Interview mit Rainer Hauch

Seit wann läufst Du, Rainer?
Rainer: Laufen tue ich ernsthafterweise seit dem 1. Januar 2003, ziemlich genau,weil das war ein Vorhaben.

Sozusagen ein Vorsatz für das neue Jahr?
Rainer: Ja, genau. Der Vorsatz war mit dem Laufsport anzufangen. In der Jugend hätte ich damit begonnen, aber ich war noch zu jung und konnte mich nicht dafür begeistern. Später joggte ich zwischendurch, aber unregelmässig, laufen konnte man das nicht nennen. Wirklich angefangen zu laufen habe ich im Januar 2003.

Was war ausschlaggebend?
Rainer: Einen Marathon zu laufen war die Idee, die ich umsetzte.

Wie kamst Du zum Verein?
Rainer: Zum LSVB bin ich gekommen, nachdem ich den 1. Marathon hinter mir hatte,das war der Florenzmarathon im November 2003. Danach musste ich mich entscheiden, bleibst du bei der Sportart oder machst nicht weiter. Es hat Spass gemacht, so war es für mich keine Frage dabeizubleiben. Dann habe ich auch gedacht, geh doch zum Verein, wo ich Gleichgesinnte treffe. Speziell zum LSVB kam ich durch die Internetseite. Übers Internet habe ich mich informiert, was es für Vereine gibt. Der LSVB schien mir am besten zu passen, vom Programm her, ich hatte das Gefühl, das ist lebendiger Verein. Es gab schnelle Läufer, die Zeiten waren
aufgelistet.

Worin besteht für Dich der Reiz des Laufens?
Rainer: Der Reiz vom Laufen… (lacht) ..uh, da gibt es viele: ein Reiz ist sicherlich das Mentale, also wenn man lange Läufe macht, kann man voll in sich gehen, das Abschalten im Gedanklichen, aber auch die Abwechslung zum Sitzen im Büro. Ein Reiz ist auch seinen Körper an die Grenzen zu bringen. Die Grenzen beim schnellen aber auch beim langen Laufen zu erfahren, das ist ein Reiz.

Läufst Du lieber alleine oder in der Gruppe?
Rainer: Teils-teils, also die Gesamtkilometerzahl wo ich laufe, laufe ich die meiste lieber allein. Einmal liegt es daran, dass man mental ein bisschen nachdenken kann, das geht nur, wenn man alleine ist. Die schnellen Läufe tue ich auch lieber alleine machen, vor allen Dingen Tempoläufe im Stadion. Man muss sich konzentrieren können und das geht nicht, wenn man mit anderen zusammenläuft. Aber so ein- bis zweimal pro Woche tue ich schon sehr gerne mit anderen Leuten laufen. Weil dann tut man sich mal wieder ein bisschen unterhalten, kann Gespräche führen, und da ist es mir dann nicht so wichtig, ob man schnell läuft oder langsam. Es geht dann in erster Linie um den sozialen Aspekt. Das finde ich auch bei gemeinsamen Wettkämpfen toll, wenn man in der Gruppe ist. Während dem Lauf ist man selten zusammen – ist mir erst einmal mit Hannes passiert, dass wir in Trier über die Hälfte der Strecke zusammen gelaufen sind, das hat Spass gemacht. Das Vorher und das Nachher, das zusammen zu erleben in der Gruppe, das finde ich toll.

Erzähl uns etwas über Deine Trainingsgestaltung !
Rainer: Meine Trainingsgestaltung ist eigentlich sehr komplex, das heisst ich trainiere nur nach Plan, das ganze Jahr über. Bei mir gibt es einen festen Plan, der die Jahreszyklen aufnimmt – der fängt im Januar an und hört im Dezember auf und ist von A bis Z durchgeplant.

