Aarerun: Koblenz – Grimsel

Alle Etappen zusammengefasst

In Koblenz begann das epische LSVB-Abenteuer von der Mündung der Aare an ihre Quelle am Grimsel. Es ist die erste Etappe mit 39 von insgesamt über 300 Kilometern.

Ein Teil der Gruppe sprintete in Koblenz los. Hinter dieser Brücke mündet der viel kleinere Rhein in die Aare, die ab Koblenz Rhein genannt wird. Der Rhein kommt nämlich mit 439 m3/s mittlerem Abfluss daher, wobei die Aare 560 m3/s befördert.

Weitere LSVB-Läufer stiessen in Brugg zur Gruppe. Aber zuerst müssen wir uns durch die tolle Landschaft zwingen. Weitaus schlauer wäre: Hinlegen, Bier in die Hand und die anderen sollen alleine weiter laufen.

Es raschelt im Unterholz: Trail-Running am Aarestrand powered by LSVB.

Wer nicht dabei war hat was verpasst. Wunderschön, romantisch, idyllisch, einfach Weltklasse. Im Bild als Pia darob auszuflippen begann.

Das war so geil, da sah sogar die Transformatorenanlage bei Beznau mit dem Dampf aus Leibstadt im Hintergrund sinnlich aus.

Einen Kilometer von Brugg entfernt wurden wir von Gämsen belästigt. Denn wie wir wissen, Gämsen waren ursprünglich keine Alpenbewohner, erst der Mensch hat sie in höhere Lagen verdrängt, was die hier anscheinend noch nicht weiss.

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Am nächsten Tag von Aarau nach Murgenthal kamen weitere 32 Kilometer zu den 39 von gestern dazu. Super idyllisch wie am Vortag.

Es war wieder ein spezieller Lauf. Alle waren gestern so happy und heute waren sie irgendwie all zu frisch unterwegs. Das sollte man ändern. Bei Aarburg die Planänderung: „Nicht nach Rothrist, es gibt da in der Nähe eine legendäre Wegstrecke, die machen wir.“ Alle waren einverstanden, obwohl keiner wusste worum es ging.

Der Name ist Programm. Gestern liebten mich alle ob der Streckenführung. An dieser Stelle schwenkt das langsam in Hass um: das legendäre 1000er-Stägeli. Stimmt so nicht ganz, 1150 Treppentritte und 250 Meter Steigung. Da machst du dir keine Freunde bei: Ich hab’s genossen. Wir laufen der Aare entlang auf den Grimsel. 300 Kilometer. Doch gleich am zweiten Tag die grösste Herausforderung in Sachen Steigung. Wenn jetzt einer denkt, das Bild täuscht, der hat recht. Das ist nicht so steil, wie es aussieht. Es ist steiler: 47% beträgt die deklarierte Steigung.

 

 

 

 

 

 

Oben beim Blick auf den Ausblick der Aussicht wagte ich mich wieder näher an die Gruppe ran, sie schienen wieder langsam beruhigt zu sein.

Einmal ist kein Mal. Zweimal ist einmal zu viel. Und aller guten Dinge sind drei. Es folgt der dritte Teil der 1. Mai-Aare-Trilogie. Der Wetterbericht ist auch schnell erklärt, entweder hat es leicht geregnet oder zur Abwechslung liefen wir im leichten Regen.

Übrigens, der wichtigste Mann an Bord am ersten Weekend beim Verpflegungsbuffet war Hans. Ohne ihn lief nix, ohne ihn lief keiner. Er war immer (heute mit Dress-Code Kapuze) zuverlässig da anzutreffen, wo wir ihn dringend benötigten.

Trotz Dauerschiff, die Strecke war nicht übel, weil abwechslungsreich. Mal idyllisch, dann das Schloss Aarwangen. Auenlandschaften, Weiher, Stauwehre oder das barocke Solothurn. In den letzten drei Tagen kamen exakt 100 Kilometer zusammen.

Zwei Wochen später ging es von Solothurn nach Bern, der alten Aare entlang zum Freibad in Aarberg und weiter zum Wohlensee.  Schönes Wetter, perfekt eigentlich. Perfekt auch die Strecke, vielleicht der bis jetzt schönste Abschnitt vom epischen LSVB-Aare-Lauf.

Weiss waren die Dächer in Altreu nicht vom Schneien. Die wissenschaftliche Definition lautet Vogelschiss. Logischerweise kennt jeder Eidgenosse Altreu von irgend einer Schulreise, wo man die Storchensiedlung besuchte, um dann darüber Aufsätze zu schreiben… so wie ich noch heute.

