Interview mit Graziella Reinhard

Seit wann läufst Du und wie bist Du zu dieser Sportart gekommen?
Graziella: Ich laufe seit ungefähr drei Jahren. Meine ersten Schritte machte ich mit Adrian Schlatter im Allschwilerwald. Er überzeugte mich zum Laufen.

Was bewog Dich dazu, mit ihm zu laufen?
Graziella: Er wurde immer dünner, das beeindruckte mich. Da ich den Allschwilerwald in meiner Nähe habe, dachte ich: wunderbar, man kann gehen, wann man will und braucht nicht in ein Fitnesscenter… obwohl ich von da komme.

Du hast schon vorher Sport getrieben und hast eine gute Grundkondition.
Graziella: Ja, ich machte viel Aerobic, Yoga, all die Sachen, die im Fitnessstudio angeboten wurden. Ich war fünfzehn Jahre dabei.

Hast Du dort gearbeitet?
Graziella: Nein, aber ich war oft dort. Momentan nicht mehr.

Wie kamst Du zum LSVB?
Graziella (lacht): Ich bin eine typische „Stadtlauf-Newcomerin“. Vor drei Jahren nahm ich am Stadtlauftraining teil und trat anschliessend dem LSVB bei.

Der Reiz des Laufens, was bedeutet das für Dich?
Graziella: Wenn ich laufe ist das für mich wie eine Therapiestunde. Ich sage immer, ich habe mir jetzt eine Stunde Psychotherapie erspart. Nach einer halben Stunde, wenn ich warm bin, denke ich: Ahh, jetzt gehts mir gut! Ich spare mir dadurch den Therapeuten.

Ist es die Gruppe, die als Dein Therapeut wirkt, oder läufst Du lieber alleine?
Graziella: Ich muss beides haben, es ist etwa halb-halb. Zweimal laufe ich in der Gruppe und zweimal laufe ich für mich. Meine Läufe im Allschwilerwald sind zum Teil ganz meditativ und zum Teil für mich ganz hart, wo ich mit Musik trainiere und auch Tempoläufe mache.

Erzähl noch weiter von Deiner Trainingsgestaltung.
Graziella: Oh (lacht) also ich achte darauf, dass ich nach einem schnellen Training, ein langsameres Training mache. Ich habe eine Struktur drin und schaue auch, was mein Körper sagt. Wenn ich sehr müde oder erkältet bin, dann passe ich das Training meinem Körper an. Das finde ich wichtig. Ich spüre wie’s mir geht. Natürlich kommt es vor, dass es am Anfang nicht so gut läuft, dann plötzlich merke ich nach etwa einer halben Stunde, dass es gut geht. Da muss man flexibel sein und sagen, jetzt kann ich doch etwas länger und schneller laufen und sonst……

berücksichtigst Du die Signale von Deinem Körper.
Graziella: Ja, auf jeden Fall. Das finde ich wichtig. Wir leben ja nicht vom Sport, wir haben noch einen anderen Beruf, dann finde ich, sollte es auch als Hobby sein. Natürlich mit Ambitionen, aber doch auch als Hobby.

Wieviele Kilometer läufst Du pro Jahr?
Graziella (grinst und holt einen pinkfarbenen Zettel hervor…): Ha, das hab ich ausgerechnet: es sind mindestens 3000 Kilometer. Ich denke ich komme schon auf etwas mehr, aber das ist das Mindeste. Hast Du das speziell fürs Interview ausgerechnet, oder schreibst Du die

gelaufenen Kilometer für Dich auch auf?
Graziella: Ja, das schreibe ich auf und im Prinzip tue ich pro Woche im Durchschnitt 60 Kilometer laufen. Wenn ich mich auf einen Marathon vorbereite sind es natürlich mehr, das ist klar.

