Dominik Frey finisht den Inferno Triathlon

Lange habe ich auf den Tag gewartet, lang war der Tag, und doch kommt mir das Erlebte im Rückblick so seltsam kurz vor. Hier also mein Rennbericht vom Inferno Triathlon 2013:

– Vorbereitung –
Schon oft thematisiert, habe ich eigentlich überhaupt nur eine einzige Trainingsmethode angewandt: Mindestens 1x pro Woche auf den Gempen 🙂 Tönt blöd, war aber wirklich so. Im Schnitt werden es um die 8h pro Woche gewesen sein, die ich spezifisch für den Triathlon aufgewandt habe. Zusätzlich kommen dann noch das Klettern und gelegentliche Berg- und Hochtouren dazu, das Trekking in Kolumbien im Januar und die zwei Langstreckenfahrten Basel – Bregenz und Basel – Genf (Jeweils in 4 Tagen zusammen mit Melanie). Ansonsten aber gab es keinen konkreten Aufbau oder Be- und Entlastungswochen. Alles lief nach Gefühl, Lust und Laune!

Geschwommen bin ich dieses Jahr um die 30 Kilometer, davon war viel Technik (Einarmkraul, Wasserfassen etc) und der Rest relativ locker Lagen ohne Tempotraining, Pyramiden oder ähnlichen Nettigkeiten.

Meine Velos habe ich gut 3100km seit dem 1. Januar bewegt. Die fast 37’000hm auf diese Distanz zeigen die Priorisierung auf das Hügeltraining.

Im Laufsport durfte ich 770km ins Trainingstagebuch schreiben und auch hier macht sich der Gempen bemerkbar: 13’500hm sind ein schöner Wert.

– Motivation –
Mein Ziel war es, das Ziel auf dem Schilthorn zu erreichen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Ich hatte noch keinerlei Erfahrung im Langdistanz-Triathlon und plante daher ein relativ gemütliches Tempo und Wechselzeiten ein. Ob ich 1 oder 2 Minuten „verplempere“ hat bei 12 Stunden und mehr Wettkampfdauer keine Bedeutung. Konsequenterweise habe ich daher auf auf GPS und Tacho verzichtet. Lediglich das Körpergefühl sollte mich beim Tempo leiten. Ein zweites Ziel hatte ich noch: Auf jedem offiziellen Photographen wollte ich lächelnd abgelichtet werden.

– Anreise / Unterkunft –
Ich bin am Donnerstag Abend mit Alois (unserem VW Bus) zum TCS Camping in Thun gefahren um am Freitag entspannt die Vorbereitungen für den Wettkampf durchführen zu können. Ab 12:00 darf man in den jeweiligen Wechselzonen einchecken und die logische Route lautete also Oberhofen – Grindelwald – Stechelberg. Den Zeitchip erhält man in Oberhofen und es lohnt sich, die dortige Wechselzone kurz anzusehen damit man weiss, wo man nach dem Schwimmen sein Velo zum Wechselbalken hinschieben darf. Der Helm muss beim Eintritt in die Wechselzone auf dem Kopf sein, ansonsten ist die Materialkontrolle eher relaxed (CE Kleber? Interessiert nicht! Bremsentest? O-Ton: Funktionieren Deine Bremsen? – Ja! – Gut!). Danach ging es nach Grindelwald wo das Hinstellen des Bikes eine Sache von wenigen Minuten war bevor ich gleich nach Stechelberg weiterfuhr. Auch dort geht alles zügig von statten und ich bestieg die Gondelbahn nach Mürren um an der Wettkampfbesprechung im Sportzentrum teilzunehmen und mir eine Pasta an der entsprechenden Party zu gönnen. Die Pasta war eher verkocht und die Besprechung kannte ich aus der von www.inferno.ch herunterladbaren PDF-Datei. Zusätzlich gab es aber noch interessante Informationen zum prognostizierten Wetter am Wettkampftag und das war dann die Anreise doch wert. Der Rückweg nach Thun verlängerte sich wegen eines Unfalls mit Komplettsperrung um eine Stunde und so kam ich dann gegen 22:00 ins Bett. Melanie musste am Freitag Abend arbeiten und traf irgendwann mitten in der Nacht auch noch auf dem Zeltplatz ein. Sehr beruhigend, dass das geklappt hat weil sie für die Entgegennahme meiner Velos und die moralische Unterstützung unentbehrlich ist!

