Anke @ Hamburg Marathon

Bericht verfasst von Anke Wist

An der Nordseeküste am plattdeutschen Strand…

34. Haspa Marathon Hamburg 28. April 2019

1. Marathon von Anke Wist

Ich sitze mit meinem Gatten Roli im Zug Richtung Heimat beim 2. Viertele Weissburgunder und überlege, wie ich jetzt den vermaledeiten angekündeten Bericht anfangen könnte.

Mein Abenteuer Marathon Hamburg hatte ich schon vor Jahren geplant, für mich war immer klar, wenn Marathon dann Hamburg, vermutlich wegen meiner norddeutschen Wurzeln. Irgendwie habe ich aber immer den Zeitpunkt verpasst – gut trainiert, aber passte familiär nicht – familiär passte, aber die Trainingsform nicht usw. Seit gut zwei Jahren kämpfe ich mit meiner andauernd entzündeten Tibialis Posterior-Sehne am Fuss, aber als dann die Ausschreibung für die Vereinsreise zum Marathon Hamburg kam, dachte ich: jetzt oder nie!

An der Nordseeküste, am plattdeutschen Strand… Highway to Hell, genauer gesagt an der Alster und diese wiederum mündet in die Elbe welche dann bei Cuxhaven in die Nordsee mündet, aber egal. Auf jeden Fall stehe ich in Hamburg am Start und denke zum gefühlten 100. Mal: was machst du da eigentlich?!! Ich renne…ich laufe für meine schwer kranke Freundin, welche nicht mehr laufen kann, ich lasse den Zügelstress, überhaupt die Anspannung der letzten Monate mit Roli’s Krankheit (er hat Polymyalgia Rheumatica) hinter mir und führe meinen persönlichen Kampf mit dieser Blue Line – Highway to Hell lässt grüssen.

So ein Marathongedöns fängt ja nicht erst am Start an, nein schon die letzte Woche davor…der letzte Trainingslauf, Mist da geht gar nichts mehr, Flasche leer, gibt eine Katastrophe, die blanke Versagensangst packt mich. Bei nasskaltem Schietwetter starte ich im letzten Block, die Jacke zu früh weg geschmissen weil ich nicht geschnallt habe, dass man bei einem solchen Riesenanlass nach dem Startschuss noch mindestens 10 Minuten steht. Auch der letzte Block kann sich langsam in Bewegung setzen und siehe da, es rollt.

Es rollt die ersten 21 km ganz ordentlich, auch dank Roli, der ab Km 11 immer wieder an der Strecke steht und mich mit liebevoll strengem Blick zur Höchstleistung treibt. Ab Km 30 werde ich euphorisch, bin immer noch unter 4 Stunden und mit unserem erklärten Zeitziel von 5:40 gut im Rennen. Dann aber fängt die Muskulatur an zu spucken – ich denke an die motivierenden Worte von Dätti beim z’Morge: „schträngsch di ä biz a! grins“ und beisse auf die Zähne.

Die Verpflegung wird immer wie dünner – vermutlich haben die Veranstalter das Gefühl, langsamere Läufer/innen kommen mit Hamburger Brunnenwasser klar – mit Mühe ergattere ich noch das eine und andere Cola…aber egal.

Die Helfer und verbliebenen Zuschauer sind unheimlich toll, immer wieder höre ich „hopp Anke, du schaffst das! Und es ist Musik in meinen Ohren, weil das Anke so schön norddeutsch klingt und nicht wie das schweizerische Anckkeee. Rechts und links werden schon die ersten Absperrbänder entfernt und ich komme mit 5:43:40 glücklich und heil ins Ziel und weiss, ich hab’s gerockt und bin noch lange nicht die Letzte – in meinen Ohren tönt es immer noch abwechselnd Highway to Hell, One More Time, an der Nordseeküste….

Um 18 Uhr treffen wir uns in der Hotellobby zum gemeinsamen Abmarsch Richtung Kohlenhydratspeicher-Befüllung und nach ein bisschen U-Bahn-Fahren und einer ordentlichen Wanderung kommen wir tatsächlich im Restaurant Fischereihafen an und geniessen alle das ausgezeichnete Essen, sei es Fisch oder Fleisch.

Später zieht es die „Jüngeren“ von uns auf die Reeperbahn, wo bei Olivia tüchtig abgetanzt und gefeiert wird (Details s. Instagram) zwecks Regeneration.

Speicherstadt

Montag geht‘s auf grosse Besichtigungstour – die Elbphilharmonie, Speicherstadt und Hafencity sind auf dem Programm. Wir werden auf zwei Gruppen verteilt und in meiner Gruppe hat Sibylle viel Interessantes zu erzählen. Zum Beispiel die unglaubliche Baugeschichte mit den drei Parteien Hansestadt Hamburg, den Architekten Herzog & de Meuron und dem Baukonzern Hochtief. Aus Uneinigkeit gab es sogar einen anderthalbjährigen Baustopp weil die Kosten explodierten, aus 77 wurden 800 Millionen. Sibylle gab uns auch den Tipp, dass es sich lohnt, an der Abendkasse nach Restkarten zu fragen, welche oft günstig verkauft werden.

Eine kleine Gruppe von uns besucht abends von 21 bis 22 Uhr noch das Miniatur-Wunderland in der Speicherstadt, wo kleine Miniaturwelten und Modellbahnen bestaunt werden können. Alle, vor allem Andy D., haben grossen Spass daran, die verschiedenen Knöpfe zu drücken, mit welchen gewisse Szenen in den Welten in Bewegung gesetzt werden können, irgendwie sind wir doch alle Kinder geblieben.

Am Dienstag treten die meisten von uns individuell die Heimreise an – es waren schöne Tage, vielen Dank an Andy D. für’s organisieren.

4 Comments

  1. Yeeeh! Super Anke, Gratulation!!! Klasse; Du hast es geschafft und konntest offensichtlich hinterher noch gehen! „One more time…;-))“. Schöner Bericht – DANKE ❤

  2. bravo bravo Anke. Ich gratuliere dir von Herzen und danke für den schönen Bericht. Weil ich selber nicht mehr laufen kann, lese ich so gerne solche tolle Berichte. Uebrigens, für mich ist jeder, jede der einen Marathon gelaufen hat, ein Held, eine Heldin. Ich bin nur eine halbe Heldin, hab nur einen Halbmarathon geschafft. Liebe Grüsse und alles Gute Rosemarie

  3. Toller Bericht. Ich kann nicht glauben, dass dies dein erster Marathon war. 🙂 Gratulation und ich verstehe warum du dir HH ausgesucht hast.
    Den Lauf werde ich immer in bester Erinnerung behalten, da ich dort meine PB gelaufen bin.

  4. Bravo Anke! Du hast es gerockt! Danke für den Bericht.

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