Also hast Du ein Trainingstagebuch?
Graziella: Einfach grob, dass ich doch eintrage, was ich gemacht habe. Dadurch habe ich auch die Kontrolle, dass ich mich nicht überlaste. Unterfordert bin ich eher weniger 🙂

Woran denkst Du beim Laufen?
Graziella (schmunzelt): Laufen ist für mich wie ein Ventil öffnen. Wenn ich mir einen klaren Tag vorstelle … in Oberwil in der Höhe…man läuft und sieht über alles und hat das Gefühl, als habe man Flügel. Es ist als ob man schweben würde, trotz der Anstrengung… das ist irrsinnig! Vielleicht verstehen das die LäuferInnen?!

Lohnt es sich immer wieder die Laufschuhe zu schnüren…
Graziella: Ganz klar ja, dazu muss ich mich nicht überwinden. Mit der Motivation habe ich wirklich keine Probleme.

Was ist denn für Dich die Motivation?
Graziella: Die Motivation die habe ich, ich muss mich nicht selber motivieren. Die ist da!

Schön, da haben andere mehr Mühe.
Graziella (lacht): Das Training am Dienstag und Donnerstag ist sowieso normal und an den anderen Tage auch, das gehört dazu.

Fehlt Dir etwas, wenn Du das nicht hast?
Graziella: Ja, auf jeden Fall.

Welches sind bis heute die speziellen Ereignisse im Verein?
Graziella: Das sind mit Sicherheit die Sommerlauftage. Das ist schon toll! Die diesjährigen die wir hatten, waren super. Es waren drei tolle Tage, mit grossartiger Gruppendynamik. Aber auch die SLT letztes und vorletztes Jahr waren toll.

Was sind Deine sportlichen Höhepunkte?
Graziella: Oh, habe ich mir auch notiert (der pinkfarbene Zettel kommt wieder zum Einsatz)

Du standest ja auch schon auf der Treppe!
Graziella: Jajo, dieses Jahr! Der Passwang war mein erster rechter Wettkampf am Berg, kann man sagen. Und da habe ich in meiner Alterskategorie den zweiten Platz erreicht. Da war ich saustolz. Ich merkte, dass ich doch noch ein paar überholt habe trotz Steigung, das war ein gutes Gefühl. Auch der 5 Kilometerlauf vom Verein war ein Höhepunkt, weil wir den gemischt hatten. Ich hatte Ueli Wägeli vor mir und dachte mir: „Dämm nooche u drablyye!“. So konnte ich meine Zeit um zwei Minuten steigern.

Was ist für Dich das Besondere an einem Wettkampf?
Graziella: Die letzten 50 Meter vor dem Ziel. Wenn du dort das Gefühl hast, ich kann noch „Gas geben“, dann weisst du, jetzt bin ich gut trainiert, jetzt habe ich mich gut vorbereitet, das ist etwas Tolles.

Was sind Dinge, die Du im Verein verbesserungswürdig findest?
Graziella: Ich denke, es ist wichtig, dass man die Gruppenleitung konsequenter durchzieht. Dadurch, dass genügend Leute da sind, welche die Gruppen leiten, können die verschiedenen Gruppen auch eingehalten werden. Ich finde es nicht ideal, wenn man zwei Gruppen zusammennimmt, dann ist man entweder überfordert oder unterfordert. Momentan ist da etwas im Gang, da muss man abwarten und mithelfen wo’s geht. Wir können nicht nur „motzen“, sondern dürfen bitte auch
mithelfen. Ich denke in jedem Sportverein ist das Krafttraining nicht zu vernachlässigen. Einerseits um den gesamten Körper – bei uns LäuferInnen besonders Oberkörper und Rücken – zu stärken, aber auch um Verletzungen vorzubeugen.
Vielleicht wäre das auch eine Sache, die der Vorstand in die Hand nehmen könnte und entsprechend verhandeln.

Welche Punkte sollte der Verein unbedingt weiterführen?
Graziella: Was ich sehr schätze ist die Kollegialität. Da ich nicht im Vorstand bin, erlebe ich das als neutrale Person. Ich denke, ich bin ehrlich zu den Leuten und erwarte, dass es auch so retour kommt. Untereinander komme ich mit allen gut klar und darüber bin ich froh. Denn das ist ja mein Hobby und ich komme freiwillig.