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Bereit für das grosse Rennen

– Das Rennen –
Der Fussweg vom Camping zum Strandbad ist weiter als erwartet und so konnte ich meine geplanten Aufwärmübungen im Rahmen eines kurzen Dauerlaufs durchführen. Das Wasser hatte in ufernähe 19° und draussen 17° sodass Neo-Pflicht herrschte – als ob ich freiwillig ohne wärmende Überhaut ins Wasser gegangen wäre… Der Start dann ohne grosses Brimborium um 06:30 und ich hielt mich sicherheitshalber aus dem grössten Getümmel heraus. Wem nützen 10 Sekunden wenn er dafür verprügelt wird? Glücklicherweise fand ich schon kurz nach dem Start ein paar halbwegs gleichmässig schwimmende Füsse in deren Wasserschatten ich mich hängen konnte. Diese Füsse schwammen zwar nicht unbedingt immer auf der idealen (sprich direkten) Linie Richtung Schloss Oberhofen aber die gut 30% Kraftersparnis im Wasserschatten sind mir wichtiger als die vielleicht 100m die wir insgesamt als Umweg verloren haben. Das Schloss selber war wider Erwarten nicht beleuchtet, lediglich ein Strahler wies in etwa den Weg. Und dieses Schloss wollte und wollte einfach nicht näher kommen! Dank des Wasserschattens bin ich grössere Teile ohne den Kopf zu heben geschwommen, um mich herum nur das grau-blau des Wassers und ein-zwei Mal hatte ich fast das Gefühl ich würde einschlafen, das war ein richtiger Trancezustand.

In Oberhofen zog ich mich dann relativ gemütlich um und fuhr auch locker los da ich wusste, dass nach wenigen hundert Metern der Anstieg Richtung Sigriswil kommen wird, da will man seine Kräfte nicht gleich verschleudern. Oben angekommen geht es halbwegs flach nach Beatenberg und von dort in sehr zügiger Fahrt runter nach Interlaken wo die lange und flache Zwischenetappe bis nach Meiringen beginnt. Zum Glück wehte der Ostwind nur mässig und so konnte ich schön gleichmässig und kräfteschonend fahren. Zwischendurch wurde ich immer wieder von dynamisch gebildeten Windschatten-Mannschaften überholt. Traurig, wenn jemand so offensichtlich seinen krankhaften Ergeiz zur Schau stellen muss beim Kampf um Platz 149 oder so…! Oberhalb von Meiringen Richtung Aareschlucht zweigt die Strasse nach rechts ab zur Grossen Scheidegg und da fängt der Inferno eigentlich erst richtig an. Die untere Rampe ist lang und anhaltend steil bevor das Gelände bei Rosenlaui kurzzeitig etwas flacher wird um sich dann mit giftigen 16% über ein paar hundert Meter erst recht aufzusteilen. Auch die Sonne verwöhnte uns mit ihren Strahlen und brachte mich und die Mitstreiter zum glühen. Welch Erleichterung, als ich endlich oben war und die kühlende und beinschonende Abfahrt nach Grindelwald antreten konnte. Dort unten erwartete mich Melanie welche mir mitteilte, dass ich gegenüber meinem Zeitplan viel zu früh war. Apropos Zeitplan: Zwecks Koordination des Supports habe ich eine Liste mit ungefähren Ankunftszeiten an den Zwischenetappen erstellt. Aber eben, da war ich für das Rennvelo wohl etwas zu pessimistisch oder unerfahren. Glücklicherweise hatte Melanie es irgendwie im Gefühl, dass ich schon früher eintreffen könnte und so klappte die Übergabe problemlos. Seit der Grossen Scheidegg musste ich meine Ernährung von ISO und Riegeln auf Wasser und Gels umstellen, da entweder das ISO oder die Riegel zu Magenkrämpfen führte. Das ist etwas, was ich noch genauer analysieren muss und so aus dem Training nicht kenne.