An diesen Plan hälst Du Dich auch?
Rainer: Ja, an den halte ich mich sehr genau. Wenn das möglich ist, es gibt natürlich immer wieder Punkte, wo man etwas verlegen oder verschieben muss, zum Beispiel wenn Krankheiten dazwischenkommen, oder unerwartet Besuch kommt. Ganz wichtig ist auch die Zusammensetzung des Trainingsplans. Schnelle oder anstrengende Einheiten müssen sich immer abwechseln mit regenerativen Einheiten. Regeneration ist bei mir ein ganz wichtiger Punkt. Das Training baut sich zum grössten Teil in langen, langsamen Läufen auf. Ein kleinerer Teil sind sehr schnelle Läufe auf der Bahn, je nachdem in welcher Phase man sich befindet. Nebst der Ausdauer, ist für mich Kraft- und Koordinationstraining ganz wichtig. Das erfordert manchmal auch, dass ich sogar bis dreimal am Tag trainiere, das kommt in extremen Zeiten schon mal vor.

Woher nimmst Du Deine Motivation für solche Leistungen?
Rainer: Man will natürlich schneller werden, aber auch fitter werden. Man merkt, dass wenn man mehr trainiert, steckt man schwierige Läufe einfach besser weg. Man hat keine Schwierigkeiten mit der Regeneration nach einem Marathon. Man ist tagsüber auch fitter. Aber man muss vorsichtig rangehen, man darf nichts überstürzen, muss auch immer an die Regeneration denken, was viele Läufer vergessen. Die Motivation ist auch gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Wieviele Kilometer läufst Du im Jahr?
Rainer: Das ist eine schwierige Frage…

Oder führst Du ein Lauftagebuch?
Rainer: Ja, auf jeden Fall, ein Lauftagebuch führe ich. In der Woche laufe ich zwischen 90 und 160 Kilometer, das heisst im Jahr sind es fast 5000 Kilometer.

Gehört das Lauftagebuch zu Deinem Trainingskonzept?
Rainer: Ja, das ist ganz wichtig. Ich kann daraus viel erkennen. Wenn es bei einem Wettkampf mal nicht gut läuft, kann ich nachvollziehen, woran es gelegen hat. Das hat mir auch schon geholfen. Für Erfahrungen zu gewinnen ist es super. Man kann auch ein bisschen kontrollieren, wielange man seine Schuhe läuft.

Machst Du das von Anfang an?
Rainer: Das mache ich seit Beginn ja. Ich kann bei jedem Lauf nachgucken, was für Wetter war, wie ich mich gefühlt habe…das ist schon interessant. Man muss halt sehr akribisch dahinter bleiben und alles nachführt.

Was denkst Du beim Laufen? Was geht Dir durch den Kopf?
Rainer: Oft Berufliches: wenn ich in der Mittagspause laufe kann ich gut Ideen kreieren und mache mir Gedanken über Kampagnen und deren Gestaltung. Ich denke auch über banale Sachen in meinem Leben. Was tue ich nächste Woche zum Beispiel, oder wie sieht morgen mein Plan aus, was mache ich, wie gehe ich vor. Aber es können auch weitreichende Gedanken sein, also Lebensgestaltung allgemein: wie mache ich weiter in meinem Beruf, ist das das Richtige für mich. Die Sachen kann man sehr gut überlegen. Bei mir hat es aber meistens mit meinem Beruf als Kreativer zu tun, oder mit dem Laufen natürlich: wie mache ich mein Lauftraining weiter, was sind meine nächsten Ziele, was brauche ich als nächstes, etc.

Was sind für Dich spezielle Ereignisse im Verein?
Rainer: Spezielle Ereignisse sind sicher unsere Lager. Auch Davos letztes Jahr hat mir besonders gut gefallen. Da waren wir zusammen zum Swiss Alpine Marathon gefahren. Ein Vereinshighlight waren für mich die Marathontage, wo ich letztes Jahr selber mitgelaufen bin.

Was sind Deine sportlichen Höhepunkte?
Rainer: sportliche Höhepunkte (grinst)..

Nun gut, es gibt einige, aber die, welche für Dich wichtig sind?
Rainer: Der erste Marathon war sicherlich ein Höhepunkt, als ich ins Ziel kam, und 3:00 gelaufen war, hatte ich mein Ziel unter 3:00 zu laufen um wenige Sekunden verpasst, aber trotzdem war es ein Ergebnis. Ein ganz besonderes Erlebnis war mein erster Gesamtsieg bei einem Lauf. Das war der Silvesterlauf in Trier – ich war wirklich der Erste – keiner mehr vor mir, das ist schon ein „Gänsehaut-feeling“, und wenn dann noch die Kulisse stimmt: 2’000 Zuschauer, ist es wie ein Traum, der in Erfüllung geht. Klassensieg ist auch schön, aber Gesamtsieg ist schon etwas anderes. Besonders war auch der Marathon der Basler Marathontage im letzten Jahr. 40 Kilometer als Gesamtführender zu laufen war schon toll, auch wenn es dann am Schluss nicht ganz gereicht hat.

