100km Biel, die Nacht der Nächte

Dream Team

Bericht verfasst von Melanie Beyeler

Für mich: Die unendliche Geschichte (Remake)

Abenteuer auf jeden Fall
Drama möglich
Happy End eventuell
Filmidee vor zwei Jahren spontan entstanden, von anderen verrückten Nachtaktiven und chronischen Optimisten angesteckt
Filmcrew sämtliche LSVB Mitglieder motivierten, bleiben dran, will ich auch
Budget unbezahlbare Unterstützung sowie wertvolle Tipps von erfahrenen 100km Läufern, Nachtaktiven und chronischen Optimisten

Tipp Nr. 1

Glaub mir, das Training ist das schönste am 100er. Bekomme auch gleich super Trainingsplan, der Technik sei Dank, Direktübertragung auf meine Agenda. Heisst im Klartext, werde jeden Tag erinnert was ich machen soll, darf, muss.

Also los. Muss mich nur daran halten, habe ich natürlich nicht immer geschafft. Hat mich nicht sehr beunruhigt, da ich um ehrlich zu sein, schon bei der Anmeldung mit dem Gedanken spielte in Kirchberg (56km) den Lauf zu beenden. Mir jedoch die Möglichkeit offen lassen wollte, ev. doch noch 100km laufen zu können. So richtig unter Druck bin ich erst gekommen, als Anita mir mitteilte, dass sie mich als Coach auf dem Velo begleiten möchte. Aber erst ab Kirchberg! Bääääng …

Drehbuchanpassung aufgeben in Kirchberg, absolut unmöglich
Drehort Biel 7.6.2019, 22.00 Uhr, Regen, aufgeregt, geniale Stimmung

Tipp Nr. 2

Es wird dir helfen in Etappen zu denken.

Also nur bis Aarberg (17km) ca. Leimentaler eher weniger Höhenmeter, geht gut.

Tipp Nr. 3

Starte ja nicht zu schnell, du wirst es bereuen.

Am Anfang bei der Menge der Teilnehmer inkl. Wanderer nicht so schwierig, dann lass ich mich von Dätti mitziehen, der bahnt sich seinen Weg auf dem Trottoir und zieht an allen vorbei. Bekomme plötzlich Zweifel, ob ich weiter mithalten soll, er wird in Kirchberg erfolgreich beenden und ich? 

Läuft aber irgendwie gerade so gut und so schnell kann es wohl doch nicht sein. Da Unvorstellbares gerade neben mir passiert, der Dätti schreibt doch tatsächlich während dem Laufen SMS. Ab Aarberg schalte ich dann einen Gang zurück und muss ihn ziehen lassen.

Geniesse die spezielle Stimmung, bewundere all die Zuschauer die trotz Regen mitten in der Nacht ausharren, sowie die unzähligen Helfer die uns unermüdlich verköstigen.

Tipp Nr. 4

Vergiss nicht ausreichend zu trinken.

Hat ja genügend Gelegenheiten, einfach (dachte ich mir).

Ca. bei km 45 steht Anita schon das erste Mal am Strassenrand, super. Denn ich spüre meine Beine, immerhin schon Marathon Distanz überschritten.

Dream Team

Tipp Nr. 5

Damit du den Schmerz ausblenden kannst, spiele mit den Fingern.

Nehme am Verpflegungsposten 2 Stück Brot und fange an, die zu kneten,
„Salzbretzeli“ kann man auch unzählige Mal um den Finger drehen.

Plötzlich sehe ich Dätti wieder und wir laufen gemeinsam bis Kirchberg. Er am Ziel, ich noch mehr als einen Marathon vor mir. Ich weiss, dass ich auf keinen Fall anhalten darf, sonst schaff ich es nicht wieder anzulaufen. Laufschuhe und T-Shirt wechseln muss ich ausfallen lassen. Sicherheitshalber halte ich nicht einmal am Verpflegungsposten an.

Mich überlistet und mit Anita an meiner Seite geht es weiter… nach nur wenigen Metern müssen die Velo Coaches jedoch eine andere Strecke fahren.

Tipp Nr. 6

Du kannst eigentlich alles ohne Lampe laufen, ist nur am Ho Chi Minh-Pfad ein Muss.

Ho Chi Minh-Pfad, Single Trail, stockfinster, kein Läufer vor oder hinter mir, einige Staffelläufer, die mich überholen.

Bekomme plötzlich Panik… unzählige Geräusche… in meinem Kopf läuft gerade ein Horrorfilm ab. Positiver Effekt: treibt mich an, trotz müden Beinen, schneller zu laufen. Endlich sehe ich all die Lichter der Fahrräder, schreie schon von weitem: „Anita!“, und prompt fährt sie mir entgegen. Total erleichtert und happy dieses Erlebnis mit ihr teilen zu können, nähern wir uns Bibern (km 75).

Lachen bei Kilometer 75

Langsam geht die Sonne auf, was gibt es schöneres als dem Sonnenaufgang
entgegen zu laufen?

Bis anhin ist alles mehr oder weniger ok. Doch nun meldet sich mein Magen. Kein Wunder habe ja mit dem Essen nur gespielt. Noch einen Halbmarathon vor mir.

Tipp Nr. 7

Wenn du denkst du kannst nicht mehr: Kopf-Kino einschalten.

Mach ich. Kommen aber immer lästige Pausen, leider keine Werbespots.

Den anderen Läufern geht es wohl ähnlich. Passieren gerade einen singenden Velocoach, originell.

Film music Keep on running; Spencer Davis
  You can get it if you really want; Jimmy Cliff

auf dem Weg ins Ziel

Wir nähern uns km90 und mir wird immer übler, kann mich nur noch darauf konzentrieren nicht auf der Stelle umzukippen.

Sandrine und ihr Team haben Staffette gelaufen. Platz 3, genial, Congratulation. Sie werden im Ziel auf uns warten.

Immer noch 10km, Birslauf nur an der Aare.

Endlich km95, ich kann es schaffen, nur noch meine SOLA-Strecke.

Nach einer gefühlten Ewigkeit km99 …

Schöne Überraschung, Sandrine steht in der Kurve läuft mit mir die letzten 500m.

Zieleinlauf

Unglaublich, geschafft im Ziiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiel. Unbeschreibliches Gefühl.

Abspann 1000 Dank

Die unendliche Geschichte geht natürlich weiter. Soviel sei verraten, 2. Teil in Planung, mit anderer Rollenbesetzung.

5 Comments

  1. Toller Bericht und vor allem super starke Leistung.
    Herzliche Gratulation. Bravo bravo, mach weiter so. Ich möchte noch mehr so lustige und lebendige Berichte lesen.
    Rosemarie

  2. Für mich immer noch unvorstellbar 100km zu rennen. Super gemacht und das noch in einer sehr guten Zeit obendrauf. Ich wünsche dir gute Erholung. Und das auch allen Anderen die gelaufen sind. Toller Bericht!

  3. Toll gemacht und super durchgehalten – Respekt!! Herzliche Gratulation und gute Erholung!

  4. Wow – Super Leistung! Gratulation zu deinem Erfolg

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