Was ist Deine Meinung zum Internet und Vereinsheft?
Graziella: Das Internet ist absolut mein Favorit. Das brauche ich am meisten. Das Heftli ist zuhause für die Familie … (zögert ein wenig) .. es hat seinen festen Platz auf der Toilette. Die Familie schaut sehr genau, ob mein Name darin auftaucht. Auch der Besuch wirft einen Blick hinein. Bei uns ist es ein Heft, das am meisten
angeschaut wird.

Was sind Deine nächste Ziele?
Graziella: Im Herbst will ich einen Marathon laufen, welchen weiss ich noch nicht genau.

Sonst, weitere Pläne?
Graziella: Einfach keine Pause machen. „Draa blyybe!“ das ist mein Motto. Wenn man jetzt dranbleibt, kann man dann im Alter die Früchte ernten, man ist dann schon trainiert und bleibt gesund (lacht).

Hast Du noch andere Hobbies, die Du pflegst?
Graziella: Ja, das ist das Problem, ich könnte soviele Sachen machen. Yoga (wie alle wissen, die an den diesjährigen SLT dabei waren) ist toll für den Körper. Das muss ich auch für mich wieder aufnehmen. Früher habe ich ganz viel gemalt: Aquarell und Öl. Im Moment bleibt mir keine Zeit dazu. Ich denke, das ist etwas, dem ich mich im
Alter widmen kann. Wenn ich laufen gehe, und die Umgebung sehe, stelle ich mir das auf dem Papier vor. Aber kaum kommt man nach Hause: man hat Familie, einkaufen, kochen, putzen, uns dann hat man halt keine Zeit für alles. Aber Malen ist schon ein grosses Hobby.

Treibst Du auch mit Deiner Familie Sport?
Graziella (lacht): Wenn wir gemeinsam Sport treiben, gehen wir zu viert auf den Vita Parcours im Allschwilerwald. Meine Familie ist eher nicht im Ausdauersport aktiv: Es sind Handballer! Alle drei spielen sie Handball.

Was ist mit Dir und Handball?
Graziella: Selber spiele ich nicht Handball. Ab und zu gehe ich zuschauen, kenne aber die Regeln immer noch nicht.

Was möchtest Du sonst noch sagen?
Graziella: An der Pinwand in Internet ist mein Aufruf für das Fitnesscenter Body Move.http://lsvb.ch/pinboard_mitteilungen.html
Im April wurde das Body Move neu eröffnet. Es befindet sich im Dreispitz, d.h.Parkplätze sind vorhanden und es ist in der Nähe vom St. Jakob. Als Verein haben wir ein tolles Angebot ein sehr günstiges Jahresabo zu bekommen. Voraussetzung ist, dass wir vom Verein mindestens acht Personen sind. Je mehr LäuferInnen wir sind, um so günstiger wird es. Wie bereits erwähnt, finde ich es wichtig, dass wir den Oberkörper und den Rücken stärken. Ich fände es witzig, wenn wir z.B. den Samstagvormittag als Treffpunkt im Fitnesscenter hätten. Selbstverständlich kann man auch individuell trainieren. Ich kann mir vorstellen, dass man am Donnerstag vor dem Lauftraining, ins Body Move geht. Am Sonntag kann man im Winter nach dem Longjogg in der Sauna regenerieren. Interessierte können sich mir in Verbindung setzen. Die weiteren Verhandlungen jedoch möchte ich dem Vorstand überlassen. Auch über das neu (im November) eröffnete MEM Kraftbereich muss nachgedacht werden. Da unser Verein eher männerdominant ist (jedenfalls im Dienstagstraining) freue ich mich über jede Frau, die Freude am Laufen hat und sich auch traut, mal ein
schnelleres Training zu machen.

Graziella, vielen Dank für das Interview. CC

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