Eiger Ultra Trail

Am letzten Samstag fand in Grindelwald die zweite Austragung des Eiger Ultra Trails statt. Drei Strecken werden dort angeboten, die Einsteigerstrecke mit 16 Kilometern, die Mittelstrecke mit 51 Kilometern und dann die Langstrecke mit 101 Kilometern. Vermutlich waren die Macher dieses Rennen früher öfters die 100 Kilometer in Biel gelaufen und haben sich gedacht die Strecke wäre zu leicht. Deshalb haben sie der Langstrecke gleich noch freundlicherweise 6700 Höhenmeter spendiert. Frei nach dem Motto „Nur die Harten kommen in den Garten…“

EigerUltratrailDrei LSVB-Läufer stellten sich dieser speziellen Herausforderung in diesem Jahr. Auch die Startzeit war mit 4:30 Uhr äusserst sportlich, aber durchaus verständlich in anbetracht der zu erwartenden Laufzeiten. Der Sieger Urs Jenzer benötigte für diese Herausforderung fast schon unfassbare 11 Stunden und 56 Minuten.

Der schnellste LSVBler war Michael Misteli, der nach 17:04:22 und auf Platz 44 ins Ziel kam. Dies bedeutete am Ende auch den vierten Platz in seiner Altersklasse. Auch wenn er fünf Stunden länger hatte als der Sieger, sollte das nicht zu falschen Schlüssen verleiten. Das ist eine Bombenzeit und Platz 44 spricht Bände in einem international Top besetzen Feld. Respekt!

Philipp Griner belegte Platz 188 in einer Zeit von 22:26:53 Stunden. Für mich völlig unvorstellbar wie man überhaupt so lange am Stück rennen kann und somit einen riesigen Respekt vor so einer Leistung. Mir wären schon viel früher die Augendeckel runtergeklappt, die Beine abgefallen oder sonst was passiert.

Und dann war noch Ivo Amrein am Start, der in Alpigeln forfait geben musste. Nach 20 Stunden und 45 Minuten war bei ihm Schluss, er hatte geschwollene Füsse und trotz Massagen war nichts mehr zu machen. Ivo hatte ein Telefon dabei und hat via LSVB Chat über den Fortgang seines Rennens berichtet, ab etwa 23:00 Uhr durften wir mit ihm mitleiden. Er hat sich gequält und geschunden und für die letzten 6 Kilometer hat er glaub ich fast zwei Stunden gebraucht. Wir haben alle mitgelitten und ihn versucht zu motivieren. Er war natürlich enttäuscht als er dann tatsächlich um 2 Uhr Morgens ausgestiegen war. Aber die Meisten von uns sind noch niemals überhaupt 88 Kilometer am Stück gelaufen und somit würdigen wir auch diese hervorragende Leistung.

Ein Rennen aufgeben zu müssen ist immer hart, egal was die Gründe sind. Aber bei solch einem extremen Rennen kann das einfach passieren. Man lernt viel dazu und kann dann vielleicht beim nächsten Mal von der gewonnenen Erfahrung profitieren.

Wir sind alle stolz auf euch und wünschen nun gute Erholung.

Jan Kunz

2 Comments

  1. Danke, Philipp für deine ehrliche Beschreibungen! Was ihr geleistet habt ist wirklich phantastisch und ich habe grossen Respekt vor euch. Ich habe zumindest einmal den Graubünden-Marathon gemacht u habe eine Vorstellung was 6000 Hm bedeuten! Ja, wie die schnellsten dies durchrennen – ich weiss es auch nicht. Aber angeblich gibt es auch Strecken, auf den diese auch gehen…

  2. Danke für deinen Bericht Jan!

    Jetzt stehen da natürlich auch wieder viele Zeiten, Platzierungen, Kilometer- und Höhenmeterangaben drin. Okay, ich habe noch nie so viel gerechnet und Strecke studiert wie vor diesem Lauf. Aber mir war schon seit ich mich angemeldet hatte klar, dass ankommen das einzige Ziel für mich sein konnte. Und dann kommen die Stimmen aus deinem Umfeld dazu, die vom respektvollen Staunen bis zum fürsorglichen Abraten reichen…
    Gut, der Mythos, Leute wie ich würden bei so einem Anlass die ganze Zeit durchrennen, hat sich für mich rasch erledigt. Nach einem guten Kilometer kommt eine kleine Brücke, da hiess es dann erstmal 2, 3 Minuten warten. Die Idee einer Mitläuferin dort doch nächstes Mal Kaffee und Gipfeli zu servieren, fand ich prima.
    Nach der Hälfte und einer ausgiebigen Pause mit Pasta und Kleiderwechsel in Burglauenen, bin ich dann mal brav losSPAZIERT. Dummerweise wusste ich ja dank der Erkundungstour mit Ivo genau, wie viele Höhenmeter nun auf mich warten. Und schon bald ging auch Spazieren nicht mehr und ich sass neben der Strecke auf einer wunderschönen Alpweide. Bis auf den Männlichen bin ich glaube ich keinen einzigen Schritt gerannt. Und eigentlich wollte ich in Wengen aussteigen…
    Das Schöne für mich war, zu sehen, dass ich trotzdem immer wieder die gleichen Leute angetroffen habe. Gelitten haben wohl alle, aber aufgeben wollte dann doch niemand so recht. Meine „Marschtabellen“ konnte ich da irgendwo während dem Aufstieg endgültig vergessen – und ich meine das durchwegs positiv!
    Kurz vor der Wengeneralp habe ich Silvia und Heinz zum zweiten Mal eingeholt. Die beiden kannte ich vor dem Eiger Ultra Trail nur von Movescount. Wir sind dann am Ende aber zusammen ins Ziel gelaufen. Vorerst bin ich aber mit Ivo, den ich zuvor nur kurz in Burglauenen gesehen hatte, bis auf die kleine Scheidegg spaziert. Dass der dann noch bis Alpiglen weitergelaufen ist… man’o’man, Ivo!

    Einmalmehr sei hier Michi, der mich auf diesen Trail aufmerksam gemacht hat, und Sonja, stellvertretend für die vielen ruhigen und gelassenen Helfer bei den unzähligen Verpflegungsposten, gedankt!

    Ob ich jemandem den Eiger Ultra Trail empfehlen würde? Nein! Ich will da nicht schuld sein daran! Aber so richtig abraten kann ich auch nicht.

    P.S. Was die vorne für Zeiten LAUFEN, ist für mich auch unverständlich.

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