Ein knappes Dutzend lief ab Solothurn mit. Nach Büren an der Aare ging es links weg, der alten Aare entlang bis nach Aarburg. Beim 100er werden wir dann in Aarburg über die Holzbrücke in die Altstadt laufen, heute unten durch.

Kurz nach dem Kernkraftwerk Mühleberg kam die Staumauer des Wohlensees, darunter eine Wasserkraftanlage aus den Anfängen des industriellen Aufschwungs. Am morgen sagte ich 57 Kilometer an. Abends beim Bier in Frauenkappelen/Bern hatten wir 61 Kilometer beisammen und der Gesichtsausdruck der Läufer liess daran keine Zweifel aufkommen.

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Weiter im Text: Von Hinterkappelen via Bremgarten, Bern, Münsingen nach Thun, weitere 49 Kilometer. Von Bern bis Hinterkappelen mit dem Bus waren’s 6 Kilometer, wo wir zu starten gedachten. Weil die Aare mäandert, mussten auch wir mit der Aare mitmäandern und in Bern beim Bärengraben angekommen, standen 17 Kilometer auf der GPS-Uhr.

Einige laufen links der Aare nach Bern, das ist kürzer und flach. Andere auf der rechten Seite, nix flach, hoch und runter und bei Bremgarten zwei Kilometer fast im Kreis herum zusätzlich, weil auf der Aussenseite der Flussschleife um die Halbinsel mit dem Bremgartener Schloss. Eine Variante für die richtigen Kerle: wie wir oder ein gewisser Viktor Röthlin.

Ab Bern bis Münsingen bot der Weg weiterhin und durchwegs romantische Eindrücke. Und weiter bis Thun, seit Beginn sind bis hier gut 200 Kilometer der Aare entlang zusammen gekommen; sie ist hier immer noch beträchtlich reissend unterwegs.

On the road again, den Thunersee rechter Hand rannten wir nach Interlaken, um da die Aare zu queren und – jetzt der Brienzersee zur Linken – bis nach Meiringen zu sprinten. Wer nachmisst sollte gegen 56 Kilometer zusammen bekommen. Und wer mit dem Thermometer mass: 26 Grad Celsius.

Die grosse Pause machten wir an der malerischen Bucht von Iseltwald, gegenüber vom Schloss Seeburg. Erst mal ins Wasser, uns glühte die Rübe vom Laufen. Das half, die Wassertemperatur entsprach 4 Zentimetern. Aber wirklich romantisch war es da und mir fiel Goethe ein: „Ein Mädchen und ein Gläschen Wein kurieren alle Not; und wer nicht trinkt und wer nicht küsst, der ist so gut wie tot!“ Schön wär’s, aber wir mussten ja noch ein schönes Stück weiter joggen.

So arg schlimm war das auch wieder nicht, die weltbekannten Giessbachfälle lagen am Weg. 14 Wasserfälle mit einer gesamten Höhendifferenz von 500 Metern sind es. Und der Kollege fing dabei an abzuheben.

So spektakulär wie die Fälle ist das altehrwürdige Hotel. Kein Witz, dieses Etablissement sollte vor irgend welchen 20, 30 Jahren abgerissen werden.

Via Flugplatz Meiringen, kam dann mal Meiringen ins Sicht. In Meiringen kam das Hotel Victoria in Sicht. Auf der Terrasse vom Victoria kam wohlverdientes Bier in Sicht, denn wer nicht trinkt und wer nicht küsst, der ist so gut wie tod! Wobei, letzteres geht gerade nicht. Weil Graziella ist die Team-Massasösin und knetet gerade die anderen durch, derweil ich beim Bier den Bericht  hier schrieb, denn wer nicht trinkt, ist so gut wie tod!

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Schnee. Bis ganz auf den Grimsel können wir heute nicht. So an die 23 Kilometer werden wir heute aber schon bewältigen. Und zu Beginn das Highlight schlichtweg: die Aareschlucht. Sie misst 1400 Meter, ist 180 Meter tief und an der engsten Stelle nur einen Meter breit.

Kleiner Umweg, ab auf die Alp. Doof dabei: alles Höhemeter die wir wieder vernichteten. Doch es hat sich eindeutig gelohnt.

Ringsum nur Gegend, dazwischen wir. Hier gerade ein Durchgang bei einem Lawinenkegel (der mehrere Meter hohe Dreckhaufen im Hintergrund ist ein Lawinenüberbleibsel).

Ich konnte nicht widerstehen: ich hab‘ sie einfach ahnungslos hinter dem Gatter kurz inne halten lassen. Dafür werden mich die zwei beiden hassen, aber da müssen sie selber durch. Ich kann mich ja nicht um alles kümmern!