Was ist für Dich das Spezielle an einem Wettkampf?
Rainer: Klar, man will seine Bestleistung bringen, nicht Bestzeit, das geht nicht immer. Aber sein Bestes zu geben, ist in der Regel schon das Wichtigste bei mir am Wettkampf. Es gibt aber auch Wettkämpfe, wo ich sage, da ist die Zeit nicht ganz so wichtig, da ist es mehr das Erlebnis, was zählt.

Ein paar Fragen zum Verein: Welches sind Punkte, die der Verein weiterführensollte?
Rainer: Sicher die Trainingslager, das finde ich ein ganz wichtiger Punkt. Bis jetzt habe ich zwar nicht an allen mitmachen können, aber versucht bei vielen dabei zu sein. Ich finde das toll. Natürlich das Training allgemein, so wie es jetzt läuft, sollte es schon im Grossen und Ganzen weitergeführt werden. Die Veranstaltungen vom Verein, oder die der Verein betreut, sollten auf jeden Fall auch weitergeführt werden. Ein Lauf, wie zum Beispiel der Birslauf, wo noch ohne Startgeld gestartet werden kann, finde ich besonders wertvoll.

Welche Punkte, findest Du, sind verbesserungsbedürftig, oder gar überflüssig?
Rainer: Was sicherlich verbesserungswürdig ist, ist die Unterstützung für den Leistungsbereich. Die Leistungsläufer werden eigentlich gar nicht unterstützt, da müsste meiner Meinung nach mehr kommen. Frage ist natürlich wie? Sicherlich im Trainingsprogramm, dass man da vielleicht mal sich Gedanken macht, ob man am Training für die ambitionierten Läuferinnen und Läufer etwas ändern kann. Andererseits ist auch das Problem da, dass wir im Leistungsbereich nicht sehr viele Läuferinnen und Läufer haben. Denkbar wäre, dass man vom Verein aus vielleicht einen Laktattest finanziell unterstützt, die sind zum Beispiel sehr kostspielig. Interessant wäre eventuell auch die Unterstützung der Teilnahme an Leistungssportkursen oder Ähnlichem. Irgendwie kommt es mir vor, dass es den Verein nicht sonderlich interessiert, ob es gute Ergebnisse gibt. Damit will ich aber nicht sagen, dass der Verein nur Leistungssport betreiben soll. Ich finde es ganz wichtig, dass es die Läuferinnen und Läufer gibt, die wirklich nicht auf Wettkampfzeiten achten, sondern den Spass- und Gesundheitsaspekt in den Vordergrund stellen. Das ist auch die Basis und muss weiterhin so bleiben, es darf kein reiner Leistungsverein werden. Aber etwas Unterstützung wäre nicht schlecht, das fängt manchmal schon nur in Terminen an. Zum Beispiel die Vereinsmeisterschaften, sind eigentlich nicht gut gelegt für leistungsorientierte Läufer, die einen Marathon im Frühjahr und einen im Herbst laufen. Ansonsten fände ich Koordinationstraining für alle sehr wichtig. Das bringt für jeden etwas, auch für Freizeitläufer. Hier könnten wir im Verein viel mehr machen, da brauch man keine Leistungseinteilung, alle könnten es zusammen machen. Einige neue Laufstrecken könnten wir uns übrigens auch mal ausdenken, da würde ich mich sogar anbieten, beim Planen mitzuhelfen.

