: „Es fehlt mir ein Läufer! Wenn Du nicht läufst, ist die ganze Mannschaft disqualifiziert!“ Dann lieh er für mich Schuhe und Laufklamotten aus. So lief ich meinen ersten Wettkampf und laufe, abgesehen von einer Pause, bis heute.

War das aus gesundheitlichen oder anderen Gründen?
Es gab diverse Gründe: Studium, Zeitmangel… Da habe ich für ca. 12 Jahre meine Schuhe an den Nagel gehängt und überhaupt keinen Sport getrieben. In dieser Phase hatte ich andere Absichten.

Offenbar hat Dich doch etwas wieder zum Laufen veranlasst, denn heute bist Du Mitglied des LSVB 🙂
Ja, hier in der Schweiz habe ich wieder mit Laufen begonnen. Als ich den Kinderwagen mit meiner Tochter einen kleinen Hügel hinaufschob, war ich ziemlich ausser Atem. Das war das Ende meiner zwölfjährigen Pause. Schon am nächsten Tag habe ich mir Laufschuhe gekauft und wieder zu trainieren begonnen.

Hast Du für Dich alleine trainiert oder in einer Gruppe?
Für mich alleine: ich trainierte mit dem Ziel einen Marathon zu laufen. Und dieser Marathon war in Basel – an den Basler Marathontagen. Das war 1995.

Bist Du so zum LSVB gekommen?
Ja, weil mir die Ambiance und die Betreuung gut gefallen hatte, wollte ich mich bei den Organisatoren telefonisch für den tollen Lauf bedanken. Ich rief also an und kam so mit Therese, der damaligen Präsidentin ins Gespräch. So bin ich dann quasi in den Verein hineingerutscht. An den allerersten Vereinslauf kann ich mich noch ganz gut erinnern. Er bleibt mir unvergesslich. Es war im Winter: ich war mit Ueli Urwyler, Hans Senn und Thomas Tanner unterwegs: die Schönmatt-Runde im Tiefschnee!

Ouh!
Ich dachte, dass das zuviel für mich sei. Die spinnen alle!! Das war mein erster Trainingslauf im Verein.

Worin besteht für Dich der Reiz des Laufens?
Nachdem ich mit meiner Arbeit fertig bin, gehe ich eine oder zwei Stunden alleine oder in Begleitung meiner Kinder rennen. Anschliessend komme ich nach Hause und bin ein „anderer Mensch“. Laufen bedeutet für mich seelische Hygiene. Ich laufe zum Abschalten und Fit-sein. Dabei habe ich keinerlei Wettkampfabsichten.

Wie alt sind Deine Kinder?
Sie sind elf und neun Jahre alt. Beide können bereits zwanzig bis dreissig Kilometer bewältigen. Ich erlebe wunderschöne Momente mit meinen Kindern ausserhalb des alltäglichen Lebens. Dabei kommt zum Ausdruck, dass man mit offenen Augen durch die Welt geht, dass man bei jedem Wetter draussen ist, dass man „durchbeissen“ kann und auch mal ein wenig gegen sich selbst kämpfen muss.

Sag uns etwas über die Trainingsgestaltung?
Am Dienstag trainiere ich im Verein, soweit mir das arbeitsmässig gelingt. Am Donnerstag schaue ich, dass ich möglichst vom Büro aus ein Training machen kann. Am Samstag laufe ich in der Regel allein, und am Sonntag, nehme ich am „berühmten“ Long-Jogg teil. Wobei ich den ein bisschen anders gestalte. Ich treffe mich ziemlich früh mit Bernd, da wir beide Familienväter sind. Die anderen LSVBler treffen wir jeweils unterwegs und laufen gemeinsam zurück. Das wurde zu einer Regelmässigkeit, man trifft sich immer.

Wieviele km läufst Du pro Jahr?
Nun, das sind in der Regel ca. 60km pro Woche.

Führst Du Buch darüber? So eine Art Lauftagebuch?
Nein, ich führe kein Buch. Das habe ich früher gemacht. Heutzutage schreibe ich nichts mehr auf.

Was war seinerzeit das Ziel des Lauftagebuches?
Das war üblich. Ich war in einer Mannschaft, jeder musste alles genau aufschreiben.