Das letzte Teilstück wurde im August unter die Sohlen genommen, weil im Mai lag noch Zuviel Schnee. Erst mal idyllisch, leicht coupiert und eher gemächlich über die alten Säumerpfade.

Bald ist fertig mit lustig. Die Höhenmeter bis zum Grimsel Hospiz erhellen schon mal optisch beeindruckend das Dunkel in unserer Birne. Das sieht nicht gut aus – nein das sieht übel aus. Schlimmer geht nimmer, da müssen wir hoch.

Auf die Minute genau wie wir, trifft das Postauto beim Grimsel Hospiz ein. Heute kommt die Post im Oldtimer, das macht Freude, jedenfalls bis der Pilot das Posthorn betätigt. Das Trommelfell vermeldet: schlimmer geht nimmer.

Als der Hörsturz abklingt und der Postillion aus seinem Führerstand grinst, wird schnell klar: schlimmer geht immer. Das Grauen hat einen Namen: ’s Tresi vom Simplon. Seine speziellen Fähigkeiten wurden schon bei früherer Gelegenheit auf lsvb.ch protokolliert.

Plötzlich können die Ladies auch schnell, gehetzt von Tresi im Posti. Letzterer war rein zufällig da oben auf Hochzeitsfahrt unterwegs.  Der Vollständigkeit halber: Ich war mit Tresi in der Rekrutenschule – und überlebte. Das ist am Simplon wie ein Ritterschlag. Wenn mich im Wallis einer nicht kennt, dann bringe ich diese Geschichte. Dafür ernte ich ehrfürchtige, misstrauische Blicke. Aber anwesende Einheimische bestätigen dem Misstrauischen das Unglaubliche stumm nickend, will heissen: „Der hat die RS mit Tresi überlebt!“ Für meine Zeche brauche ich hernach den ganzen Abend nicht mehr aufkommen – bin jetzt Blutsbruder. (Blutsbruderschaft im Wallis passiert durch Alkoholpromille im Blut gemeinsam verkosteter Johannisberg-Flaschen.)

Ein emotionaler Moment, unverhofft kommt der Oberaargletscher ganz hinten im Tal in Sicht. Ein letzter Single Trail in Blickrichtung rechts vom See und wir werden das Ziel erreicht haben. Nach insgesamt 308 Kilometern sind wir bei der Quelle der Aare angelangt.

Hier fliesst der grösste Schweizer Fluss aus dem Gletscher hervor. Beim Zusammenfluss mit dem Rhein bei Koblenz wird die Aare um die 25 Prozent mehr Wasser führen als erstgenannter, trotzdem wird von da an die Aare Rhein genannt.

Ja wo iserdenn? Anders gefragt: Wie kurz ist kalt?

Das Wasenseeli am Simplon hat 7 Grad Wassertemperatur, beziehungsweise mit anderer Messtechnik ist es 2 Zentimeter kalt.

Am Oberaarsee: Kein Thermometer dabei? Kein Problem. Die Alternativ-Messung zeigte 4 Zentimeter an, ergibt also 14 Grad Celsius. Kindergeburtstag, damit kann man später nicht angeben. Dabei dachten wir, nach den ersten 500 Gletscheraare-Metern gäbe das heute ein LSVB-Badekälterekord.

Eigentlich wäre das Projekt jetzt beendet, aber ein Suplement am Sonntag liessen wir uns nicht nehmen: zum Gelmersee. Und vor allem die spektakuläre Fahrt mit der Gelmerbahn, der steilste Standseilbahn weltweit, runter zur Handegg. Ganz unten zur Talstation läuft’s flach aus. Das meinst auch nur du, das Auslaufende da unten ist nämlich ebenfalls sausteil. Nur – hier oben ist die Bescherung viel verreckter. Und in Bildmitte sieht man, dass das Gefälle nochmals aus der Sicht nach unten weg kippt. Wer Höhenangst hat, hat leicht schlechte Karten. Wer keine Höhenangst hatte, hat danach auch eine. Aber eins ist sicher: schlimmer geht nimmer.

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So war der epische LSVB-Aarelauf 2017, powered by dätti@lsvb(Tor)tours.ch

Nächstes Jahr Ende April folgt eine Fortsetzung: von Basel nach Zermatt (powered by Kurt Bieri).

1 Comments

  1. Für mich ein Highlight dieses Jahres, bleibt unvergesslich – Danke!
    Freue mich auf Basel – Zermatt und hoffe, dass sich auch langsamere Läufer
    getrauen mitzulaufen.

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