Was ist Deine Meinung zum Internet und zum Vereinsheft?
Rainer: Internet ist bei uns im Verein ein wichtiges Medium geworden. Das merke ich an den Zugriffszahlen. Ich kann auf dem Server nachschauen, wieviele Zugriffe auf die Website gemacht wurden. Seit der Neugestaltung und der dauernden Aktualisierung bemerke ich, dass es viel mehr sind. Wenn man sieht, dass die Leute das angucken, macht es auch mehr Spass das zu aktualisieren. Viel Zugriffe auf eine Webseite ist wie ein Applaus für den Webmaster. Dass es das Heft gibt, finde ich ok ich finde es wichtig für die Leute, die nicht dauernd in Internet nachschauen. Man sollte auch die Leute nicht vergessen, welche keinen Internetanschluss haben.

Du bist unser Webmaster. Seit der Neugestaltung hast Du sicher viele Komplimente erhalten.
Rainer: Das Feedback war sehr gut, was mich natürlich motiviert das weiterzuführen. Kritik gab es ganz wenig. Das heisst nicht, dass keiner Kritik üben soll, ich bin ganz froh über Anregungen der Leute. Weil es ist eigentlich eine Webseite der Vereinsmitglieder ist, und nicht meine. Daher bin ich immer froh, wenn mir jemand Tipps gibt und Vorschläge für Veränderungen bringt, das ist wichtig.

Wieviel Zeit wendest Du dafür auf?
Rainer: Hou, schwierige Frage… also zwei Stunden die Woche Minimum. Es können aber auch schon mal vier bis 5 Stunden werden.

Doch relativ viel!
Rainer: Es ist relativ viel Arbeit, ja. Es ist nicht nur die Aktualisierung, sondern man muss recherchieren, gerade für Kurzberichte über einen Lauf. Da bin ich auch immer froh, wenn die Leute die mitgemacht haben, mir ein Feedback geben, das erleichtert mir die Arbeit sehr.

Schreibst Du alle Berichte? Oder kommt auch von den Läufern etwas?
Rainer: Ich schreibe die meisten Berichte. Von den Mitgliedern kommt schon mal was, aber relativ wenig. Ich wäre froh, wenn das mehr wäre, das kann nur in Stichworten sein, auch Bilder mitschicken ist immer super. Schön wäre auch, wenn die Nichtleistungsläufer ein bisschen mehr Feedback geben würden. Denn über die, die gute Plätze laufen, kann man immer etwas schreiben. Toll wäre auch, wenn man etwas schreiben könnte, über Läufer, die nicht Bestzeit laufen, aber irgendein Erlebnis hatten an einem Lauf. Da bin ich natürlich absolut auf die Leute angewiesen.

Was hast Du Dir für dieses Jahr vorgenommen?
Rainer: Im Jahr laufe ich zwei Marathons, einmal in Frühjahr – das ist schon ‚rum :)! Der zweite ist München, da ist schon ein Zeitziel, das ich habe: so nahe wie möglichan 2:35 zu laufen. Wie weit das geht, weiss ich nicht, das hängt vom Training ab: Von der Platzierung her wäre es schön unter die Top50 zu kommen, aber das ist abhängig von denen die mitlaufen. Wenn ein Bus Kenianer kommt, ist man gleich mal 30 Plätze weiter hinten 🙂 Langfristig möchte ich meine Marathonzeit – wenn es noch möglich ist – unter 2:30 bringen, aber das ist schon mehr ein Traumziel. Wenn es nicht klappt, ist es nicht tragisch, das Allerwichtigste ist gesund zu bleiben. Versuchen werde ich es aber.

Was sind Deine weiteren Hobbies?
Bleibt Dir überhaupt noch Zeit für etwas anderes?
Rainer (lacht): Also ein Hobby ist sicher die Webseite. Ich betreue noch bei einem anderen Verein die Webseite. Gestalten ist allgemein mein Hobby und auch mein Beruf. Musik ist ein grosses Hobby, ich spiele Posaune und Gitarre, dafür ist die Zeit ein bisschen eingeschränkt. Im Sommer tue ich Radfahren, ich mache immer einmal im Jahr eine grosse 14tägige Velotour. Snowboarden und Skilanglauf im Winter. Allgemein Bewegen: Inlineskating, Krafttraining und auch Schwimmen.

Was möchtest Du sonst noch sagen?
Rainer: Ich hoffe, dass der Verein bald wieder einen kompletten Vorstand hat und dass alle wieder gemeinsam im Sinne unseres liebsten Hobbys zusammenstehen.

Vielen Dank Rainer für Deine Zeit!
CC

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