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Am Brienzersee

web_3559706_origAm Brienzersee (2)

Die Bike-Etappe nach Stechelberg via Kleine Scheidegg zeichnet sich durch einen langen, steilen und langweiligen Aufstieg auf einer Schotterstrasse aus. Es war heiss, es war zermürbend und zum Glück gab es unterwegs einige Brunnen und Getränkestationen. Die berühmte letzte Rampe vor der Bahnstation hat in meinem Umfeld jeder geschoben; es würde mich interessieren ob die Spitzenfahrer hier wirklich sitzen bleiben. Die Abfahrt dann auf grob geschottertem Wirtschaftsweg ohne jeglichen Reiz ausser gelegentlichem Herzklopfen ob der hohen Geschwindigkeiten und jene sollten mir dann wenig später zum Verhängnis werden: Oberhalb des Wurzeltrails biegt die Strecke 90° nach links ab und der Weg wird kurz danach wesentlich schmäler. Mein Bremsversuch in einer leichten Linkskurve endete damit, dass mein Bike wegrutschte und ich stürzte. Die nachfolgenden Biker konnten zum Glück anhalten und kümmerten sich um mich. Nach ein paar Minuten stand ich wieder auf und eine zwischenzeitlich eingetroffene Helferin schob mein Bike hoch zu der Linksabzweigung wo kurz danach auch noch ein Sanitäter auf seinem Geländemotorrad eintraf. Gemeinsam desinfizierten sie meine grossflächigen Schürfungen und die Risswunde am linken Unterarm welche sie sauber verbanden und mit einer Art Strumpf schützten. Danach fuhr ich vorsichtig nach Stechelberg ab wo ich Melanie und meine Eltern bei der Wechselzone traf. Der Wille, den Wettkampf zu Ende zu führen war tief in mir drin aber ich wollte sicherheitshalber noch mit den Sanitätern in der Wechselzone sprechen um keine unüberlegte Dummheit zu begehen.

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Da war ich noch unbeschädigt

Nach einer längeren Pause dann zog ich mir die Laufschuhe an und nahm die Strecke nach Lauterbrunnen unter die Füsse. Diese 5km führen leicht bergab und waren für mich ein Test, ob noch alles an und in mir halbwegs funktioniert. Ausser leichten Schmerzen im Brustbereich (Vermutlich die Rippen geprellt) fühlte sich der Lauf gut an und so kam ich zügig und viele Teilnehmer überholend in Mürren an wo Melanie und Thomas auf mich warteten.

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Gut gelaunt in Lauterbrunnen

Dort gönnte ich mir nochmals eine kurze Gedenkpause und ein Biberli und fasste den Entschluss, den Wettkampf definitiv bis aufs Schilthorn durchzuziehen. Die folgenden Stunden sind mir im Einzelnen nicht mehr so präsent; ich weiss noch dass ich bei KM5 (Lauterbrunnen) dachte: „Oh, das ist ja im Prinzip wie auf den Gempen“, in Mürren dann die Feststellung „das ist ein übliches LSVB-Vereinstraining von der Länge her“ und bei KM15 war es ja nur noch ein 10er und ein 10er geht IMMER! Auf flacheren Teilstücken konnte ich sogar rennen und die berühmt-berüchtigte Schilthorn-Passage auf dem letzten Kilometer nötigte mir als regelmässigem Hochtourengeher sowieso nur ein müdes Lächeln ab. Nach der Passage geht es nochmals kurz steil hoch und dann stand ich auch schon auf der Treppe zum Restaurant und ich wusste, dass ich es geschafft hatte!

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Auf den letzten Metern – glücklich

– Epilog –
Nach den obligatorischen Zielphotos sind Melanie, Thomas und ich sofort mit der Seilbahn runtergefahren und ich suchte in Mürren den Arzt auf um mich versorgen zu lassen. Ein paar Stiche brachten meinen Riss am Unterarm wieder zusammen und die Schürfungen und Rippenprellung sind zwar schmerzhaft aber nicht gefährlich. Die geplante Übernachtung auf dem Camping in Stechelberg sagten wir zugunsten eines Hotelaufenthalts in Mürren ab und reisten am Sonntag dann mit einem stolzen Finisher (und Inhaber eines leicht angeknacksten Egos bezüglich der Bike-Fähigkeiten) gemütlich nach Hause.

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1 Comments

  1. Gratuliere und besten Dank für den Bericht.

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