Woran denkst Du beim Laufen?
Das ist unterschiedlich. Viele Fragen die mich beschäftigen thematisieren sich während dem Laufen von selbst.

Deinen ersten Trainingslauf hast Du schon erwähnt. Welches sind bis heute für Dich speziellen Ereignisse im Verein?
Unvergesslich ist der Lothar-Lauf am Stefanstag 1999. Es war unglaublich! Wir sind gestartet, als es begann. Keiner von uns ahnte, dass der Sturm solche Ausmasse annehmen würde. Während des Sturms haben wir uns in 2 Gruppen aufgeteilt. Wir haben einander nicht mehr gefunden. Die erste Gruppe war weg und wir haben uns irgendwie nach Hause durchgeschlagen. Riesige Holzstücke flogen waagrecht durch die Luft. Dieser Lauf grenzte an Fahrlässigkeit. Von dem Moment an, als erkannt wurde, dass es schwierig ist, hätten wir uns beraten und die entsprechenden Konsequenzen ziehen sollen. Es waren unvergessliche Naturgewalten, die man hautnah miterlebte. Die Sommerlauftage sind natürlich ein sehr wichtiges Ereignis im Jahr. Mittlerweilen ist eine stabile Gruppe entstanden, sozusagen ein harter Kern auf den man sich ve rlassen kann.

Was sind für Dich die sportlichen Höhepunkte?
Wintertrainingslager, Sommerlauftage…, wo man genügend Zeit hat sich zu begegnen. In den wöchentlichen Trainings spricht man fast nur über das Laufen. Wenn hingegen mehr gemeinsame Zeit verbracht wird, kommt es zu Begegnungen zwischen den Läufern.

Was ist Deine Motivation fürs Training?
Es braucht keine besondere Motivation dazu, ich laufe einfach gern.

Und für dieses Jahr, hast Du dir etwas vorgenommen?
Nein.

Gibt es Punkte, welche der Verein unbedingt weiterführen oder verbessern sollte?
Eine besondere Beachtung bedarf die Trainingsgestaltung der Gruppe 2. Aus meiner Sicht gibt es die Tendenz, dass man zu schnell läuft. Im Training sollte niemand „verlorengehen“, die Gruppe sollte als Einheit unterwegs sein. Ich finde es auch sehr wichtig, dass man ein Auge auf neue Mitglieder hat. Ein Punkt, der unbedingt weitergeführt werden sollte, ist die Erhaltung der Vereinsanlässe: Basler Marathontage, Stadtlauf, Birslauf etc. Sie bilden eine wichtige sportliche Rolle in der Region. An solchen Anlässen präsentiert sich der Verein auch vom sozialen Aspekt her, in einem sehr guten Licht, denke ich. Allen voran der Birslauf, der einzigartig ist!

Was ist Deine Meinung zum Internet/Vereinsheft?
Die neue Gestaltung des Internetauftritts gefällt mir sehr gut, es ist eine Steigerung, wobei es schon vorher gut war. Ich informiere mich via Internet, das Vereinsheft blättere ich jeweils schnell durch, aber das Meiste habe ich bereits im Internet gelesen. Ich habe Achtung vor allen, welche ihre Zeit dafür investieren.

Ohne Vereinsheft würdest Du auch auskommen?
Ja, ich würde auch ohne Heft auskommen.

Was hast Du noch für andere Hobbies?
Ich spiele Fagott und bin Hobby-Botaniker. Das „Botanisieren“ passt sehr gut mit dem Laufen zusammen. Manchmal halte ich an, wenn ich eine seltene Pflanze sehe, dies nicht immer zur Freude meiner Laufkollegen!

Was möchtest Du sonst noch sagen?
Man kritisiert sehr leicht. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass wir von der freiwilligen Arbeit der Kollegen profitieren. Der Verein hat mir sehr viel gegeben und tut es immer noch. Um ein praktisches Beispiel zu nennen: in der Gruppe kann ich im Winter, wenn es dunkel ist, laufen und fühle mich sicher, dank der vielen kleinen Lichter sieht man uns als Gruppe.

Yigal, vielen Dank, dass ich Dich interviewen durfte.
Colette

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